5G Technologie Aktien

Aktien: Lohnt sich 5G als Investment?

| Autor / Redakteur: Thomas Rappold / Silvano Böni

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(Bild: ©m.mphoto - stock.adobe.com)

Die vierte industrielle Revolution wird bisher meist aus technischer Sicht betrachtet. Doch wie stellen sich Themen wie Cyber Security, 5G, Artificial Intelligence oder auch Blockchain aus Investmentsicht dar? Der Finanz- und Börsenexperte Thomas Rappold kennt die Antworten. In folgendem Beitrag geht er gezielt auf das Thema 5G ein.

Die deutsche Finanzzeitung Handelsblatt titelte kürzlich mit Blick auf die Schweiz neidvoll «Was die Schweiz beim 5G-Ausbau besser macht als Deutschland». Gelobt wurde von dem Blatt das smarte, nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegte Versteigerungsdesign und das zügige Einführen der 5G-Technologie. Zwar gefährden die aktuellen Moratorien für neue Funkantennen in den Kantonen Genf und Jura die ehrgeizigen Ausbaupläne der Mobilfunkunternehmen, doch trotz dem noch ausstehenden Bericht der ehemaligen Bundesrätin Leuthard rechnet die Swisscom bis Ende Jahr mit einer Abdeckung von 90 Prozent der Bevölkerung und auch Sunrise verspricht, bis dahin alle Regionen der Schweiz mit 5G zu versorgen.

Verzögerter 5G-Startschuss in Deutschland

In Deutschland hingegen ist bei den an der Auktion beteiligten Mobilfunkkonzernen Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Drillisch Wunden lecken angesagt.

Quälend lange zog sich die 5G-Frequenzauktion im grossen Kanton hin. Es bedurfte insgesamt 497 Bieterrunden, bis der Entscheid über die Zuteilung der Frequenzbänder feststand. Ins Bild passte dazu, dass Rüdiger Hahn, der für die Auktion zuständige Abteilungsleiter der Bundesnetzagentur, sich während der Versteigerung in den Ruhestand verabschiedet hatte – just in der heissen Auktionsphase nahm er seinen Resturlaub.

Der deutsche Staat darf sich nun aber über einen Geldsegen von fast 6,6 Milliarden Euro freuen. Geld, das nun für den schnellen Netzausbau in Deutschland fehlt, wo doch bekanntermassen diese gegenüber dem Nachbarn Schweiz schon heute arg zurückhinkt.

Der Grund allen Übels liegt wohl in der aberwitzigen UMTS-Auktion im Jahr 2000, die dem Staat Rekordeinnahmen von 50 Milliarden Euro beschert hatte, aber gleichzeitig die Mobilfunkanbieter in schweres finanzielles Fahrwasser gebracht hat. Das Geld, das man für die überteuren Frequenzen ausgegeben hatte, fehlte in der Folge für den Netzausbau. Auf der Weltrangliste der schnellsten Internetverbindungen rangiert Exportweltmeister Deutschland auf einem abgeschlagenen 25. Platz und muss Ländern wie Rumänien, der Tschechischen Republik, Lettland und Bulgarien den Vortritt lassen. Soweit also die Bestandsaufnahme. Die Schweiz belegt einen hervorragenden fünften Platz und muss nur Hongkong, Schweden, Norwegen und Südkorea den Vortritt lassen.

Ergänzendes zum Thema
 
Thomas Rappold

Die Schweiz im Vergleich zum Ausland

Hat die Schweiz nun alles richtig gemacht oder kann man von anderen Nationen noch etwas abschauen, wenn schon nicht vom grossen Nachbarn? Noch progressiver oder gar disruptiver ging das Telekommunikationsmusterland Finnland zu Werke: Statt die Mobilfunkanbieter in teure Bietergefechte zu treiben, offerierte die finnische Regierung drei grosse Frequenzblöcke gleicher Grösse für die drei an der Auktion teilnehmenden Anbieter Telia Finland, Elisa und DNA. Lediglich 77 Millionen Euro mussten die drei auf den Tisch blättern. Finnland, Heimstädte von Nokia, sieht 5G als grosse Chance für die heimische Industrie und will beim neuen Mobilfunkstandard auf Augenhöhe mit den USA und China mitmischen. Ein Hauch von konsequenter Industriepolitik, zumal Nokia sich gerade nach der Krise mit dem zuletzt verlustträchtigen Smartphone-Geschäft als führender 5G-Systemlieferant neu erfindet.

