Ergänzendes zum Thema
nachgefragt
Gut ausgebildetes Personal entscheidend
SMM: Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist Vernetzung, welchen Stellenwert hat dies für Sie?
Urs W. Berner: Vernetzung ist ganz entscheidend für unseren Erfolg. Aber natürlich spielt auch Glück eine Rolle, wie bei unserem dritten Standbein, der Haas-Vertretung. In 2002 bin ich zur Euromold in Frankfurt gegangen, um mich nach potentiellen Projekten zu erkundigen und was es am Markt Neues gibt. Dort habe ich den ehemaligen Europachef von Haas getroffen. Ich kannte ihn bereits und wir sind nur zufällig auf die Haas-Kooperation zu sprechen gekommen. Wäre ich damals nicht auf der Messe gewesen, würden wir Haas heute sicher nicht vertreiben.
Personal ist Ihrer Aussage nach entscheidend, können Sie das näher ausführen?
U. W. Berner: Gut ausgebildetes Personal ist entscheidend, die Betonung liegt auf «gut ausgebildet». Wir bilden zum einen selbst aus und fördern unsere Mitarbeiter kontinuierlich. Unsere langjährige geringe Fluktuationsquote bei unseren Mitarbeitern zeigt mir, dass wir vieles richtig machen.
Was machen Sie konkret, um Ihre Mitarbeiter zu halten?
U. W. Berner: Damit wir sie halten können, benötigen wir eine Unternehmenskultur, die auch auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter ausgerichtet ist. Neben guten Arbeitsbedingungen sind Aspekte wie eine offene Kommunikationskultur wesentlich. Ein weiterer Faktor ist, wie das Unternehmen gemanagt wird, hier ist wirtschaftliche Kontinuität ein wesentlicher Aspekt und wir als familiengeführtes Unternehmen können das sehr gut gewährleisten.
Mit den Reibahlen spielen Sie gegenüber ihren Ausdrehwerkzeugen in komplett anderen Märkten, können Sie das näher ausführen?
U. W. Berner: Wie gesagt, wenn man aber ein Reibahlen-System anbietet, muss man sich im Klaren sein, dass man hier in anderen Märkten spielt als mit Ausdrehwerkzeugen, man muss umdenken: Die Liefergeschwindigkeit ist sehr hoch. Just-in-time-Lieferungen sind Bedingung, anspruchsvollste serielle Produktionsprozesse auf der Kundenseite müssen beherrscht werden. In unserer Werkzeugproduktion müssen wir auf komplett andere Schleifverfahren und Maschinen setzen. Das erfordert intensiven Know-how-Aufbau, Technologietransfer aber auch Investitionsbereitschaft.
Reibahlen und Ausdrehsysteme machen Präzisionsbohrungen, wo liegen die Unterschiede?
U. W. Berner: Im Gegensatz zum modularen Ausdrehsystem, das nicht werkstückbezogen verkauft wird, werden die Reibsysteme in vielen Fällen konkret auf das Werkstück hin entwickelt. Die Schneiden-Geometrien, inklusive Beschichtungen, müssen auf den Anwendungsfall hin perfekt angepasst wer-den.
Was müssen Sie produktetechnisch machen, um vorne dabei zu bleiben?
U. W. Berner: Um weiterhin erfolgreich zu sein, müssen wir unser Produktsortiment kontinuierlich auf dem höchsten Stand der Technik halten. Unsere Reibsysteme werden wir weiterentwickeln, und beispielsweise ständig neue Materialien testen. Der Markt fordert immer prozesssicherere Werkzeuge mit höchster Produktivität, zu möglichst günstigen Konditionen für immer anspruchsvollere Werkstoffe. Dieser Quadratur des Kreises müssen wir uns stellen. Da Werkzeuge heute immer spezifischer werden, ist das ein Pluspunkt für den Schweizer Standort, denn Anwenderorientierung ist unsere Stärke.
Inwieweit ist Ihre eigene Produktion und Produktivität entscheidend für Ihren Erfolg?
U. W. Berner: Neben der Produktentwicklung muss auch unsere Produktion immer auf dem neuesten Stand der Technik sein. Hier haben wir erheblich investiert. Aktuell produzieren wir dreischichtig und versuchen, wenn immer möglich eine mannarme, hoch automatisierte Produktion zu fahren. In der Schweiz müssen wir in automatisierte Prozesse investieren, sonst sind wir langfristig nicht mehr konkurrenz-fähig.