Agie Charmilles eröffnet neue Produktionshalle in Losone Wo Innovation in Magie übergeht

Von Matthias Böhm 11 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Unter dem Dach von United Machining Solutions investiert Agie Charmilles in Losone in eine hochmoderne Produktionshalle. Damit entstehen modernste Arbeitsplätze in den Bereichen Elektronik-Reinraumfertigung, Forschung und Entwicklung sowie Montage und Logistik. Ein unternehmerisches Vorzeigeprojekt, das ein starkes Zeichen für den Technologie- und Industriestandort Schweiz setzt, wie Umang Maradia (Managing Director) und Thomas Wengi (Sales Director, beide Agie Charmilles) im SMM-Exklusivinterview hervorheben.

Umang Maradia (li., Managing Director) und Thomas Wengi (re., Sales Director, beide Agie Charmilles) vor dem neuen Produktionsstandort von Agie Charmilles in Losone.(Bild:  Matthias Böhm)
Umang Maradia (li., Managing Director) und Thomas Wengi (re., Sales Director, beide Agie Charmilles) vor dem neuen Produktionsstandort von Agie Charmilles in Losone.
(Bild: Matthias Böhm)

United Machining Solutions investiert in seine Gebäudeinfrastruktur. Zuletzt in Biel und nun wird bei Agie Charmilles in Losone in eine grosse Erweiterung investiert. Was bedeutet eine solche Investition für die zukünftige Entwicklung von Agie Charmilles und den Standort Losone?

U. Maradia: Das ist ein sehr starkes Signal unserer Investoren und der Geschäftsleitung. Sie setzen voll auf den Produktionsstandort Schweiz. Die Investition ist Ausdruck des Vertrauens unseres Managements in unsere Technologie, unseren Standort und unsere Mitarbeitenden in Losone.

Welchen strategischen Nutzen bietet eine solche Investition für Ihr Unternehmen?

Th. Wengi: Sie ermöglicht es uns, modernste Produktionslösungen in den neuen Räumlichkeiten umzusetzen und dadurch langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Man glaubt an den Standort, fördert ihn und schafft die Voraussetzungen für nachhaltigen Erfolg. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, benötigen wir motivierte Mitarbeitende. Mit dieser Investition schaffen wir die besten Voraussetzungen, um auch künftig hoch qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und bestehende Mitarbeitende langfristig an das Unternehmen zu binden.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Können Sie uns einen kurzen Überblick über Agie Charmilles geben, das auf Draht- und Senkerodiermaschinen spezialisiert ist?

U. Maradia: Agie Charmilles verfügt über zwei Standorte, und zwar in Losone und in Peking. Insgesamt beschäftigen wir knapp 600 Mitarbeitende, darunter rund 50 Lernende. In der Schweiz fertigen wir hochkomplexe Maschinen mit höchsten Anforderungen an Präzision. In Peking produzieren wir einfachere Erodiermaschinen. Dabei ist wichtig zu wissen, dass die gesamte Entwicklung zentral in der Schweiz angesiedelt ist. Eine Ausnahme bildet China, wo wir für die dort produzierten Erodiermaschinen die mechanische Konstruktion und Entwicklung vor Ort haben.

Wie viele der Maschinen sind kundenspezifisch ausgelegt?

Th. Wengi: Der Anteil an Turnkey-Maschinen macht weniger als zehn Prozent aus. Das heisst, rund 90 Prozent sind Standardmaschinen. Allerdings werden diese konsequent auf die jeweilige Applikation angepasst. Die Parametrisierung ist beispielsweise je nach Anwendung unterschiedlich. Dabei greifen wir auf standardisierte Parametersätze für die jeweiligen Anwendungen zurück.

Wer sind Ihre stärksten Mitbewerber?