Weitsichtiges China

Strategische Industriepolitik in ganz anderen Dimensionen betreibt der für die Schweizer Industrie immer wichtiger werdende Handelspartner China. Wie aus dem kapitalistischen Lehrbuch agieren die drei grossen chinesischen Mobilfunkunternehmen China Mobile, China Telecom und China Unicom beim Netzausbau. Statt sich gegenseitig die besten Funkmastenplätze streitig zu machen und sich in teuren Bietergefechten die Preise zu verderben, haben sie erkannt, dass Mobilfunkinfrastruktur kein wirkliches Differenzierungsmerkmal ihrer Geschäftstätigkeit ist, und haben als Konsequenz daraus ihre jeweiligen Mobilfunkmasten im Jahr 2014 in eine eigenständige Gesellschaft unter dem Namen China Tower eingebracht. Vorbild dafür war der Erzrivale USA. Mit American Tower, Crown Castle und SBA Communications sind gleich drei börsennotierte Anbieter auf dem amerikanischen und internationalen Markt höchst erfolgreich unterwegs und kaufen reihenweise Mobilfunkmasten auf, beziehungsweise bauen neue für den Ausbau der 5G-Netze. Ein höchst lukratives Geschäft, wie man an den Aktienkursen dieser Unternehmen sehen kann, die wie an einer Perlenschnur seit Jahr und Tag kontinuierlich nach oben gehen. Das Prinzip ist einfach: Die Mastenbetreiber haben ein Interesse daran, dass ihre Standorte möglichst gut ausgebucht sind, und die Mobilfunkunternehmen müssen im Gegenzug lediglich Mietgebühren für einen Standort statt eines hohen Kapitaleinsatzes für den Bau und die Wartung der Masten aufwenden. Frei nach dem Motto «Geteiltes Leid ist halbes Leid». Der Börsengang von China Tower war damit vorgezeichnet. Insgesamt 6,9 Milliarden Dollar erlöste das Unternehmen für 25 Prozent der Anteile im vergangenen Jahr bei seinem IPO an der Hongkonger Börse. Das Unternehmen mit 1,9 Millionen Masten und 2,8 Millionen Antennen wurde mit knapp 30 Milliarden Dollar bewertet. Der Grossteil der Investorengelder, rund 60 Prozent, soll für den schnellen 5G-Netzausbau entlang der chinesischen Wachstumsregionen im Perlflussdelta wie Guangzhou, Shenzen, Shanghai und Hangzhou, aber auch in die Metropolregion Peking fliessen. Die Aktien von China Tower waren unter Anlegern sehr begehrt. Im Vorfeld wurden bereits Aktien im Wert von 1,4 Milliarden Dollar von zehn wichtigen Investoren, darunter die Taobao China Holding der Alibaba-Gruppe, gezeichnet. Augenzwinkernd kommentierte CEO Tong von China Tower die strategischen Investoren mit den Worten: «Unsere wichtigsten Investoren sind gute Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Es gibt ein grosses Potenzial, in Zukunft mit ihnen zusammenzuarbeiten.» Wie der Plan dazu aussieht, will Tong verraten, «wenn es nötig ist».

5G Aktien als neue Anlagenform

Immerhin haben auch Sunrise und Salt dies erkannt und einen grossen Teil ihrer Mobilfunkmasten an den spanischen Infrastrukturbetreiber Cellnex verkauft. Im Fall von Sunrise waren zudem noch die Swiss Life und die Deutsche Telekom an der Transaktion beteiligt. Doch angesichts der ultraniedrigen Zinsen und des Strafzinses der Schweizer Notenbank suchen Schweizer Kapitalanlagegesellschaften und Pensionskassen händeringend nach lukrativen und sicheren Anlageformen. Laut aktueller Pensionskassenstudie von Swisscanto, an welcher 531 Vorsorgeeinrichtungen mit einem Gesamtvermögen von 660 Milliarden Franken teilnahmen, war das vergangene Jahr 2018 mit einer durchschnittlichen Performance von –2,8 Prozent das schlechteste Anlagejahr seit Langem.

Am Finanzplatz Schweiz gäbe es genug Kapital und Know-how, um eine Swiss-Tower-Gesellschaft zu formen und daraus eine Erfolgsstory zu machen. Ein Projekt, das die Chinesen sicher auch mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen würden, nachdem Bundespräsident Ueli Maurer Ende April vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping zu einem Staatsbesuch empfangen wurde und beide Staaten eine Absichtserklärung zur «Neuen Seidenstrasse» unterzeichneten.

Vermögende Anleger sind auf diesen Zug bereits aufgesprungen: beispielsweise Jack Ma von Alibaba bei China Tower und zuletzt Bill Gates bei Crown Castle.

5G Technology Index

Historische Wertentwicklung des 5G Technology Index.
Historische Wertentwicklung des 5G Technology Index. (Bild: Solactive)

Damit auch Schweizer Anleger in den Wachstumsmarkt 5G investieren können, hat sich der Finanz- und Börsenexperte Thomas Rappold intensive Gedanken gemacht. Daraus entstanden ist der 5G Technology Index. Dieser beinhaltet die jeweils aktuell wichtigsten 5G-Technologieunternehmen. Die Anpassung des Index findet halbjährlich statt. Wichtige Kriterien für die Indexaufnahme sind neben erstklassigen Finanzkennzahlen technologische Führerschaften in den einzelnen Segmenten, was sich unter anderem durch hochwertige Patent­anmeldungen quantifizieren lässt. Folgerichtig sind die Mobilfunk-Infrastrukturunternehmen Crown Castle, American Tower und China Tower wichtige Bestandteile des Index. Darüber hinaus deckt der Index die komplette Wertschöpfungskette von 5G angefangen bei den Herstellern der Endgeräte wie Apple und Samsung über die Antennen und Chiphersteller wie Qualcom, Intel und Broadcom, die Netzwerkausrüster wie Cisco und Ericsson sowie Mobilfunkanbieter wie AT&T, Deutsche Telekom und China Mobile ab.

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