Messen im Bearbeitungsraum Zuverlässiges Messen bei widrigen Bedingungen

Von Theo Drechsel

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Werkstücke in Drehzentren automatisiert zu messen ist anspruchsvoll. Die eingesetzten Messsysteme sind ständig Späneflug, Kühlschmiermittel und Vibrationen ausgesetzt. Der Drehmaschinenhersteller Schuster aus Denklingen nutzt die Expertise von Blum-Novotest für das Messen im Bearbeitungsraum.

Schuster F40 Dreh-Fräskombination mit Messtaster TC61 von Blum.
Schuster F40 Dreh-Fräskombination mit Messtaster TC61 von Blum.
(Bild: Blum )

«Mit der Transformation zur Industrie 4.0 verändern sich auch die Anforderungen an die Metallbearbeitung. Deswegen liefern wir nicht nur standardisierte Drehmaschinen», erläutert Christian Moser, Projektleiter von Schuster Maschinenbau aus dem bayrischen Denklingen und ergänzt: «Wir realisieren innovative Zukunftslösungen in engster Kooperation mit unseren Kunden aus den metallbearbeitenden Industrien, um diese ganz individuell nach vorne zu bringen. Dafür hinterfragen wir permanent den Status quo und streben nach ständiger Weiterentwicklung.» Zu den Anwendern der Schuster-Anlagen gehört neben anderen Industrien auch der Automotive-Bereich. Gefertigt werden Getriebewellen, Nocken- und Ausgleichswellen sowie komplexe Motorwellen für Elektroantriebe. Meist werden die Wellen in mehreren miteinander verketteten Stationen bearbeitet, die an Beginn und Ende der Linie manuell be- und entladen werden.

Drehen, Fräsen, Schleifen in einer Aufspannung

Die Schuster-Maschinen arbeiten immer mit einer vertikal stehenden Werkstückspindel, je nach Aufgabe kommen Hauptspindel, Gegenspindel oder ein Mittendrehaggregat zum Einsatz. Je Arbeitsraum werden bis zu zwei Revolver oder auch Fräs- sowie Schleifaggregate eingesetzt, sodass Dreh-, Fräs- und Schleifbearbeitung in einer Aufspannung durchgeführt werden können. Die Maschinen sind immer mit X- und Z-Achse ausgestattet, welche sich abhängig vom Maschinentyp in der Spindel oder dem Revolver/Aggregat befinden. Die Spindel hat im Regelfall auch eine C-Achse. Die Y-Achse ist bei Bedarf als Option verfügbar und damit wie im Drehbereich üblich bei vielen Maschinen nicht vorhanden.

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Zweipunktmessung gefragt

«Das Messen im Arbeitsraum ist ein integraler Bestandteil unserer Bearbeitungsprozesse», stellt Christian Moser fest. «In vielen Produktionsprozessen wird ein Durchmesser zunächst mit Aufmass vorbearbeitet und dann auf Endmass geschliffen oder gedreht. Dazu ist es erforderlich, zwischen den beiden Schritten den aktuellen Durchmesser automatisiert zu messen und den Schleif- bzw. Drehvorgang entsprechend anzupassen. Um nicht etwaige Rundlauffehler oder den Temperaturgang der Maschine mitzumessen, ist hier eine Zweipunktmessung – ähnlich wie bei einer Bügelmessschraube – notwendig.»

Moser setzte sich mit dieser nicht alltäglichen Anforderung mit Uwe Fischer vom Messtechnikspezialisten Blum-Novotest in Grünkraut in Verbindung. Mit Blum verbindet Schuster eine jahrelange Zusammenarbeit. In den Drehmaschinen des Herstellers wurden – je nach Kundenanforderung – schon diverse Blum-Messtaster und Lasermessgeräte installiert. «Früher hatten wir meist Messtaster mit Infrarot-Übertragung im Einsatz, heute sind die Taster in unseren Maschinen überwiegend per Funk mit der Steuerung verbunden. Diese lassen sich einfacher in die Maschinen integrieren, da keine Sichtverbindung zwischen Messtaster und Empfänger erforderlich ist», ergänzt Moser.