U. Maradia: Wir haben vier bedeutende Mitbewerber, die vorwiegend aus Japan stammen. Dass Japan eine der stärksten Wettbewerbernationen ist, liegt nahe, denn Erodieren ist ein steuerungstechnisch hochkomplexes Verfahren. Es bedarf eines enormen Know-hows, um im High-End-Bereich erfolgreich tätig zu sein.

Apropos Komplexität: Wie anspruchsvoll ist es für die Anwender, solche High-End-Maschinen zu bedienen?

Th. Wengi: Wir legen grossen Wert darauf, dass unsere Maschinen sehr einfach zu bedienen sind. Man erzielt mit unseren Maschinen hervorragende Resultate, auch wenn kein Erodierspezialist mit langjähriger Erfahrung an der Maschine steht. Unsere Maschinen nutzen künstliche Intelligenz und optimieren den Prozess selbstständig. Das heisst: Wenn ein Bediener beim Schruppen nicht die optimalen Parameter gewählt hat, erkennt die Steuerung dies und optimiert die Einstellungen automatisch.

Welche Technologie- und Kompetenzbereiche werden in den neuen Räumlichkeiten implementiert?

U. Maradia: Generell konzentrieren wir uns auf die Entwicklung und Produktion von Draht- und Senkerodiermaschinen. Darüber hinaus werden wir an diesem Standort auch die Lasermaschinen von Charmilles produzieren, deren Entwicklung in Genf angesiedelt ist.

In unserem neuen Industriekomplex verfügen wir über eine Reinraum-Elektronikfertigung. In unmittelbarer Nähe befinden sich unser Anwendungs- und unser Entwicklungszentrum. Darüber hinaus haben wir ein hochmodernes Ausbildungszentrum für unsere Lernenden integriert. Und nicht zuletzt verfügen wir über ein Operations Center, in dem die Anlagen für die jeweiligen Anwendungen eingefahren werden. Abgerundet wird das Ganze durch unseren ebenfalls vor Ort integrierten Kundendienst.

Was geschieht mit dem bisherigen Gebäude?

U. Maradia: Das Bauprojekt startete 2021. Das bisherige Gebäude in Saleggi beherbergte Forschung und Entwicklung sowie die Administration. Mit der Inbetriebnahme des neuen Industriekomplexes sind nun sämtliche Funktionen an einem einzigen Standort vereint.

Agie Charmilles: Neue Produktions- und Montagehalle in Losone

An der Eröffnungsveranstaltung nahmen zahlreiche hochrangige Gäste teil, darunter Vertreter des Kantons Tessin und lokale Behörden, Partnerunternehmen des Entwicklungsprojekts, Mitarbeitende sowie Mitglieder des Managementteams von United Machining Solutions, darunter CEO und Präsident Stephan Nell. Die Veranstaltung machte sowohl die Bedeutung des Standorts für die Region als auch seine strategische Rolle für die globale Ausrichtung des Unternehmens deutlich.

Symbolische Banddurchschneidung

Feierliche Zeremonie während der offiziellen Einweihung der neuen Produktionshalle in Losone, v. l. n. r.: Umang Maradia (Managing Director, Agie Charmilles), Ivan Filisetti (CEO, United Machining), Stephan Nell (Executive Chairman, United Machining Solutions), Stefan Dahl (COO, United Machining), Juri Cugini (Head of Operations & Quality, United Machining).(Bild:  Matthias Böhm)
Feierliche Zeremonie während der offiziellen Einweihung der neuen Produktionshalle in Losone, v. l. n. r.: Umang Maradia (Managing Director, Agie Charmilles), Ivan Filisetti (CEO, United Machining), Stephan Nell (Executive Chairman, United Machining Solutions), Stefan Dahl (COO, United Machining), Juri Cugini (Head of Operations & Quality, United Machining).
(Bild: Matthias Böhm)

Der Tag begann mit einem Begrüssungskaffee und der Gelegenheit zum Austausch. Ein Höhepunkt des Vormittags war die symbolische Banddurchschneidung, bei der Gäste und Mitarbeitende gemeinsam die offizielle Eröffnung feierten. Dieser Moment stand nicht nur für die Inbetriebnahme der neuen Produktions- und Montagehalle, sondern auch für den Beginn eines neuen Kapitels für einen Standort, der seit Jahrzehnten eine zentrale Rolle in der Entwicklung der Funkenerosion (EDM) einnimmt.

