100 Tage im Amt Interview mit dem neuen Verbandsdirektor

Redakteur: Lya Bartholet

Oliver Müller ist nun seit knapp einem halben Jahr Verbandspräsident von Swissmechanic. Im nachfolgenden Interview zieht er eine erste Zwischenbilanz nach 100 Tagen im Amt.

Firmen zum Thema

Oliver Müller zieht eine erste Zwischenbilanz nach 100 Tagen im Amt als neuer Verbandspräsident von Swissmechanic.
Oliver Müller zieht eine erste Zwischenbilanz nach 100 Tagen im Amt als neuer Verbandspräsident von Swissmechanic.
(Bild: Swissmechanic)

Swissmechanic: In einem Interview in der Februar-Ausgabe der Verbandszeitschrift definierten Sie eines der Hauptziele für das Jahr 2013 wie folgt: «Wir wollen als Verband unseren Beitrag leisten, das Umfeld unserer Mitglieder ihren Bedürfnissen entsprechend zu beeinflussen und mit unseren Dienstleistungen helfen, die Betriebe bei ihren Aufgaben zu entlasten als auch zu unterstützen». Welche diesbezüglichen Beiträge konnten schon verwirklicht werden oder stehen kurz vor deren Umsetzung?

Oliver Müller: Seit der Aufnahme meiner Tätigkeiten sind rund 100 Arbeitstage vergangen. In dieser knappen Zeit ist es verständlicherweise nicht möglich, alle gesetzten Ziele bereits anzugehen oder umzusetzen. Eine Aufgabe, die wir erfolgreich abschliessen konnten, ist ein Abkommen mit der BKW FMB Energie AG. Darin ist vorgesehen, dass sie unseren Verband unterstützen werden, wenn wir zusammen mit unseren Mitgliedern im Bereich der Energieanalyse und Energieversorgung mittels brancheninternem Benchmark ein gemeinsames Vorgehen planen. Eine weitere Unterstützung erwarten wir bei der Umsetzung neuer gesetzlicher Vorschriften. Ich denke da insbesondere auch an die Vorschriften der neuen CO2-Abgabe, von denen man unter gewissen Voraussetzungen befreit werden kann. Diesbezüglich erwarten wir dank des Abkommens konkrete Unterstützungsmassnahmen der BKW zu Gunsten unserer Mitglieder.

Ein weiteres Projekt, das in Angriff genommen wurde, ist das Aufzeigen von Möglichkeiten, wie unsere Mitglieder im Euro-Raum günstiger einkaufen können. Dies betrifft im Speziellen europäische Produkte und hat zum Ziel, die kostentreibenden schweizerischen Zwischenhandels-Margen, die die Produkte bis zu 30 Prozent verteuern, auszuschalten und die damit verbundene Marktbenachteiligung etwas zu entschärfen.

SM: Analysiert man die Wirtschaftsdaten des 1. Quartals 2013 der Mitgliederumfrage, ergibt sich in der Gesamtheit ein eher pessimistisches Gesamtbild der wirtschaftlichen Situation. Wie schätzen Sie die Situation ein, und welche Schlüsse ziehen Sie daraus für Massnahmen für die kommenden Monate?

O. Müller: Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es kein generelles konjunkturelles Problem ist, obwohl einzelne Firmen nach wie vor dagegen ankämpfen müssen. Vielmehr ist in der Gesamtbetrachtung die beeinträchtigte Wettbewerbsfähigkeit, verbunden mit der eingeschränkten Preisgestaltung, eine wesentliche Ursache der momentanen Situation.

Erschwerend kommt hinzu, dass der zu hoch bewertete Schweizerfranken unseren exportabhängigen Mitgliedern weiterhin stark zusetzt. Leider haben wir praktisch keine Möglichkeiten, den Kurs des Schweizerfrankens zu beeinflussen. Hingegen können wir mit entsprechenden Massnahmen, wie ich sie vorhin erwähnt habe, die Mitglieder unterstützen und somit ihre Marktfähigkeit verbessern. Weiter möchte ich erwähnen, dass wir Unterstützung im Bereich technischer oder marketingmässiger Schulung anbieten. Wir bieten Hilfe bei den Zugängen auf neue internationale Märkte, z.B. bei Messebeteiligungen im Ausland. Diesbezüglich sind wir mit der OSEC im Gespräch darüber, wie sich diese Organisation vermehrt auch den Belangen der KMU-Firmen annehmen soll. In diesem Zusammenhang müssen wir vermehrt auch politisch aktiv werden. Aus unterschiedlichen Quellen mussten wir erfahren, dass die EU insbesondere osteuropäische Unternehmen in marktverzerrender Art und Weise unterstützt, die einer freien und liberalen Marktordnung überhaupt nicht mehr entspricht. Wir wissen, es wird nicht einfach werden, unsere Politiker für dieses Thema zu sensibilisieren. Aber zur Sicherung des Werkplatzes Schweiz müssen auch diesbezüglich heiklere Themen angegangen werden.

(ID:39651560)