In zwei Achsen geführtes, bidirektionales Messwerk

Da viele Schuster-Anlagen nicht mit einer Y-Achse ausgestattet sind, entfällt die Möglichkeit, das Werkstück mit einem Standard-Tasteinsatz vorn und hinten an zwei Punkten anzutasten, um den aktuellen Durchmesser zu erfassen. Es musste also eine andere Lösung gefunden werden. Blum präsentierte diese in Form des Messtasters TC61 und eines speziell entwickelten Tasteinsatzes. «Das Besondere am TC61 ist das in zwei Achsen geführte, bidirektionale Messwerk. Im Gegensatz zu sonst typischen Messtastern können dadurch nicht nur drückende, sondern auch ziehende Messungen hochpräzise durchführt werden. Zudem erfolgt die Schaltsignalgenerierung per Abschattung einer Miniaturlichtschranke im Inneren des Messtasters, was ihn verschleissfrei und somit sehr langlebig macht,» erklärt Fischer.

Schwere Tasteinsätze

Dieses aussergewöhnliche Messwerk macht es möglich, den TC61 mit relativ schweren Tasteinsätzen – in diesem Fall einem Messbügel – auszustatten. Soll nun wie bei Schuster Maschinenbau der Durchmesser einer Welle erfasst werden, lässt sich dies ganz einfach per Zweipunktmessung durchführen. Dazu wird der sich im Revolver befindende TC61 horizontal eingeschwenkt und über die X-Achse je eine Messbewegung ziehend und drückend durchgeführt. Zusätzlich wird in manchen Anlagen eine Tastkugel am äussersten Ende des Bügels angebracht, um beispielsweise Längen, Nullpunkte oder Stufen messen zu können. Die Messbügel bietet Blum ab 35 Millimeter maximalem Messdurchmesser in diversen Abstufungen bis 73 Millimeter an. Bis 50 Millimeter Nenndurchmesser bestehen die Bügel aus Stahl, die grösseren Versionen dann aus Aluminium, um die Kräfte auf das Messwerk nicht zu gross werden zu lassen.

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Kompensation des Temperaturgangs möglich

«Das Messen des Durchmessers beim Aufmassschleifen ist die Voraussetzung für die Einhaltung der wirklich engen Toleranzen», berichtet Moser. «Wir setzen an den X-Achsen hochpräzise Glasmassstäbe ein, um den Taster möglichst präzise positionieren zu können. Die Messungen werden in der Aufwärmphase der Maschinen öfter vorgenommen. Sobald sich die Temperaturen stabilisiert haben, wird seltener gemessen – auch so lassen sich die Taktzeiten insgesamt kurz halten. Die Zweipunktmessung lässt sich sehr schnell durchführen und wir erreichen eine Wiederholgenauigkeit auf der Maschine von 1,5 bis 2 µm.»

Die Messungen mit dem Blum-Taster ermöglichen die Kompensation des Temperaturgangs ebenso wie die unvermeidbare Abnutzung der Schleifscheibe. «In der Serienfertigung darf es keinen Ausschuss geben», unterstreicht Moser, «da muss jeder Bearbeitungsvorgang über Monate und Jahre und Tausende von Werkstücken in der Toleranz bleiben. Das lässt sich nur mit laufender, prozessbegleitender Messung erreichen.»

Widerstandsfähiger Messtaster

Dabei wird der Messtaster im Bearbeitungsraum nicht geschont. Während der Bearbeitung beträgt der Kühlmitteldruck bis zu 60 bar – dieser Strahl trifft indirekt auch den Messtaster im Revolver gegenüber. «Wir nehmen keine Rücksicht auf den Taster», schmunzelt Moser. «Auch Späne und Schleifstaub bekommt der Messtaster ab, das ist in Drehzentren einfach anders als in Fräszentren, in denen die ungenutzten Werkzeuge sicher im Werkzeugmagazin untergebracht sind.» Auch die Bewegung des Revolvers selbst, der bei jeder Positionierung des Werkzeugs in einer Verzahnung fixiert wird, erzeugt nicht unerhebliche Schläge auf den gesamten Revolver und damit auch auf den Mess­taster. Das verkraftet der Blum-Taster jedoch problemlos.

«Wir sind mit den Messtastern von Blum absolut zufrieden. Sie halten den widrigsten Bedingungen stand und erzeugen auch mit dem neu entwickelten Messbügel hochpräzise Messergebnisse. So fertigen unsere Kunden hochproduktiv bei gleichzeitig geringsten Ausschussquoten», fasst Moser seine Erfahrungen zusammen. «Die Ansprechpartner bei Blum sind kompetent und bieten auch für komplexe Anforderungen schlaue Lösungen wie in unserem Fall den Messbügel. Wir fühlen uns sehr gut aufgehoben bei Blum.» SMM

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