Die Zukunft des Standorts Zandone

Im Anschluss erhielten die Gäste bei einer Führung durch das neue Gebäude Einblicke in die erweiterten und modernisierten Einrichtungen. Das Programm wurde mit Vorträgen im Auditorium fortgesetzt. Ivan Filisetti (CEO von United Machining), Stefano Rizzi (Direktor der Abteilung für Wirtschaft des Kantons Tessin) und Ivan Catarin (Bürgermeister von Losone) gaben Einblicke in die Vision, die Entwicklung und die Zukunft des Standorts Zandone. Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch des COT (Center of Technology), wo die technologischen Kompetenzen vorgestellt wurden, die die führende Position von Agie Charmilles in der Branche untermauern.

Teil einer langfristig angelegten Investition

Die Transformation des Standorts Zandone ist Teil einer langfristig angelegten Investition. Seit 2014 hat Agie Charmilles insgesamt 65 Millionen CHF in den Standort investiert und die Fläche um 6450 Quadratmeter erweitert. Entstanden sind neue Bereiche für Verwaltung, ein hochmoderner Showroom, Forschungs- und Entwicklungslabore, die Academy, Logistikinfrastruktur, Elektronikfertigung sowie speziell ausgestattete Bereiche für Auszubildende.

Das Projekt geht weit über eine reine Modernisierung hinaus. Es steht für das klare Ziel von Agie Charmilles, Innovation voranzutreiben, technologische Entwicklungen zu beschleunigen, die Zusammenarbeit zu stärken und gezielt den Ingenieurnachwuchs zu fördern.

Mit einer starken Verankerung in seiner Tradition und einem klaren Blick in die Zukunft gestaltet Agie Charmilles die Weiterentwicklung der Präzisionsfertigung weiterhin aktiv mit.

Die Veranstaltung endete mit einem Stehlunch, der weitere Möglichkeiten zum fachlichen Austausch und zur Vernetzung bot.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den anderen Divisionen und Marken innerhalb der United Machining Solutions Gruppe, insbesondere bei technologieübergreifenden Projekten?

Th. Wengi: Dafür verfügen wir über Spezialisten mit technologieübergreifendem Fachwissen, auf die wir bei entsprechenden Projekten zurückgreifen können. Sie verfügen nicht nur über das notwendige technologische Know-how, sondern kennen auch die jeweiligen Ansprechpartner innerhalb der Gruppe. Gemeinsam mit dem Kunden erarbeiten wir die bestmögliche Lösungsstrategie, damit dieser langfristig erfolgreich produzieren kann. In dieser Dimension sind wir mit unserem breiten und technologisch im High-End-Segment angesiedelten Lösungsportfolio weltweit einzigartig.

Wie hat sich das Kundenspektrum entwickelt und welches Potenzial sehen Sie in der Diversifizierung Ihrer Kundensegmente?

Th. Wengi: Traditionell stammt unsere Kundschaft aus dem Werkzeug- und Formenbau. Doch das Kundenspektrum hat sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich erweitert. Heute beliefern wir Kunden aus der Luft- und Raumfahrt, der Medizintechnik, der Halbleiterindustrie sowie der allgemeinen Werkzeugproduktion. Dadurch wachsen sowohl die Anwendungsvielfalt als auch die Komplexität der Anforderungen. Das bietet beste Voraussetzungen für unsere Wachstumsstrategie.

Agie Charmilles gilt seit Jahrzehnten als Pionier der Funkenerosion. Wie würden Sie Ihre aktuelle Marktposition einschätzen?

