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Ergänzendes zum Thema
Interview mit Werner Vogel, Inhaber Argotec
nachgefragt
SMM: Ihr Drahterodier-Unternehmen haben Sie 1987 gegründet, wie sind Sie zu dieser Nische gekommen?
Werner Vogel: Schon während meiner Lehrzeit hat mich das Verfahren fasziniert. Aber damals war das noch ein extrem langsamer Prozess. 1985 hat Charmilles eine neue Maschinen-Generation entwickelt und konnte die Leistung von 20 mm2 auf 80 mm2 steigern. Das war der entscheidende Impuls. Ich habe meine Hypothek aufgestockt, eine Maschine gekauft, Aufträge reingeholt und losgelegt. Nach 18 Monaten war ich erstmals in den schwarzen Zahlen.
Wie waren die ersten Erfahrungen Ihrer Kunden mit den erodierten Werkstücken?
W. Vogel: Das ist noch interessant. Einer meiner Kunden, Müller Martini, hatte viele Teile, die schwierig mechanisch herzustellen waren. Ich habe eine Serie erodiert und die Standzeit der erodierten Werkstücke war wesentlich höher als die der gefrästen. Der Grund ist simpel: Die erodierte Oberfläche ist wie eine feine Orangenhaut, deshalb konnte sich hier ein Schmierfilm bilden, ohne abzureissen. Das war eine hervorragende Referenz.
Haben Sie innerhalb des Drahterodierens noch eine weitere Spezifikation, die aus Ihrer Sicht hervorzuheben ist?
W. Vogel: Dieses Werkstück ist für die Medizintechnik (zeigt ein komplexes Werkstück), es findet bei Knieoperationen Anwendung. Wenn Sie sich diesen Bereich anschauen, würde jeder sagen: «Das kann man doch gar nicht drahterodieren, weil diese Stege im Weg sind.» Aber wir erodieren diese Partien per Draht: Wir können Bereiche erodieren, die mit einer normalen Drahtführung nicht möglich sind. Für solche Applikationen haben wir in unserem Haus Drahtführungssysteme entwickelt, die sehr wenig Bauraum benötigen und Unmögliches möglich machen.
Können Sie uns ein weiteres Beispiel nennen?
W. Vogel: Ja sicher, vor zwei drei Monaten hat ein Formenbauer versucht für ein Medizintechnik-Produkt hoch präzise Stempel zu erodieren. Das Ergebnis war nicht zufriedenstellend, und so sind sie direkt zum Drahterodiermaschinenhersteller gegangen. Der hat sie schliesslich zu uns verwiesen und wir machten es einfach. Ein solches Know-how entwickelt sich über Jahre hinweg, das kommt nicht von heute auf morgen. Unser Know-how ist dabei nicht auf mich konzentriert. Das heisst, meine Mitarbeiter müssen das genauso gut beherrschen wie ich. Das ist wichtig für die Zukunft und für den neuen Eigentümer, den ich momentan suche. Der neue Patron bekommt eine tolle Firma mit rosigen Aussichten. Apropos Zukunft, ich persönlich möchte in das KMU-Coaching einsteigen, nachdem ich meinen Kopf beim Segeln tüchtig durchgelüftet habe.
In Zukunft kürzer treten Auf die Zukunft angesprochen, macht sich W. Vogel wenig Sorgen: «Wir müssen für die Zukunft arbeiten und in sie investieren. Das heisst auch, dass man in die Ausbildung investieren muss. Ich habe insgesamt 26 Lehrlinge ausgebildet. Unser letzter Stift hat jetzt kürzlich eine Erodierabteilung im Bereich Medizintechnik übernommen, da bin ich stolz drauf.»
Persönlich will W. Vogel in Zukunft kürzer treten und die Firma einem neuen Patron übergeben. Ein potentieller Nachfolger hat Aussicht auf ein wunderbares KMU mit grossem Know-how und motiviertem Team. «Ein bis zwei Jahre will ich nachher segeln. Als Erstes auf einem grossen, alten Segelschiff, dem Windjammer, die nehmen Trainees, insgesamt ist das eine Mannschaft von 40 bis 60 Leuten, das wird sicher spannend.»<<
* Chefredaktor SMM
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