Ferngesteuerte Palettenfahrzeuge Massgeschneiderte Effizienz

Redakteur: Silvano Böni

>> Um die Logistik an einem Ort zu bündeln, baute der Haushaltswarenhersteller Leifheit seinen ehemaligen Produktionsstandort in Zuzenhausen bei Heidelberg zum zentralen Distributionszentrum aus. Damit dort eine effektivere und effizientere Handhabung der Paletten gewährleistet werden konnte, setzte das Unternehmen auf die batteriebetriebenen, ferngesteuerten Kanalfahrzeuge ProMotion Shuttle des Lagertechnik-Spezialisten Bito. Diese organisieren Be- und Entladevorgänge und übernehmen dabei sogar Inventuraufgaben.

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Das Shuttle wurde mit verschiedenen Sicherheitsfunktionen ausgestattet. Dazu gehören beispielsweise ein Not-Aus-Schalter sowie ein Personen-Laserscanner, der in Fahrtrichtung Körper und Gegenstände erkennt.
Das Shuttle wurde mit verschiedenen Sicherheitsfunktionen ausgestattet. Dazu gehören beispielsweise ein Not-Aus-Schalter sowie ein Personen-Laserscanner, der in Fahrtrichtung Körper und Gegenstände erkennt.
(Bild: Bito)

Mit ihrem umfangreichen Sortiment an Boden- und Fensterreinigungssystemen, Wäscheständern und Bügeltischen, Küchenhelfern sowie Küchen- und Personenwaagen der Marke Soehnle gehört die Leifheit AG zu den führenden europäischen Anbietern von Haushaltsprodukten. So innovativ die Produkte von Leifheit sind, so innovativ ist das Unternehmen, wenn es um intralogistische Prozesse geht. Auf dem 85 000 Quadratmeter grossen Gelände in Zuzenhausen befindet sich heute das zentrale Distributionszentrum der Leifheit AG. «Von hier aus beliefern wir alle relevanten Handelspartner, speziell Baumärkte, Gross- und Fachhändler sowie die grossen Kauf- und Warenhausketten. Dazu kommt noch das Internetsegment sowie viele Handelspartner in allen zentraleuropäischen Ländern, die wir täglich per Direktverkehr beliefern. Alles in allem senden wir Ware von Zuzenhausen aus in bis zu 80 Länder der Welt – von Australien bis in die USA», sagt Steffen Hinderer, Logistikleiter und Leiter des Leifheit-Distributionszentrums in Zuzenhausen (LDZ). Jeden Tag kommen etwa 30 Lkw an sowie sechs bis acht Container, die rund 1200 Paletten aus den weltweiten Produktionsstätten liefern. «Annähernd die gleiche Menge an Waren, die jeden Tag am Wareneingang ankommt, schicken wir auch wieder raus», erklärt der Logistikleiter. Bis zu 2000 Aufträge verlassen täglich über Speditionen als Stückgut, Teil- und Komplettladung oder über Paketdienste das LDZ. Oft handelt es sich dabei auch um Kleinsendungen. Das Thema E-Commerce wird für Leifheit immer wichtiger. Gerade in diesem Vertriebskanal werden sehr hohe Anforderungen an die weltweite Distribution gestellt, damit alle Produkte reibungslos und vor allem schnell beim Kunden eintreffen.

Zentrale Distribution

Mit seiner Strategie «Leifheit GO!» hat sich der Haushaltswarenspezialist ambitionierte Wachstumsziele für die nächsten Jahre gesetzt. Bis 2011 hatte Leifheit in Europa noch verschiedene Lager in Italien, Spanien, Holland, Belgien oder auch Frankreich. Für das Unternehmen war jedoch klar: Um die definierten Ziele zu erreichen und den europäischen Markt effizienter bedienen zu können, muss die Distribution von einem zentralen Ort aus erfolgen. Nur so lassen sich Kosten sparen und Lagerbestände verringern, das Warenhandling wegen kürzerer Durchlaufzeiten effizienter gestalten, die Warenverfügbarkeit sicherstellen und Lieferzeiten deutlich verkürzen. «Aufgrund seiner geographischen Lage war der ehemalige Produktionsstandort Zuzenhausen für die Umsetzung der Strategie richtig, ausserdem haben wir hier genug Fläche, um uns jederzeit vergrössern zu können», erläutert Hinderer.

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Für den Umbau des LDZ im Rahmen der Wachstumsstrategie wollte Leifheit die vorhandenen Gebäude und Hallen für eine Kapazitätserweiterung weiter nutzen, die Materialflüsse jedoch wesentlich effizienter gestalten. Dazu startete der Haushaltswarenhersteller eine Ausschreibung, um einen geeigneten Lagerspezialisten zu finden. Fünf Unternehmen wurden zum Auswahlverfahren eingeladen, «überzeugt hat uns dann die Bito-Lagertechnik aus Meisenheim», erinnert sich Hinderer. Schon bei den ersten Treffen kamen die Teams auf die Shuttle-Technik zu sprechen. «Mit unserem ProMotion-Shuttle haben wir ein batteriebetriebenes, ferngesteuertes Kanalfahrzeug entwickelt, mit dem Paletten innerhalb eines Palettenregals in Kanälen effektiv gehandhabt und befördert werden können», sagt Dennis Ramers, Vertrieb Schwerlastregale bei Bito. Der Ingenieur zeigt in Halle 26 auf ein Shuttle, das ein Stapler im Palettenregal gerade in einen Kanal setzt. «Mit diesen Systemen erreichen wir nicht nur eine schnellstmögliche Warenverfügbarkeit. Wir können auch die vorhandene Fläche optimal nutzen. Gegenüber Standard-Regallagern mit nur einer Ladeeinheit pro Fach kommen Kanallager auf eine höhere Packungsdichte. Denn allein der Raum- oder Volumenanteil für Bediengassen fällt deutlich geringer aus», erläutert Ramers. «Im Vergleich zu Palettendurchlaufregalen können wir mit dem Shuttle-System die Höhe des Lagers noch besser nutzen. Je länger der Kanal ist, desto mehr wirkt sich das aus. Beim Palettendurchlaufregal haben wir ein Gefälle von vier Prozent. Das heisst: Nach 25 Metern Tiefe hätten wir einen Meter verloren. Beim Shuttle-Lager wirkt sich dagegen die Tiefe des Kanals nicht auf die Höhe der Anlage aus, denn die Schienen werden waagerecht in den Kanälen angebracht.» Bito hat insgesamt drei Hallen mit der Shuttle-Technik ausgestattet: Ein Lager, das aus zwei Lagerblöcken mit Platz für insgesamt 1000 Paletten besteht, eines aus vier Blöcken für 5439 Paletten, und in einer weiteren Halle stehen drei Blöcke für 3320 Paletten. Die Kanäle der Regalanlagen haben jeweils eine Länge von etwa 20 Metern. Damit diese sicher montiert werden konnten, waren hohe Anforderungen an den Betonboden gestellt. «Durch die Produktionsanlagen, die sich vorher hier befanden, war der Boden an vielen Stellen uneben oder aufgerissen», erinnert sich Ramers. «Mit speziellen Sockeln, die wir an den Regalen angebracht haben, konnten wir diese Stellen ausgleichen.»

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