SMM-Interview mit Markus Weber, Geschäftsführer der BWB AG

«Ich glaube an die Zukunft unseres Werkplatzes»

| Redakteur: Matthias Böhm

«Die jungen Menschen bringen Bewegung und neue Ideen in den Werkplatz.» Markus Weber, Geschäftsführer der BWB AG
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«Die jungen Menschen bringen Bewegung und neue Ideen in den Werkplatz.» Markus Weber, Geschäftsführer der BWB AG (Bild: Matthias Böhm)

Der SMM bekam die Möglichkeit, mit einem der jüngsten Geschäftsführer der Werkzeugmaschinenindustrie ein Interview zu führen: Markus Weber, Geschäftsführer der BWB AG. Schweizer Unternehmen müssten Prozessorientierung, Digitalisierung inklusive Industrie 4.0 aktiv angehen, um den Werkplatz Schweiz nach vorne zu bringen.

SMM: Sie sagten im Vorgespräch, dass einige Ihrer Kollegen Ihnen abgeraten haben, in die Fertigungsindustrie zu gehen. Sie haben es trotzdem gemacht, warum?

Markus Weber: Gut, das waren Kollegen aus dem Bankenbereich und Dienstleistungsbereich. Die können sich gar nicht vorstellen, wie es in der Fertigungstechnik läuft, wie spannend die Aufgabenfelder sind. Mit wie viel Freude, Engagement und Interesse die Techniker, Ingenieure und Polymechaniker an die Problemlösungen herangehen. Das ist ein Betätigungsfeld, in dem ich mich wohl fühle. Die Angst, dass der Werkplatz Schweiz abwandert, ist aus meiner Sicht unbegründet. Der Werkplatz Schweiz verfügt über ein herausragendes Renommee. Richtig ist, er musste seit 2009 leiden, aber hat sich gleichwohl – selbst unter diesen extrem schweren Rahmenbedingungen – gut entwickelt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass wir exzellent ausgebildete Mitarbeiter in der MEM-Industrie haben, die letztlich für eine hervorragende Produktentwicklung und Produktion sorgen.

Seit wann sind Sie in der BWB AG?

M. Weber: BWB wurde Ende 2010 durch ein Management-Buyout des Bereiches Handels der K.R. Pfiffner gegründet. Ich bin Anfang 2011 in das Unternehmen gekommen und habe zuerst im Bereich Einkauf/Logistik gearbeitet. In den letzten 5 Jahren habe ich mich stetig weitergebildet, zuerst im Bereich Logistik und dann im Bereich Marketing. Aufgrund der flexiblen Struktur der BWB sowie eines breiten Betätigungsfelds konnte ich mein Wissen und meine Ideen auch im Bereich Produktmanagement zur Anwendung bringen. Im Zuge einer Nachfolgelösung erhielt ich dann im letzten Herbst vom Verwaltungsrat die Chance, die Aufgabe als Geschäftsführer zu übernehmen.

Sie sind mit diesem Schritt der jüngste Geschäftsführer im WZM-Sektor, wie gut sind Sie bereits mit Ihren Kunden vernetzt?

M. Weber: Aufgrund unserer KMU-Struktur verfügt jeder Mitarbeiter über einen sehr engen Kundenkontakt. Mir kam im Rahmen meiner Tätigkeit im Bereich Einkauf/Logistik bei der BWB AG zugute, dass ich sowohl mit den Lieferanten wie auch Kunden einen sehr engen Kontakt pflegen durfte. Gerade im Bereich Service bieten sich ausgezeichnete Möglichkeiten zum Austausch mit den Kunden, deren Anforderungen zu erkennen und entsprechend das Unternehmen darauf einzustellen. Denn alleine mit dem Verkauf einer WZM ist es heute nicht mehr getan: Moderne Fertigungsprozesse sind komplex, vernetzt und oft individuell auf die Anwendung ausgerichtet.

Aus welchem Bereich kommen Sie beruflich?

M. Weber: Ursprünglich komme ich aus der Logistik. Ich habe eine Ausbildung als Logistik-Fachmann gemacht und mich zum Produktmanager weitergebildet. Dieses Themenspektrum nimmt bei den heutigen Fertigungsprozessen, die eine Symbiose von Industrie, Technologie und Vernetzung ausmachen, eine zunehmend wichtige Rolle ein. Die Unternehmen müssen immer stärker in Prozessen denken. Die Logistik, gerade wenn man auch an Lean-Manufacturing denkt, ist hier oft ein entscheidender Part, um wirtschaftlich optimal zu agieren. Grundvoraussetzung für einen wirtschaftlichen Produktionsprozess sind die eigentlichen Fertigungsprozesse. Sie müssen immer am Optimum laufen. Aus logistischer Sicht ist die Wertschöpfungskette ein sehr wichtiger Aspekt. Hier ist die Herausforderung, die Werkzeugmaschinen in den gesamten Fertigungs- sowie Unternehmensprozess und darüber hinaus optimal einzubinden.

Lean Management setzen zunehmend auch KMU immer mehr um, wie schätzen Sie die Durchdringung ein?

M. Weber: Bei den grösseren Kunden beschäftigen sich meiner Einschätzung nach nahezu alle Unternehmen mit Lean- Themen und setzen diese auch aktiv im Alltag um. Bei den KMU sind es wahrscheinlich noch nicht alle. Hier gibt es sicher noch Potential. Aber: Lean muss nicht klassisches Lean-Manufacturing sein. Die Unternehmen verbessern ihre Prozesse kontinuierlich, ohne es vielleicht bewusst Lean zu nennen. Lean ist viel breiter, als man denkt, und bewegt sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette einer Unternehmung.

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