250 Teilnehmer am Ostschweizer Technologiesymposium in St. Gallen Digitale Innovation am OTS 2017

Autor / Redakteur: Matthias Böhm, Chefredaktor SMM / Matthias Böhm

Zum 17. Mal fand das Ostschweizer Technologiesymposium Ende August statt. Seit seiner Gründung hat es sich herausragend entwickelt. Nicht zuletzt dank des Themas «Erhöhung der Innovationskraft» konnten 250 Teilnehmer und 25 ausstellende Unternehmen gewonnen werden. Organisiert wird das OTS vom Produktions- und Technologieverband Ostschweiz (PTV).

250 Teilnehmer und 25 ausstellende Unternehmen nahmen am OTS 2017 teil.
250 Teilnehmer und 25 ausstellende Unternehmen nahmen am OTS 2017 teil.
(Bild: Matthias Böhm)

Das Themenspektrum des OTS 2017 war mit 12 Vorträgen rund um das Thema Innovation zukunftsgerichtet ausgelegt. Es wurde über KTI-Projekte diskutiert, über neu entwickelte Softwaresysteme für Verkaufsplattformen im B2B-Bereich referiert und auch die Rolle des Querdenkens in Unternehmen als Innovationstreiber zur Diskussion gestellt. Für die Einstiegsrede konnte Regierungsrat Dr. Bruno Damann (Vorsteher Volkswirtschaftsdepartement Kanton St. Gallen) gewonnen werden, der das Unternehmertum und dessen Innovationskraft als wesentliche Grundlage für die Zukunft des Standortes Schweiz betrachtet. Seit das OTS in die Olma-Messe St. Gallen verlegt wurde, hat das OTS sich zu dem wichtigsten Technologietreffpunkt in der Ostschweiz entwickelt.

Enormer Wandel zu erwarten

In seinem Vortrag zum Thema Digitalisierung in international tätigen Industrieunternehmen hob Markus Hofer (Head of Business Development Advanced Materials, Bühler Management) hervor, dass viele Schweizer Unternehmen, speziell die KMU, über eine relativ hohe Innovationskraft verfügten.

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Die unternehmerische Innovationsfähigkeit ist insofern von wesentlicher Bedeutung, als in Bezug auf Digitalisierung in naher Zukunft ein enormer Wandel zu erwarten sei. Es sei entscheidend, diese Entwicklungen genau zu verfolgen und sich nicht nur darauf einzustellen, sondern schnellstmöglich zu agieren und vor allem die Chancen zu nutzen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Geschwindigkeit der digitalen Entwicklung bereits jetzt extrem hoch sei und noch massiv zunehmen werde.

Internationale standortunabhängige Teams

Heute sei es möglich, Daten weltweit zu verbreiten. Physische und virtuelle Umwelten könnten miteinander verknüpft werden. Per Datenbrille könnten Maintenance-Arbeiten erheblich optimiert werden. Technologien, die bei Bühler bereits Anwendung finden.

Auch weltweit verteilte Teams können heute eng an Projekten zusammenarbeiten. Beispielsweise gibt es bei Bühler internationale Teams, deren Arbeitsplätze weltweit verteilt seien, wie etwa Indien, China oder Wil in St. Gallen. Solche überregionalen Teamzusammensetzungen würden für international agierende Firmen immer mehr zum Alltagsgeschäft und sich positiv auf die Zukunftsfähigkeit auswirken. Solche Entwicklungen sind dank Digitalisierung erst möglich geworden. Gleichwohl im Bereich der physischen Umwelt ist die Digitalisierung noch relativ gering ausgeprägt. Bei Bühler geht die Entwicklung der Digitalisierungsprozesse in die Richtung, dass sie primär dem Kunden nutzen müssen. Hier stünden aktuell u. a. Aspekte im Vordergrund wie den Zustand der Maschinen prüfen oder Anlagen-Training der Kunden online realisieren. Enorm anspruchsvoll sei es, die Daten vernünftig bereitzustellen, gerade dann, wenn Unternehmen grosse Produktionsausrüstungen herstellen würden, dann sei die digitale Abbildung der Produktionsanlagen ein extrem aufwendiger, aber machbarer, Prozess.