U. Maradia: Hinsichtlich der Technologieführerschaft würden wir uns klar als Nummer 1 im weltweiten Markt positionieren.

Wenn ich einen Mitbewerber fragen würde, würde dieser vermutlich das Gleiche behaupten.

Th. Wengi: Ja, da gebe ich Ihnen recht. Unsere Mitbewerber würden wahrscheinlich ebenfalls sagen, dass wir, also Agie Charmilles, technologisch die Nummer 1 ist. (lacht)

Und wo stehen Sie aus wirtschaftlicher Sicht?

U. Maradia: Aus wirtschaftlicher Sicht gehören wir – mit Ausnahme Japans – zu den Top 3. Es hängt davon ab, welches Land, welches Marktsegment und welche Region man betrachtet. Die japanischen Unternehmen geniessen in ihrem Heimatmarkt eine aussergewöhnlich hohe Loyalität. Das ist auch gut so.

Th. Wengi: Dennoch verkaufen wir Erodieranlagen nach Japan – und zwar immer dann, wenn es keine Alternative gibt. Solche Segmente existieren, und es macht uns durchaus stolz, dass wir selbst in diesem anspruchsvollen Markt dank unserer Technologieführerschaft eine hochkarätige Nachfrage verzeichnen.

Wie hat sich der Bedarf im Bereich der Erodierverfahren in den vergangenen fünf Jahren entwickelt? Welche Regionen und Märkte entwickeln sich besonders gut?

U. Maradia: 2022 gab es – mit Ausnahme Chinas – weltweit einen Boom. China entwickelte sich ab 2024 wieder deutlich besser. Aktuell sehen wir sowohl in den USA als auch in China ein starkes Wachstum. In den USA wird insbesondere in die Luftfahrt sowie den Verteidigungssektor investiert. In China steigt die Nachfrage sowohl nach Maschinen unseres chinesischen Produktionsstandorts als auch nach unseren Schweizer High-End-Anlagen.

Th. Wengi: Europa hat sich stark konsolidiert. Als global tätiges Unternehmen können wir solche wirtschaftlich verhaltenen Phasen überbrücken. Dennoch darf man nicht übersehen, dass Europa grundsätzlich zu den stärksten Wirtschaftsräumen der Welt gehört, aktuell jedoch mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert ist.

Welche Rolle spielt die höhere Produktivität Ihrer Maschinen beim Absatz Ihrer Erodiermaschinen?

Th. Wengi: Das ist sicherlich ein wichtiger Faktor. Aufgrund der höheren Produktivität ersetzen durchschnittlich zwei moderne Erodiermaschinen drei zehnjährige Maschinen. Das bringt dem Anwender klare Vorteile, weil er bei gleichem Footprint erheblich produktiver ist.

U. Maradia: Genau, aufgrund des weltweiten Wachstums werden heute erheblich mehr Güter produziert als noch vor zehn Jahren. Entsprechend steigt die Nachfrage nach unseren Maschinen. Positiv für uns ist zudem, dass es für das Erodieren in den meisten Fällen keine alternativen Fertigungsverfahren gibt.

Th. Wengi: Aufgrund ihrer enormen Präzision und einzigartigen Fertigungsmöglichkeiten wird für Erodierverfahren immer ein Bedarf bestehen. Ohne Elektroerosion könnten viele Komponenten gar nicht hergestellt werden. Aktuell sehe ich keine Technologie, die das Erodieren ersetzen könnte.

Thema Technologie: Welche Fortschritte wurden in den vergangenen zehn Jahren beim Draht- und Senkerodieren erzielt? Gibt es technologische Alleinstellungsmerkmale von Agie Charmilles?

