SMM-Interview mit René Näf und Pascal Streiff zum Swissmem-Zerspanungsseminar

12. Swissmem-Zerspanungsseminar bringt Neuigkeiten

| Redakteur: Matthias Böhm

René Näf (li., Vizedirektor, Urma AG) und Pascal Streiff (Fachgruppenleiter, Swissmem) organisieren das Swissmem-Zerspanungsseminar an drei Tagen und drei Standorten im Januar 2017.
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René Näf (li., Vizedirektor, Urma AG) und Pascal Streiff (Fachgruppenleiter, Swissmem) organisieren das Swissmem-Zerspanungsseminar an drei Tagen und drei Standorten im Januar 2017. (Bild: Matthias Böhm)

Am 17., 18. und 19. Januar trifft sich das Who’s who der Schweizer Zerspanungstechnik (Pfäffikon SZ , Olten und Yverdon-les-Bains) am 12. Swissmem-Zerspanungsseminar. Insgesamt 15 Unternehmen tragen Neuigkeiten und Anwendertechnologien rund um die Zerspanung vor.

SMM: Was erwartet die Besucher am 12. Swissmem-Zerspanungsseminar?

Pascal Streiff (Fachgruppenleiter Swissmem): Eine Fülle von interessanten Vorträgen rund um die Zerspanung und Fertigungstechnik. Wir blicken aber auch über den Tellerrand und zwar mit einem Vortrag zum Thema der additiven Fertigung in Form eines Gastreferats. Darüber hinaus werden wir das Thema Industrie 4.0 behandeln, das immer bedeutender wird in der modernen Fertigung. Generell ist das Swissmem-Zerspanungsseminar bekannt für seine hohe Qualität, wo regelmässig Innovationen von Schweizer Werkzeugherstellern präsentiert werden.

Was können Werkzeughersteller im Bereich Industrie 4.0 leisten?

René Näf (Vizedirektor, Urma AG): Im Bereich der Werkzeughersteller bedeutet Industrie 4.0, dass wir in Zukunft vermehrt intelligente Werkzeugsysteme in Einsatz bringen, die direkt mit der Umgebung vernetzt sind. Es gibt bereits mehrere Unternehmen, die Lösungen bezüglich Industrie 4.0 anbieten. Big Kaiser hat ein hochinteressantes digital vernetzbares Ausdrehsystem entwickelt, das praktisch brandneu am Swissmem-Zerspanungsseminar vorgestellt wird. Industrie 4.0 heisst für die Werkzeughersteller, dass die Daten der Werkzeugsysteme mit der Umgebung und den Maschinen gewinnbringend vernetzt werden. Hier sind fast keine Grenzen gesetzt.

An welche Personen richtet sich das Zerspanungsseminar konkret?

P. Streiff: Das Swissmem-Zerspanungsseminar richtet sich an Anwender und Bereichsleiter in Fertigungsunternehmen sowie Fertigungstechniker, Produktions- und Zerspanungsspezialisten sowie an Entscheider. Im Prinzip alle, die am Fertigungsprozess beteiligt sind und sich weiterentwickeln wollen. Aber auch an strategische Einkäufer von Zerspanungswerkzeugen, die sich für die technologischen Weiterentwicklungen interessieren.

Gibt es Themen, respektive Vorträge, die technologisch Neuland betreten?

R. Näf: Auf jeden Fall, Big Kaiser wird, wie oben angesprochen, ein neues Ausdrehsystem vorstellen, das wirklich Neuland betritt. Auch bei Fraisa wird ein modernes, hochkomplexes Fertigungsverfahren vorstellen, das es so bisher noch nicht gegeben hat. Die Urma AG zeigt ein neues Reibsystem im kleinen Durchmesserbereich, das bisher so als nicht realisierbar galt. Aber alles will ich hier nicht verraten, es soll ja auch noch Überraschungen geben am Swissmem-Zerspanungsseminar.

Sehen Sie Revolutionen in der Werkzeugentwicklung?