Einstellung der Mitarbeiter entscheidend

Um die Digitalisierungsprozesse weiter voranzutreiben, sind die Mitarbeiter und deren Einstellung hin zur Digitalisierung matchentscheidend. Die Mitarbeiter müssen sich des digitalen Themas annehmen. Und: Die Projekte müssen bewältigbar sein. Es gibt keinen Königsweg. Die Digitalisierung ist nach Ansicht von Markus Hofer eine der wesentlichen Voraussetzungen, auch in Zukunft funktionierende und vor allem wirtschaftliche Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Cloud-Computing wird zunehmen

Christoph Baumgärtner (Leiter Geschäftskunden/Services SAKnet, Projektleiter Rechenzentrum Ostschweiz SAK) widmete sich dem Thema der Cloud-Technologie und der Rechenzentren, sozusagen die zentralen Aspekte der Digitalisierung. Er sagte, dass Rechenzentren eine immer grösser werdende Bedeutung bekämen. Welche Rolle sie heute bereits hätten, zeige sich unter anderem am Stromverbrauch: drei Prozent des gesamten Strombedarfs in der Schweiz werden für Rechenzentren und Serverräume aufgewendet.

Die IT-Infrastruktur gilt als Stromfresser der Nation. Die Entwicklung geht zum Teil in Richtung Virtualisierung und Cloud-Anwendungen. Die Transfers weg von eigenen Rechenzentren hin zu Clouds würden sich nicht zuletzt positiv auswirken auf die Energiebilanz von Unternehmen. Auch die Unterbringung der Server ist bezüglich des Energieverbrauchs entscheidend. Wenn diese in der professionellen Umgebung eines Rechenzentrums betrieben werden, führt das zu relevanten Unterschieden im Stromverbrauch.

Digitalisierung ist Trendmarathon

Thomas Küchler, Vorsitzender der Geschäftsleitung SOB – Südostbahnen Südostschweiz AG sprach über die Rolle der Digitalisierung innerhalb der Mobilität: «Bei uns geht ohne Digitalisierung gar nichts mehr, wir stecken mitten in der Cloud-Entwicklung».Gerade der öffentliche Verkehr müsse auf digitale Geschäftsmodelle setzen, will er zukunftsfähig bleiben.

Allerdings sei die Digitalisierung ein Trendmarathon, den man erstens nicht verpassen dürfe, was der einfachere Teil sei, und bei dem man zweitens den Anschluss an die Spitze nicht verlieren dürfe, was der weit anspruchsvollere Teil sei. Insbesondere wenn man betrachtet, wo die Entwicklungen im Bereich der Mobilität sich hinbewegen. Mobilität werde zukünftig vermehrt als Servicedienstleitung genutzt. Die Verkettung verschiedener Verkehrsträger werde zunehmen. Als SOB müsse man auf diesen Zug aufspringen und vernetzte Mobilität aus einer Hand anbieten.

Mobilität ist Datenverknüpfung und -analyse vom Feinsten

Solche Entwicklungen gehen immer einher mit dem Thema Big Data, die Zukunft der Mobilität ist Daten­verknüpfung und -analyse vom Feinsten. Th. Küchler weiss, wovon er spricht, war er doch über 20 Jahre in der IT tätig. Er sagt im gleichen Zusammenhang, dass gerade die heutige, sozusagen klassische IT massiv von Big Data tangiert würde. Welche neuen Mobilitätsmodelle entstünden, zeigten die Beispiele Uber und Flixbus.

Andere Führungsstrukturen notwendig

Darauf müsse man als ÖV-Anbieter unternehmerisch reagieren. In diesem Zusammenhang müssten die Unternehmensprozesse sukzessive angepasst werden. Typische von oben nach unten strukturierte Unternehmens-Hierarchien würden einer schnellen und erfolgreichen digitalen Unternehmensentwicklung nicht mehr gerecht werden.

Deshalb werde in diesem Zusammenhang die Führung innerhalb dieser Unternehmen enorm anspruchsvoll. Denn in digitalen Geschäftsbereichen sind zum Teil hoch motivierte Menschen unterwegs, die immer wieder bei den klassischen Strukturen innerhalb der Unternehmen auf Hürden stossen. Diese Hürden müssten von den Führungsstrukturen reduziert werden, damit durch die Digitalisierungsstrategie ein grösstmöglicher Nutzen für die Unternehmen generiert werden könne.

Erfolgreiches KTI-Projekt – Onlineportal für Blechteile

Prof. Dr. Norbert Frei (NTB Buchs) stellte ein KTI-Projekt vor, das recht erfolgreich angelaufen ist. Initianten waren die Unternehmen blexon.com, awv-informatik.ch und die NTB Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs, konkret das Institut für Ingenieursinformatik unter Leitung von Prof. Dr. Norbert Frei.

