Interview mit Ruedi Willimann Ein Optimum für den Kunden erreichen

Autor / Redakteur: Anne Richter / Anne Richter

Reiden steht wie kaum ein anderes Unternehmen für Schweizer Qualität und Tradition. Wie das Unternehmen auf die Herausforderungen der Gegenwart reagiert und mit Innovationen auf dem Weltmarkt aktiv ist, darüber sprach die SMM-Redaktion mit Geschäftsführer Ruedi Willimann.

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Schweizer Qualität: Seit über 100 Jahren werden Reiden-Werkzeugmaschinen mit Schweizer Qualitäts- und Wertvorstellungen am Standort in Reiden hergestellt.
Schweizer Qualität: Seit über 100 Jahren werden Reiden-Werkzeugmaschinen mit Schweizer Qualitäts- und Wertvorstellungen am Standort in Reiden hergestellt.
(Bild: Reiden)

SMM: Wie ist für Reiden das Geschäftsjahr 2017 verlaufen?

Ruedi Willimann: Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf des Geschäftsjahres. Die angestrebten Ziele konnten erreicht werden und die bereits platzierten Aufträge für das Jahr 2018 lassen uns positiv in die Zukunft blicken. Für uns als Hersteller mit einem Exportanteil von rund 80 % und 130 Mitarbeitern am Produktionsstandort Reiden waren die letzten Jahre jedoch eine grosse Herausforderung.

Welche Ereignisse haben 2017 den Geschäftsverlauf von Reiden besonders beeinflusst?

R. Willimann: Es sind viele verschiedene Faktoren, die einen Einfluss auf das vergangene Jahr gehabt haben. Zum einen haben wir uns strategisch anders positioniert, zum anderen war und ist die Wirtschaftslage in Zentraleuropa, vor allem in Deutschland, momentan sehr gut. Die Fähigkeit, stets neue Innovationen und kundenspezifische Optionen entwickeln zu können, macht uns bei Kunden mit hohen Anforderungen als Maschinenlieferant sehr interessant.

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Vor rund knapp zwei Jahren hat Reiden das neue 5-Achs-Bearbeitungszentrum RX12 zum ersten Mal vorgestellt. Wie ist die RX12 von Ihren Kunden angenommen worden?

R. Willimann: Die RX12 war noch das letzte Glied in der Kette, welches uns in der RX-Baureihe gefehlt hat. Nun können wir von der RX10 bis zur RX18 eine komplette Baureihe vorweisen. Wir haben die Meinung unserer Kunden schon beim Entwicklungsprozess der Maschine einfliessen lassen. Die starke Auslastung zeigt uns, dass wir die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Die RX12 weckt grosses Interesse bei den Kunden und die Erwartungen konnten bis jetzt immer in vollem Umfang erfüllt werden.

Was sind die Vorzüge und Besonderheiten der RX12, die vom Kunden besonders geschätzt werden?

R. Willimann: Bei der Entwicklung der Maschine waren uns Attribute wie Präzision, Stabilität, Universalität, geringe Aufstellmasse sowie eine einfache und offene Ausbaumöglichkeit in Richtung Automation sehr wichtig. Unsere Kunden setzen die RX12 in ganz verschiedenen Branchen ein, können aber auf eine Vielzahl von erprobten Zusatzoptionen und Lösungen zurückgreifen. Bei einer Maschine wie der RX12 will der Kunde keine Kompromisse eingehen, sondern genau die Maschine geliefert haben, die er benötigt. Mit unserer Firmengrösse und Flexibilität können wir genau das bieten.

Was können die Kunden in technologischer Hinsicht von Reiden in Zukunft erwarten?

R. Willimann: Wir werden die eingeschlagene Strategie sicher weiterverfolgen und die Maschinen bezüglich Präzision, Dynamik, Prozesssicherheit und Automation stetig weiterentwickeln. Die Anforderungen unserer Kunden werden zeigen, welche Technologieentwicklungen von uns erwartet werden. Bis jetzt haben unsere Kunden, welche oft Vorreiterrollen in ihrer Branche einnehmen, uns gut gezeigt, was in Zukunft auf dem Markt verlangt wird.

