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Echte Alternativen zu Chrom(VI) oder nur bedingt einsetzbar?
Ähnlich sieht das auch Heiko Reski, Marketing- und Vertriebsleiter bei der MTV Metallveredelung GmbH: „Für die Hartverchromung gibt es noch keinen technisch und wirtschaftlich adäquaten Ersatz. Wie die gesamte Branche arbeiten auch wir daran, unter anderem in einem geförderten Projekt. Ziel ist die Markteinführung 2015.“ Das Unternehmen bietet beispielsweise mit der Nicabor-Beschichtung eine Lösung für Anwendungen mit starker Verschleißbeanspruchung, die unter anderem bei der Beschichtung von Druckzylindern sowie großen Kolben und Walzen in Stahlwerken eingesetzt wird. „Mit Bronze-Beschichtungen lassen sich im Vergleich zur Chrombeschichtung eine höhere Korrosionsbeständigkeit und verbesserte Notlaufeigenschaften erzielen. In Verbindung mit einem Top-Coat ist NiL 35 seewasserbeständig“, berichtet Reski.
Sowohl der Vorbehandlungsaufwand als auch die Prozesskosten sind bei diesen Verfahren allerdings höher. Dies gilt auch für das dreiwertige Chrom-Beschichtungsverfahren Trichrome von Atotech. Es eignet sich insbesondere für konventionelle, metallbasierte Anwendungen aber auch für galvanische Kunststoffbeschichtungen sowie zur Verchromung nickelfreier Zwischenlagen wie Weißbronze. Mit Trichrome beschichtete Oberflächen bieten gleichmäßige Legierungseigenschaften und eine hohe Korrosionsbeständigkeit, insbesondere gegenüber CaCl2-Streusalzen.
Unsicherheiten um Chrom(VI) bremsen auch die Investitionen
Farbvarianten von Hell nach Dunkel ermöglichen eine Auswahl an Designs. Das System ist inzwischen von führenden Automobilherstellern als Ersatz für dekorative Beschichtungen zugelassen. „Für die Vorbehandlung von Kunststoffen ist bisher noch ein Chrom(VI)-basierter Prozess erforderlich, hier arbeiten wir ebenfalls an einer Lösung. Sobald diese marktreif ist, können wir einen komplett Chrom(VI)-freien, dekorativen Prozess anbieten“, fügt Samai an.
Gelöst ist das Problem Chrom(VI) und Reach damit aber nicht, wie Schmitt berichtet: „Die Unsicherheit, ob eine Zulassung erfolgt oder nicht, hat inzwischen auch schon zu Reaktionen der Kunden geführt und teilweise auch zu Rückstellungen von Investitionen.“ Statt nach alternativen technischen Lösungen wir nach alternativen Bezugsmöglichkeiten außerhalb Europas gesucht.
* Doris Schulz ist freie Journalistin in Korntal,mit den Schwerpunkten Oberflächentechnik, Teilereinigung und Montage- und Handhabungstechnik
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