Erfahrungsbericht aus der Praxis HSC-Fräsen von Hartmetall

Redakteur: Matthias Vogel

>> Wie definieren wir in Zukunft ultraharte Werkstoffe, wenn diese heute prozesssicher gefräst werden können? Ist 90 HRa schon ultrahart, hart oder einfach gut zerspanbar? Da es sich beim Zerspaner nicht um ein Forschungsinstitut handelt, sondern um ein KMU, das täglich zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten muss, sind die Resultate und das Vorgehen umso interessanter. Der letzte Teil dieser dreiteiligen Reihe mit der Thematik HSC-Fräsen von Keramik wird in der Jahreshauptausgabe erscheinen.

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Ein gefertigtes Kundenteil.
Ein gefertigtes Kundenteil.
(Bild: Bräm)

mvo. Die Firma Gebr. Bräm AG, Dietikon, bearbeitet schon seit Jahrzenten Hartmetall. Da bereits 1968 die erste Erosionsmaschine angeschafft wurde, ist verständlich, dass dies meist mittels Draht- und Senkerodieren gemacht wurde. Hinzu kamen noch das Schleifen und Polieren. Erst als die Erosionsmaschinenhersteller Clean-Cut-Generatoren oder Hartmetall-Optionspakete anboten, konnte das Problem von negativen Einflüssen auf die Gefügestruktur wesentlich verringert werden. Aber auch das Handling dieses speziellen Materials verlangte viel Fingerspitzengefühl. So ist es verständlich, dass der Wunsch reifte, Hartmetall nicht nur erodieren, schleifen und polieren zu können, sondern auch zu fräsen. Dies war aber lange ein nicht zu realisierender Wunsch.

Verschleiss ist ein wichtiges Thema

Die Firma fertigt aus Hartmetall Stempel und Matrizen für den Stanzwerkzeugbau sowie Hartmetall-Werkzeuge für die Umformtechnologie. Für die Kunden war der Verschleiss immer ein wichtiges Thema. Die Standzeiten der aufwändigen Hartmetall-Werkzeuge sollten deutlich höher liegen als bei gehärteten Stahlsorten oder pulvermetallurgisch hergestellten Stählen (PM-Stähle). Auf jeden Fall gilt es zu vermeiden, dass aufgrund fehlerhafter Bearbeitung ein Werkzeugbruch entsteht.

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Bearbeiten von gehärteten Stählen bis 70 HRc

Im Jahr 2011 wurde eine hochgenaue Fräsmaschine von Kern Mikro- und Feinwerktechnik angeschafft. «Nach anfänglicher Vorsicht wurden unsere Fertigungsprofis immer mutiger. Gehärtete Stähle bis 70 HRc wurden bearbeitet. Da reifte der Wunsch, auch Hartmetall fräsen zu können, weil das Kern-Maschinenkonzept die Fräser seidenweich um die Konturen führt. Ich denke, dafür ist der Einsatz von hydrostatischen Achsen und Antrieben zentral», meint Martin Bräm, Geschäftsführer von Gebr. Bräm AG. Es war aber doch noch ein langer, beschwerlicher Weg. Im Mai 2013 wurde die Fräsabteilung klimatisiert, und zwar auf ±1 ˚C. Das sind Bedingungen, die sonst Räume für hochgenaue Messmaschinen aufweisen. Zudem konnte man Fräswerkzeuge testen, die eine absolut neuartige Beschichtung aufweisen.

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