Viele grosse Werkzeugmaschinenhersteller bieten inzwischen vielfältige Industrie-4.0-Lösungen an. Inwieweit ist das Thema für Reiden relevant und was erwarten die Kunden diesbezüglich von Reiden?

R. Willimann: Industrie 4.0 hat natürlich auch bei uns einen hohen Stellenwert. Die Schwierigkeit besteht darin, dass der Begriff sehr weit ausgelegt werden kann. Wir haben schon oft festgestellt, dass Kunden sehr unterschiedliche Vorstellungen haben, was die Umsetzung betrifft. Wir versuchen diese Vorstellungen entgegenzunehmen und massgeschneidert umzusetzen und nicht dem Kunden einen Standard aufzudrängen.

Als KMU ist es für Reiden eine grosse Herausforderung, weltweit aktiv zu sein und eine Vertriebs- und Servicestruktur zu unterhalten. Wie stehen Sie dazu?

R. Willimann: Für den Markt Osteuropa und Asien können wir auf die sehr guten und ausgereiften Vertriebs- und Servicestrukturen unserer Schweizer Kooperationspartner zurückgreifen. Die stetige Ausbildung und Betreuung unserer Partner bildet die Basis, um erfolgreich Maschinen verkaufen und die Kunden danach auch gut bedienen zu können. Ein Alleingang von unserer Firma war nie ein
Thema.

Seit einigen Jahren ist Reiden in Kooperation mit Willemin-­Macodel auch auf dem chinesischen Markt aktiv. Wie hat sich das Geschäft in China entwickelt?

Die Geschäfte in China laufen gut. Wir konnten schon einige Maschinen im chinesischen Markt platzieren. Dies ist sicher vor allem dem guten Netzwerk und der langjährigen Erfahrung von Willemin-Macodel auf dem chinesischen Markt zu verdanken. Seit unserem Eintritt in den Markt haben wir jedes Jahr einen gemeinsamen Auftritt mit einer Maschine an der grossen Maschinenbaumesse in Schanghai und Peking.

Was sind in Bezug auf den Weltmarkt Ziele und Ambitionen von Reiden? Welche Märkte sind für Sie interessant?

R. Willimann: Wir werden vorerst die bestehenden Märkte noch stärker bearbeiten, bevor wir an eine Marktentwicklung denken. In den bestehenden Märkten ist noch Wachstumspotenzial da, welches wir zuerst ausschöpfen werden.

Der Service hat bei Reiden traditionell einen hohen Stellenwert. Wie haben sich diesbezüglich die Anforderungen der Kunden geändert?

R. Willimann: An den Maschinen wird im Gegensatz zu früher, auch dank der Entwicklung von Industrie 4.0, viel mehr Elektronik verbaut. Die Anforderungen an die Servicetechniker haben Richtung Elektronik/Software zugenommen. Zudem erwarten die Kunden immer kürzere Reaktionszeiten, weil viele von ihnen mehrschichtig arbeiten und sich einen längeren Ausfall der Maschine nicht leisten können. Ebenfalls wird erwartet, dass ein Lieferant eine Ersatzteilverfügbarkeit von 100 % gewährleisten kann.

Wie reagiert Reiden darauf?

R. Willimann: Schon seit Jahren bauen wir kontinuierlich unseren Service aus. Mit geografisch gut platzierten Servicetechnikern versuchen wir ein Optimum für den Kunden zu erreichen. Das Ziel ist es, innert 12 Stunden reagieren zu können und die Anreisezeit von 2 Stunden nicht zu überschreiten.

Was erwartet Reiden vom neuen Geschäftsjahr? Was sind die Highlights für 2018?

R. Willimann: Die Prognosen für das Jahr 2018 sind gut und wir haben schon ziemlich volle Auftrags­bücher. Zudem hat sich der Kurs des Euros aus Exportsicht auch wieder ein wenig verbessert. Von dieser Seite her gesehen, blicken wir zuversichtlich ins Jahr 2018. Es stehen auch wieder vielversprechende Messen in Deutschland und der ganzen Welt an. Ein Highlight wird sicher die AMB in Stuttgart sein, welche im September stattfindet. Wir hoffen wieder auf viele Kunden, welche sich auf unserem Messestand von unseren Maschinen begeistern lassen.

Vielen Dank für das Gespräch. SMM

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