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Integration mit Prozesstechnik und Montage eröffnet neue Potenziale Mit Intralogistik zum Optimum

Redakteur: Silvano Böni

Die Logistik steht seit langem im Fokus der Automobilindustrie. Jetzt rückt jedoch auch die Intralogistik verstärkt in den Mittelpunkt. Sie fungiert – wie zwei Beispiele zeigen – zunehmend als Schaltzentrale und setzt teilweise sogar Prozesstechnik ein.

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Das vertikale Lagerliftsystem Shuttle XP wurde für eine Vielzahl an Lager- und Bereitstellungsanwendungen in Fertigung, Vertrieb, Einzelhandel und Lagerwesen entwickelt.
Das vertikale Lagerliftsystem Shuttle XP wurde für eine Vielzahl an Lager- und Bereitstellungsanwendungen in Fertigung, Vertrieb, Einzelhandel und Lagerwesen entwickelt.
(Bild: Kardex)

Um LKW-Achsen zusammenzubauen, brauchen Montagemitarbeiter verschiedene Bauteile wie Antriebswellen, Kegelräder, Differentialgehäuse, Lager und Zahnräder zeit- und passgenau am Fliessband. Einige dieser Komponenten kommen aus der Härtung. Doch der Ausspucktakt aus der Wärmebehandlung korreliert nicht mit dem Montagetakt. Darum legte der LKW-Hersteller diese Bauteile auf dem Boden und in Standardregalen ab, die als Zwischenlager dienten. Aber die Suche nach den richtigen Teilen erforderte nicht nur einen hohen personellen Aufwand, teilweise litten selbst Prozesssicherheit, Qualität und Dokumentation darunter.

Vollautomatische, flexible Intralogistik für LKW-Achsenbau

Diese Probleme gehören nun der Vergangenheit an. Heute kommen Kegelräder, Lager und Zahnräder in Gitterkörben aus der Härtung. Sie tragen einen spezifischen Code, der sie eindeutig kennzeichnet. An jedem der Körbe haftet ausserdem ein RFID-Chip. Die Intralogistik-Lösung von Kardex Remstar lagert dann die Gitterkörbe mit den abgekühlten Bauteilen über ein vollautomatisches Bandfördersystem in fünf Lagerlifte des Typs Shuttle XP ein. Davor fotografiert ein Kamerasystem noch die Codes der verschiedenen Bauteile, so dass mit der Einlagerung ins Puffersystem auch der Lagerungsort jeder einzelnen Komponente exakt feststeht.

«Auf Anforderung aus der Montage lagert die Intralogistik-Lösung die gewünschten Bauteile auch wieder vollautomatisch aus und stellt sie über ein Fördersystem direkt den Montagearbeitern taktgenau zur Verfügung», sagt Hans-Joerg Braumüller, einer der Automobil-Experten von Kardex Remstar. Neben Fördersystemen und Shuttle-Lagerliften umfasst diese Intralogistik-Lösung auch die Kardex-eigene Lagerverwaltungs-Software Power Pick Global sowie die Steuerungstechnik für den Materialfluss. Die Lagerverwaltungs-Software kommuniziert dabei direkt mit dem Produktions-Planungs-System und der ERP-Software des LKW-Herstellers. «Diese Lösung benötigt keine manuelle Unterstützung mehr, weil sie vom Härteofen bis zum Montageband vollautomatisch arbeitet», so Braumüller. Die Höhe, Breite und Tiefe jedes Shuttle XP beträgt rund 10 x 4 x 3 Meter, was hochgerechnet das Zwanzigfache der ursprünglichen Lagerfläche beträgt.

Intralogistik mit holistischem Ansatz

Ein Grossteil der automobilen Wertschöpfung findet heute in der Logistik statt. Bei einigen Herstellern übertreffen Logistikausgaben sogar schon die Produktionskosten. Je grösser das Outsourcing von Produktionsschritten und je länger die Logistikketten, umso höher natürlich auch die Kosten. «Potenziale liegen sowohl in der Verbesserung der Intralogistik als auch in einem holistischen Ansatz, um gemeinsam mit der Produktion das Optimum zu erreichen», weiss Knut Alicke, Supply-Chain-Experte von McKinsey & Company in Stuttgart. Während jedoch die Integration der Intralogistik mit der Montage teilweise schon funktioniere, stecke die Integration des innerbetrieblichen Waren- und Materialflusses mit der Extralogistik noch in den Anfängen.

Laut Supply-Chain-Experte Alicke profitieren die Autohersteller in den nächsten Jahren am stärksten von Intralogistik-Investitionen, die ihre Systeme flexibler und effizienter machen. So müssten Unternehmen getreu dem Motto «Flexibilität trotz Automatisierung» investieren. Denn um auf Nachfrageschwankungen und steigende Variantenvielfalt reagieren zu können, sollten Hersteller statt nur auf hochtechnisierte Automatisierungslösungen auch auf semi-automatische, flexible Lösungen setzen. Eine weitere Effizienzsteigerung erwartet der McKinsey Experte von Investitionen in Technologien, die einen durchgängigen Informationsfluss gewährleisten. Dazu zählten beispielsweise RFID, Video-Streaming fürs Bestandsmanagement, Pick-by-Voice für eine effiziente Kommissionierung oder die computergestützte Erweiterung der Realitäts-Wahrnehmung, um die Montageprozesse zu verbessern.

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