Th. Wengi: Früher haben wir Strom auf den Draht gegeben und erodiert. Der Materialabtrag entlang der Drahtlänge war zwar gut, aber nicht immer gleichmässig. Heute sind wir in der Lage, die Position des Funkenübergangs gezielt zu steuern. Wir können die Energie der Funken entlang der gesamten Drahtlänge regeln. Dass so etwas möglich ist, erscheint beinahe unglaublich. Dank dieser Kompetenzen sind wir in der Lage, äusserst präzise zu erodieren.

Wie können Sie die Funkenübertragung entlang des Drahtes steuern?

Thomas Wengi (re.), Sales Director der Agie Charmilles: «Ich würde sagen: Der Übergang von Hightech zu Magie ist bei Agie Charmilles fliessend.»(Bild:  Matthias Böhm)
Thomas Wengi (re.), Sales Director der Agie Charmilles: «Ich würde sagen: Der Übergang von Hightech zu Magie ist bei Agie Charmilles fliessend.»
(Bild: Matthias Böhm)

U. Maradia: Das ist schlicht und ergreifend Magie. (lacht)

Th. Wengi: Dahinter steckt hochkomplexe Steuerungstechnik, kombiniert mit KI-basierter Softwareentwicklung. Ich würde sagen: Der Übergang von Hightech zu Magie ist bei Agie Charmilles fliessend.

Wie ist Ihre Entwicklungsabteilung strukturiert?

Umang Maradia, Managing Director der Agie Charmilles: «In der Schweiz beschäftigen wir insgesamt rund 100 Mitarbeitende in Forschung und Entwicklung – das entspricht mehr als 20 Prozent unserer Belegschaft.»(Bild:  Matthias Böhm)
Umang Maradia, Managing Director der Agie Charmilles: «In der Schweiz beschäftigen wir insgesamt rund 100 Mitarbeitende in Forschung und Entwicklung – das entspricht mehr als 20 Prozent unserer Belegschaft.»
(Bild: Matthias Böhm)

U. Maradia: Wie bereits erwähnt, verfügen wir in China über eine mechanische Entwicklungs- und Konstruktionsabteilung für die dort entwickelten Maschinen. In der Schweiz beschäftigen wir insgesamt rund 100 Mitarbeitende in Forschung und Entwicklung – das entspricht mehr als 20 Prozent unserer Belegschaft. Dieser hohe Anteil verdeutlicht die Bedeutung von Know-how in der Elektroerosion.

Von diesen 100 Spezialisten arbeiten rund 30 Prozent im Bereich Software, 35 Prozent in der Mechanik und etwa 25 Prozent in der Elektronik. Als Grössenordnung: Eine Drahterodiermaschine muss rund 1,2 Millionen Funken pro Sekunde generieren. Wenn ich Ihnen jetzt noch erkläre, welche Ströme und Spannungen dabei fliessen, dann sind wir wieder sehr nahe an der Magie.

Wo erlernt man ein solches Know-how?

U. Maradia: Auf diesem Niveau eigentlich nirgendwo – ausser bei uns hier in Losone.

Der starke Schweizer Franken setzt den Werkplatz Schweiz insbesondere im Exportgeschäft unter Druck. Bedeutet eine solche Investition, dass Sie an die Zukunft des Standorts Schweiz glauben?

U. Maradia: Diese Frage kann ich nur mit einem klaren Ja beantworten. Wir sind davon überzeugt, dass der Produktionsstandort Schweiz eine hervorragende Zukunft für innovative Spitzentechnologien bietet. Die Rahmenbedingungen in der Schweiz wirken dabei wie eine Innovationspeitsche.

