Interview, Franz Rigert / Riwag Präzisionswerkzeuge AG Gewinden: Zeiteinsparung bis zu 75%

Redakteur: Matthias Böhm

Am Stand der Riwag Präzisionswerkzeuge AG lässt sich eine echte Innovation im Bereich des Gewindens entdecken: der «PunchTap». Warum er bis zu 75% schneller ist als klassische Gewindebohrer, erklärt Geschäftsführer Franz Rigert. Darüber hinaus nennt er die Stärken des Werkplatzes Schweiz und die Herausforderungen, die sich in Zukunft für den Werkplatz ergeben.

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«Hochgradige Automatisation mit optimierten Prozessen sind gefragt. Und genau hier setzt die Firmenphilosophie von Riwag.» Franz Rigert, Geschäftsführer Riwag Präzisionswerkzeuge AG
«Hochgradige Automatisation mit optimierten Prozessen sind gefragt. Und genau hier setzt die Firmenphilosophie von Riwag.» Franz Rigert, Geschäftsführer Riwag Präzisionswerkzeuge AG
(Bild: Riwag)

SMM: Herr Rigert, Sie vertreten unter anderem Emuge-Franken, die das neue Gewinde-Fräswerkzeug «PunchTap» auf den Markt gebracht haben. Können Sie erklären, warum dieses Werkzeug Gewinde extrem schnell fertigt?

Franz Rigert: Durch die neue Kinematik der Punch-Tap-Technologie wird vom Gewindewerkzeug ein wesentlich kürzerer Weg bei der Gewindeherstellung zurückgelegt. Damit kann die enorme Zeiteinsparung, und zwar von bis zu 75%, erreicht werden. Dies bedingt eine neue Kinematik, bei der sich das Gewindewerkzeug der Bewegung entlang der Geometrie des Gewindes entzieht. Im ersten Arbeitsschritt fährt das Werkzeug helikal in die Vorbohrung. Ist das Werkzeug auf Gewindetiefe angekommen, erfolgt das Gewindeformen durch synchrones Verfahren der Vorschubachse und der Rotation des Werkzeuges um etwa 180°. Nach Ausführung der Gewindeformbewegung wird das Werkzeug durch die zwei Helikalnuten aus der Bohrung herausgefahren.

Werkzeughersteller sagen, dass die technologische Beratung zunehmend wichtiger im Werkzeugverkauf ist. Wie entwickelt sich das Beratungsgeschäft bei Ihnen?

F. Rigert: Für die Firma Riwag ist die technische Beratung ein äusserst wichtiges Element in der Verkaufsstrategie. Als Repräsentant von europäischen Top-Firmen ist der Know-how Transfer ein zentrales Element bei Riwag. Wir entwickeln Werkzeuglösungen mit unseren Kunden und ermöglichen ihnen dadurch den entscheidenden Technologievorsprung. Dies geht nur mit einem offenen Dialog mit unseren Kunden und Lieferanten. Der Anteil an kundenspezifischen Sonderlösungen beträgt bei Riwag annähernd 50%.

Die Entwicklungen der Werkzeuge werden immer spezifischer. Wie können die Anwender heute noch den Überblick über die richtigen Werkzeuge behalten?

F. Rigert: Der Anwender sollte sich auf die Optimierung seiner Bearbeitungsprozesse konzentrieren und die Zusammenarbeit mit kompetenten, innovativen Händlern und Herstellern intensivieren. So verschafft er sich den notwendigen Wissensvorsprung und profitiert zusätzlich von den Innovationen der Hersteller.

Können Sie ein, zwei Produkte hervorheben, die man sich unbedingt an Ihrem Stand anschauen sollte?

F. Rigert: Das von Audi und Emuge-Franken gemeinsam entwickelte Fertigungsverfahren ‚«Helikal-Gewindeformen» ist natürlich das Highlight. Mit den Punch-Tap-Werkzeugen zeigen wir nicht nur einen neuen Werkzeugtyp, sondern eine komplett neue Technologie für die Gewindebearbeitung.

Auch dieses Jahr zeigen wir am Stand den effizienten Einsatz von modernen Hochleistungswerkzeugen live an der Maschine. Auf einem «Mikron HSM 500U LP»-Bearbeitungscenter der GF Machining werden verschiedene moderne Fräs- und Bohrstrategien aufgezeigt. Wir wollen mit diesen Vorführungen einerseits die Fachkompetenz unserer Mitarbeiter und andererseits unsere moderne Werkzeugpalette den interessierten Personen im Einsatz aufzeigen.

Wie schätzen Sie die Zukunft des Werkplatzes Schweiz ein?

F. Rigert: Der Werkplatz Schweiz zählt nach wie vor zu den Innovationsführern weltweit. Viele Schweizer Unternehmen sind innovativ und verfügen über ein grosses Know-how. Doch viele, meist kostengünstigere Produktionsstandorte im Ausland haben bezüglich Qualität und Innovationskraft aufgeholt. Die Schweiz verfügt zwar über innovative, gut ausgebildete Fachkräfte, allerdings läuft im Nachwuchsbereich nicht alles wunschgemäss. Schulen, Industrie und letztlich auch der Staat müssen zwingend Rahmenbedingungen schaffen, um die Attraktivität der technischen Ausbildungen zukunftsgerichtet und nachhaltig zu verbessern.

Wer in der Schweiz wettbewerbsfähig bleiben will, muss über Fachkräfte verfügen, welche in der Lage sind, die zur Verfügung stehenden Ressourcen optimal einzusetzen. Nur so können die Herstellungskosten auf ein Minimum reduziert werden. Hochgradige Automatisation mit optimierten Prozessen sind gefragt. Und genau hier setzt die Firmenphilosophie von Riwag an. <<

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