Chrom(VI)-Beschichtungen Drohendes Chrom(VI)-Verbot setzt die Industrie unter Druck

Autor / Redakteur: Doris Schulz / Stéphane Itasse

Chromtrioxid spielt bei Verchromungen eine essenzielle Rolle. Die Aufnahme dieser Substanz in den Annex XIV der EU-Reach-Verordnung stellt die Branche vor eine riesige Herausforderung. Denn niemand weiß, ob es eine Autorisierung für diesen Stoff geben wird. An Alternativen wird deshalb mit Hochdruck gearbeitet.

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Reach stellt für die Galvanik derzeit insbesondere im Bereich Hartverchromung eine große Herausforderung dar – doch dabei wird es nicht bleiben.
Reach stellt für die Galvanik derzeit insbesondere im Bereich Hartverchromung eine große Herausforderung dar – doch dabei wird es nicht bleiben.
(Bild: Chrom Schmitt)

Ob aus Kunststoff, Eisen- oder NE-Metallen – dekorative Verchromungen sorgen bei unzähligen industriell hergestellten Produkten wie der Armatur im Bad oder dem Emblem am Schaltknauf im Pkw seit Jahrzehnten für eine dauerhaft edle Optik und verschleißfesten Glanz. Andererseits sorgen insbesondere funktionelle Hartverchromungen bei Millionen unsichtbarer sowie teilweise funktions- und sicherheitsrelevanter Teile, beispielsweise in der Automobilindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau, der Luft- und Raumfahrt, der Druck- und Stahlindustrie, für bedarfsgerechte Eigenschaften wie Korrosions- und Verschleißbeständigkeit.

Autorisierung von Chrom(VI)

Damit könnte dem Willen der Europäischen Kommission zufolge bald Schluss sein. Denn im April 2013 wurden die für Verchromungen essenzielle Substanz Chromtrioxid (Chrom(VI)) und weitere Chromverbindungen in den Anhang XIV der EU-Verordnung Reach (Registration, Evaluation, Authorisation of Chemicals) aufgenommen. Darin sind besonders besorgniserregende Stoffe, so genannte SVHC-Substanzen (Substances of Very High Concern), gelistet. Mit Chrom(VI) ist damit erstmals ein wirtschaftlich wichtiger Stoff betroffen.

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Folge ist, dass diese Substanz nach dem so genannten Sunset-Date ab September 2017 nur noch nach Autorisierung/Zulassung verwendet werden darf. Ein Antrag auf Zulassung ist spätestens im März 2016 bei der ECHA (European Chemicals Agency) zu stellen. Darin ist für jede Anwendung nachzuweisen, dass der Stoff sicher gehandhabt wird und keine Alternativsubstanz zur Verfügung steht beziehungsweise ist eine sozio-ökonomische Studie vorzulegen, aus der hervorgeht, dass der Nutzen des Verfahrens höher ist als seine Aufwände.

Industrie bezeichnet Vorgehensweise bei Reach als fragwürdig

„Reach verfolgt das Ziel, den Arbeits- Umwelt- und Verbraucherschutz in Europa zu optimieren und dafür zu sorgen, dass SVHC-Substanzen durch ungefährlichere Stoffe ersetzt werden. Das ist grundsätzlich gut und richtig. Die Vorgehensweise ist jedoch mehr als fragwürdig. So wurden die Daten, die zur Aufnahme von Chrom(VI) in den Anhang XIV führten, von der EU Kommission beziehungsweise der ECHA nicht geprüft“, erklärt Dr. Malte-Matthias Zimmer, Geschäftsführer der Eupoc GmbH, die die Klage des Vecco e.V. vor dem europäischen Gerichtshof von fachlicher Seite betreut.

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