Interview mit Hans Hess von Swissmem

«Kleinserien sind eine Stärke der Schweizer Industrie»

| Redakteur: Sergio Caré

«Gut ausgebildete Leute werden auch in Zukunft gebraucht.» Hans Hess, Präsident Swissmem.
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«Gut ausgebildete Leute werden auch in Zukunft gebraucht.» Hans Hess, Präsident Swissmem. (Bild: Swissmem)

Minus 14 Prozent Auftragseingang wegen dem überbewerteten Schweizer Franken – profitiert hat die ausländische Konkurrenz. Die Bereitschaft der KMUs, ihre beschränkten Mittel in der Schweiz zu investieren, erodieren zunehmend. Jedes 2. Unternehmen investiert bereits im Ausland – Tendenz steigend. Geld, das für die zukünftige industrielle Digitalisierung der Schweiz fehlend wird. Denn für Swissmem ist Industrie 4.0 eine Chance. Gut, dass der Bund die jährliche Innovationsforderung erhöht hat. Mit Hans Hess, Präsident der Swissmem, sprach Sergio Caré vom SMM.

SMM: Der starke Franken setzt der MEM-Industrie zu. An der Pressekonferenz haben Sie gesagt, dass nicht nur die finanzielle Substanz der Unternehmen abnimmt, sondern auch die Bereitschaft, in die Schweiz zu investieren. Fehlt in Zukunft Geld für Investitionen in der Schweiz?

Hans Hess: Ein Teil der Firmen haben nach der Aufhebung der Frankenuntergrenze ihre Produktion oder die Beschaffung ins Ausland verlagert. Für die Firmen ist es wichtig, so schnell wie möglich die Kosten runterzubringen. Aktuell wird sicher deutlich weniger in der Schweiz investiert. Ich denke aber nicht, dass dies ein langfristiger Trend ist.

Aber eigentlich sollte man ja in Bezug auf Industrie 4.0 dort investieren, wo der Innovationsplatz ist ...

H. Hess: ... und das kann durchaus wieder in der Schweiz sein. Dafür muss der Standort Schweiz aber auch in Zukunft attraktiv bleiben.

Wie kann der Wirtschaftsstandort Schweiz attraktiv bleiben?

Ergänzendes zum Thema
 
Politik kann ihren Beitrag leisten

Die wichtigsten Ressourcen der Schweiz sind Köpfe. Bildung, Forschung und Innovation müssen deshalb gestärkt werden. Aber auch die Rahmenbedingungen müssen attraktiv bleiben. Darum wollen wir die Politik mehr in die Pflicht nehmen (siehe Kasten). Dann bin ich überzeugt, dass die Unternehmen wieder vermehrt in der Schweiz investieren werden.

Digitalisierung ist wichtig, sagen Ihre Umfragen. In Deutschland können jedoch viele KMUs mit dem Begriff Industrie 4.0 nichts anfangen. Wie will die Swissmem diesen Umstand unter seinen Mitgliedern ändern?

H. Hess: Zusammen mit drei anderen Verbänden haben wir die Plattform Industrie 2025 lanciert, mit dem Ziel, die KMUs für das Thema Industrie 4.0 zu sensibilisieren. Seit zwei Jahren führen wir ausserdem regelmässig Veranstaltungen durch, um eben die Digitalisierung voranzutreiben.

In Deutschland fördern Bund und Länder Industrie 4.0: Muss der Bund mehr machen damit die Digitalisierung in der Schweiz vorankommt?

H. Hess: In Deutschland führt der Staat Riesenkampagnen durch, um die Digitalisierung voranzutreiben. Die Schweiz ist da etwas anders. Der Bund sagt nicht, ihr müsst Industrie 4.0 machen, wie es in Deutschland der Fall ist. Der Bund gibt aber Mittel an die Forschungsanstalten und Schulen, damit die sich mit den Themen auseinandersetzen.

In Deutschland werden aber Firmen aktiv mit staatlichen Geldern unterstützt.

Der Bund hat der Kommission für Technologie und Investition (KTI) 62 Mio. CHF zur Verfügung gestellt, damit Betriebe im Bereich der Digitalisierung investieren.

Jetzt wird aber gerade viel Geld ins Ausland investiert; dabei wäre es doch wichtiger die Forschung und Entwicklung voranzutreiben.

H. Hess: Dank den KTI-Projekten können sie mit der Hälfte der eigenen Mittel die gesamte Forschung fördern. Das ist sehr wichtig und gut. Und es wäre auch sehr wichtig, dass das Horizon2020 wieder reaktiviert werden könnte. [Die EU hat nach Annahme der Masseneinwanderungsinitiative die Schweiz vom Förderprogramm Horizon2020 ausgeschlossen]

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