Die Partner haben gemeinsam im Rahmen des KTI-Projektes ein webbasiertes Einkaufs-Portal für die flexible Blechfertigung entwickelt. Ziel war es, so der Institutsleiter Prof. Dr. Norbert Frei, dass das Auftrags- und Offertenwesen von Blechteilen nahezu vollständig digital erfolgen sollte. Direkt über das CAD-Modell des zu fertigenden Blechteils (z. B. DXF-Format) wird die Bestellung vom Kunden online aufgegeben. Anschliessend wird im Rahmen eines digitalen Prozesses geprüft, ob eine Fertigung machbar ist, die Verfügbarkeit der Maschinen geprüft und eine Offerte erstellt – ein komplett digitaler Prozess. Aktuell wird die Online-Plattform konkret von einem Blechfertiger genutzt.

Kosten des KTI-Projekts lagen bei 600 000.– CHF

Die Kosten für das KTI-Projekt lagen bei 600 000.– CHF. Die beiden unternehmerischen Projektpartner müssen 50% davon tragen, ein Teil davon kann in Arbeitsstunden abgegolten werden, 50% der Kosten werden von der KTI getragen. In näherer Zukunft rechnen die beteiligten Firmen mit zirka 1 Million Umsatz über das Portal. Laut Prof. Dr. Norbert Frei haben, neben klassischen Industriekunden, viele Kunden aus dem privaten Sektor über diese Plattform Bestellungen aufgegeben.

Vorteil KMU – Innovationsstärke durch Effizienz

Alexander Nussbaumer (R+D-Manager, Urma AG) zeigte am Beispiel des 75 Mitarbeiter starken Unternehmens Urma AG auf, wie sich die Digitalisierung in verschiedenen Bereichen des Unternehmens durchsetzt.

Eine Grundvoraussetzung für moderne Unternehmensprozesse liege im hohen Ausbildungsniveau der Mitarbeiter, damit Kompetenzen und Verantwortung gezielt übertragen werden könnten. Hier spiele auch die Förderung des Verantwortungsbewusstseins und die Identifikation mit dem Unternehmen eine wesentliche Rolle. Die KMU-Struktur der Urma AG verfüge über eine schnelle Kommunikation und sehr kurze Reaktionszeiten. Dies sei ein wichtiger Vorteil von KMU, der zu nutzen sei.

Die digitalen Prozesse innerhalb der Urma AG werden kontinuierlich optimiert. Das fängt bereits bei der digitale Auftragsplanung an. Standardabläufe wurden durch eigene Softwareentwicklung vereinfacht, was zur Erhöhung der Effizienz bei der Auftragsabwicklung führte. Auch im Bereich der Fertigung wurde die Digitalisierung vorangetrieben. Die Produktionsprozesse verlaufen nahezu vollautomatisch. Hierzu gehören das individuelle Laserbeschriften der Reibschneiden, Programmerstellung durch Barcode, Kommunikation mit Auftragsplanungs-Software und schliesslich der digitale Kundendienst. So kann auf die aktuellen Lagerbestände online zugegriffen werden, der Umsatz abgefragt werden wie auch laufende Aufträge weltweit abgerufen werden. Der nächste Schritt in Richtung Digitalisierung wird ein Webshop sein.

Vom Ingenieur zum Bildhauer

Referent Gunther E. Buchberger war unter anderem in Führungspositionen in der Entwicklung bei den Werkzeugherstellern Wohlhaupter und Horn tätig. Er hat nach diesen technologischen Tätigkeiten den Schritt in Richtung Kunsthandwerk gewagt und sich zum Bildhauer ausbilden lassen. Wichtig für ihn sei, dass man gerade in der Entwicklungsabteilung von Unternehmen Möglichkeiten für die Mitarbeiter bietet «querzudenken». Querdenken sei ein Austreten aus dem Gleichschritt und dem Gewohnten. Dadurch würde die Innovationskultur im Unternehmen gefördert.

Solche querdenkenden Mitarbeiter in die «normale» Unternehmensstruktur einzubinden, sei allerdings alles andere als einfach und bedürfe einer spezifischen Führungsstruktur, die die erforderlichen Freiräume für solche Mitarbeiter entsprechend gewährleiste.

Jetzt vormerken: OTS 2018 am 24.8.2018

Das OTS hat sich mittlerweile zu einer festen B2B-Veranstaltung der Ostschweiz entwickelt. Die Teilnehmerzahl am OTS sowohl der Besucher als auch der ausstellenden Unternehmen hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich nach oben entwickelt, was letztlich auch den Stellenwert des OTS widerspiegelt.

Der SMM ist bereits seit der Gründungsveranstaltung (1. OTS im Jahr 2000), damals noch mit Rudolf Alther als Organisator, dabei und ist seit 2001 Medienpartner. Wer das OTS 2017 verpasst hat, der sollte sich das OTS 2018 am 24.8.2018 vor­merken. Nähere Informationen erhalten Sie von Urs Heiz, der als Projektleiter gemeinsam mit dem Projektteam das OTS hervorragend weiterentwickelt hat. SMM

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