Thomas Wengi (re.), Sales Director der Agie Charmilles: «Das ist ein zentraler Punkt. Wir werden buchstäblich zu Innovationen getrieben.»(Bild:  Matthias Böhm)
Thomas Wengi (re.), Sales Director der Agie Charmilles: «Das ist ein zentraler Punkt. Wir werden buchstäblich zu Innovationen getrieben.»
(Bild: Matthias Böhm)

Th. Wengi: Das ist ein zentraler Punkt. Wir werden buchstäblich zu Innovationen getrieben. 2007 lag der Wechselkurs zum Euro bei rund 1.60 Franken. Heute bewegen wir uns nahe bei 90 Rappen. Dadurch waren wir gezwungen, kontinuierlich wettbewerbsfähiger zu werden und neue Wege zu gehen. Das unterscheidet uns von vielen Ländern der Europäischen Union. Deutschland konnte lange Zeit von einem vergleichsweise schwachen Euro profitieren. Der Innovationsdruck war dort deutlich geringer als bei uns. Aus technologischer Sicht ist das für die Schweiz von Vorteil.

U. Maradia: Hinzu kommt ein weiterer währungstechnischer Aspekt. Unsere Mitbewerber stammen mehrheitlich aus Japan. Der Yen hat in den vergangenen fünf Jahren rund 40 Prozent an Wert verloren. Unsere einzige Chance, unter diesen Voraussetzungen erfolgreich zu sein, besteht darin, technologisch absolute Spitzenleistungen zu erbringen. Andernfalls hätten wir auf dem Weltmarkt keine Chance.

Zum Abschluss: Dürfen wir einen Ausblick erwarten? Stehen neue Produkte oder Innovationen in der Pipeline?

U. Maradia: Wir werden die Ersten sein, die eine Standard-Erodiermaschine auf den Markt bringen, die im Nanobereich arbeitet. «Nano» bedeutet, dass wir Genauigkeiten unter 1 µm am Werkstück erreichen können. Auch hierbei spielt künstliche Intelligenz eine entscheidende Rolle. Die Datenübertragung erfolgt über optische Systeme. Besonders anspruchsvoll sind dabei die optischen Schnittstellen, da keinerlei Datenverluste auftreten dürfen. Wie wir das genau machen, wissen Sie ja bereits.

Th. Wengi: Im Herbst werden wir auf den Messen AMB in Stuttgart, JIMTOF in Japan und IMTS in den USA ein komplett neues Portfolio an Erodiermaschinen präsentieren und damit unsere Technologieführerschaft unter Beweis stellen. Wir werden eine umfassende Bandbreite an Technologien zeigen – kurz gesagt: exzellente Maschinen, die unseren Kunden höchste Präzision, maximale Prozesssicherheit und gleichzeitig einfachste Bedienung bieten.

Save the date: SMM-Technologietag 2027 bei United Machining Solutions – Agie Charmilles

(Bild:  SMM)
(Bild: SMM)

Gemeinsam mit Agie Charmilles veranstaltet der Schweizer Maschinenmarkt erstmals seinen SMM-Technologietag im September 2027 im Tessin. Austragungsort ist der neue Produktionsstandort von Agie Charmilles in Losone. Besucher und Partner erwartet dort das gesamte Spektrum modernster Fertigungstechnologien.

Besonders hervorzuheben ist das Schweizer «Silicon Valley» der Erodiertechnik. Hier werden weltweit führende Technologien im Bereich der Senk- und Drahterosion entwickelt, die hinsichtlich Präzision, Innovation und Leistungsfähigkeit neue Massstäbe setzen.

Ergänzt wird dieses Kompetenzzentrum durch weitere Spitzentechnologien der United-Machining-Gruppe. Das Spektrum reicht von hochpräzisen Fräsprozessen (Milling) über Rund- und Profilschleifverfahren von Studer und Mägerle bis hin zu modernen Laser-Ablationsverfahren. Sämtliche Prozesse können zudem intelligent miteinander vernetzt und in durchgängige Fertigungslösungen integriert werden.

Der SMM-Technologietag in Kooperation mit Agie Charmilles bietet Partnern einen hervorragenden Rahmen ihre Kompetenzen einem breiten Publikum im Silikon Valley der Fertigungstechnik zu präsentieren.

(ID:50891845)