P. Streiff: Es sind nicht immer Revolutionen, die etwas bewegen. Wir müssen auch die evolutionären Entwicklungen hervorheben, die den Werkzeugbereich und die Fertigung immer wieder nach vorne bringen. Aber es geht im Swissmem-Zerspanungsseminar darum, immer wieder Wege aufzuzeigen, wie Sie ihre Produktion Schritt um Schritt verbessern können. Das ist eines der wesentlichen Aufgaben. Teilweise sind die bestehenden Technologien am Markt noch gar nicht bekannt oder werden nicht richtig eingesetzt.

Technologien sind das eine, welche Rolle nimmt das Zerspanungsseminar noch ein?

R. Näf: Es ist eine Plattform und ein wichtiger Treffpunkt für Schweizer Zerspanungsspezialisten. Wir bringen Werkzeugspezialisten und Menschen aus der Produktion zusammen. Man hat ein sehr ungezwungenes Networking, kann Adressen austauschen und man kann sich so ein gutes Netzwerk ausbauen. Das ist nicht ganz unwichtig aus meiner Sicht. Denn in solchen Gesprächen erfahren Sie manchmal von Fertigungsmethoden, über die man ansonsten nie etwas erfährt, weil sie nicht veröffentlicht werden. Ein solcher Informations-Austausch auch zwischen Produktionsspezialisten untereinander ist aus unserer Sicht sehr wichtig. Wie kann man zerspanungstechnische Probleme lösen, wie hat das ein ähnlich gelagertes Unternehmen realisiert usw.

Gibt es neben der Zerspanung noch weitere Themen?

P. Streiff: Nicht nur die Zerspanung kommt zu Wort, sondern auch die Oberflächen-, Beschichtungs- und Schleiftechnologie im Bereich der Werkzeugherstellung. Solche Themen sind nicht nur für Werkzeughersteller interessant, sondern auch für Nachschleifoperationen. Ohne Beschichtung – mit wenigen Ausnahmen – kann man Zerspanungswerkzeuge heute kaum noch wirtschaftlich einsetzen. Es geht nicht mehr nur darum, dass der Werkzeughersteller weiss, welche Beschichtungen entscheidend sind, sondern auch die Anwender.

Extramet bringt ein spezielles Beschichtungsthema.

R. Näf: Extramet wird das Diamantbeschichten von Werkzeugen thematisieren. Aber ganz entscheidend ist hier, wie werden die Werkzeuge im Vorfeld vor dem Beschichten vorbereitet. Die Beschichtung ist das eine, aber wenn eine gute Schicht nicht auf dem Material haftet, dann nützt ihnen die beste Schicht nichts. Damit eine Diamantbeschichtung auf dem Werkzeug-Substrat hält, braucht es ein entsprechendes Basismaterial und hochspezialisierte Vorbehandlungen. Das ist eine Wissenschaft für sich.

Sie veranstalten das Zerspanungsseminar an drei Standorten. Warum machen Sie das?

P. Streiff: Wir rechnen mit gesamt über 400 Teilnehmern. Wir wollen regional nah beim Kunden sein. Wir haben mit den drei Veranstaltungsorten in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen gemacht, einmal mit Yverdons für die Westschweizer, bei den beiden Deutschschweizer Standorten haben wir eine gute regionale Verteilung.

Was zeichnet die Schweizer Werkzeughersteller aus Ihrer Sicht aus?

P. Streiff: In der Schweiz ist man wegen der hohen Lohnkosten gezwungen, innovativ zu sein und automatisiert zu fertigen. Nur so bleiben die Werkzeughersteller kompetitiv. Wir haben nicht wirklich grosse Werkzeug-Hersteller, verglichen mit Schweden oder Deutschland. Unsere Werkzeughersteller sind Nischenplayer. Aber zerspanungstechnisch hervorragend aufgestellt. Das liegt auch an dem Kundensegment, wie Uhrenindustrie oder Medizintechnik und die gesamte Prozess-Industrie. Die Anforderungen an die Zerspanungsparameter in diesen Branchen sind enorm. Hier werden anspruchsvollste Werkstoffe mit zum Teil extremen Toleranz- und Qualitätsvorgaben bearbeitet. Das fordert die Schweizer Werkzeughersteller, aber es fördert auch die Innovationskraft, und das zeigt sich am Swissmem-Zerspanungsseminar. -böh- SMM

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