Igus-Hochleistungspolymere im Einsatz bei V-Zug

Plastik schlägt Messing und Keramik

| Redakteur: Silvano Böni

Speziell für diese Anwendung entwickelte Igus den Sonderwerkstoff Iglidur RN24, der im Test die Anforderungen von V-Zug um das Dreifache übertraf.
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Speziell für diese Anwendung entwickelte Igus den Sonderwerkstoff Iglidur RN24, der im Test die Anforderungen von V-Zug um das Dreifache übertraf. (Bild: Igus)

Damit die Produkte von V-Zug den Ansprüchen des Herstellers entsprechen, sind hochwertige Komponenten entscheidend. So setzt das Unternehmen selbst bei scheinbar simplen technischen Lösungen wie einem Drehknopf auf Hochleistungskunststoffe der Firma Igus.

V-Zug hat es sich vor über 100 Jahren zur Aufgabe gemacht, den Alltag mit qualitativ hochwertigen, innovativen Haushaltsgeräten zu erleichtern. Seit der Gründung im Jahr 1913 ist das Unternehmen in Familien­besitz und einer der wichtigsten Arbeitgeber im Kanton Zug. Mit modernsten Arbeitsmethoden und über 1400 Mitarbeitern entwickelt und produziert das Hightech-Unternehmen hochwertige Haus­halts­geräte. Auf einem Areal von über 60 000 Quadratmetern fabriziert die V-Zug AG mit höchster Präzision und zukunftsweisenden Fertigungs­techniken Haushaltsgeräte für Küche und Wasch­raum, vom Grundmaterial bis zum fertigen Gerät. Dabei kommt überall die Schweizer Spitzenqualität zum Tragen, damit die Geräte von V-Zug besonders langlebig sind und zuverlässig funktionieren. Reto Märchy, verantwortlich für die Entwicklung und Konstruk­tion von Küchengeräten bei V-Zug: «Dank der modernen Anlagen konnte der Energieverbrauch in den letzten Jahren bei jedem Gerät um die Hälfte gesenkt werden. Wo immer möglich,
setzen wir wiederverwertbare Materialien ein und stellen aktiv eine geordnete Entsorgung sicher. Unsere Lieferanten werden sorgfältig ausgesucht – neben der Qualität werden auch Umweltaspekte sowie preisliche Themen berücksichtigt.»

Schnelle, direkte Bedienung dank Einstellknopf

Die neue Gerätelinie von Backöfen, Herden und Dampfgarern (Steamern) aus dem Hause V-Zug lässt sich über einen Einstellknopf einfach und präzise bedienen. «Dieses zentrale Bedienelement ist die einzige Schnittstelle vom Kunden zum Gerät. Hier ist es natürlich wichtig, dass dieser einfache Drehknopf nicht wackelt oder unrund läuft», erklärt
Reto Märchy und ergänzt: «Wir sind ständig bestrebt, unsere Geräte praktischer, leistungsstärker, umweltschonender und zudem installationsfreundlicher zu machen. Wir befassen uns nicht mit Gimmicks, die unnötig oder von vergänglicher Ästhetik sind. Wir forschen und entwickeln für den Markt, und das natürlich mit modernsten technischen Hilfsmitteln. So wurde von V-Zug auch bei diesem Drehknopf viel Zeit und Forschung investiert, um die perfekte Haptik für den Kunden zu generieren.

Die Suche nach dem optimalen Werkstoff

Der erste Werkstoff für die Halterung und Funktionalität dieses Drehknopfes bestand aus Messing. Da Messing jedoch leitend ist, wurde er von der Elektronikabteilung bei V-Zug nach den ersten Versuchen abgelehnt. Anschliessend versuchten es die Konstrukteure bei V-Zug mit einer Lösung aus Keramik. Der Werkstoff überzeugte zwar durch seine Härte und Präzision, schied jedoch vor allem aufgrund des hohen Preises als Alternative aus. Dann entwickelte man mit Igus die Idee, Lösungen aus Kunststoff zu testen. Denn seit Jahren besteht eine Zusammenarbeit zwischen V-Zug und dem Motion-Plastics-Spezialisten aus Köln, und bereits in der Vergangenheit wurden andere anspruchs­volle Anwendungen von V-Zug mit Gleitlagerlösungen aus Kunststoff von Igus realisiert.

Jahrzehntelange Erfahrung

Seit über 30 Jahren entwickelt und fertigt Igus Gleitlager, die millionenfach in der Industrie eingesetzt werden. Dabei hat Igus über die Jahre verschie­denste Werkstoffe entwickelt, die über unterschiedlichste Eigenschaften verfügen, sodass sich die Gleitlager für immer mehr Anwendungsgebiete anbieten. Das Spektrum reicht von wirtschaftlichen Iglidur-Allroundlagern über «Food-Grade»-Lager bis hin zu Lagern aus Werkstoffen, die sich für Hoch­temperatur- oder Unterwassereinsätze eignen. Alle Werkstoffe haben gemeinsam, dass sie nicht extern mit Ölen oder Fetten geschmiert werden müssen. Die Iglidur-Gleitlagerwerkstoffe bestehen allesamt aus thermoplastischen Materialien. Darin eingebettet sind in der Regel Faserverstärkungen zur Erhöhung der Druckfestigkeit sowie Festschmierstoffe, welche die Verschleissfestigkeit und Reibwerte optimie­ren.

So betraute V-Zug Igus mit der Aufgabe, einen qualitativ hochwertigen Kunststoff zu finden. «Für uns bestand die Herausforderung darin, dass wir hier drei verschiedene Kunststoffbauteile haben und wir in diesem Fall von extrem kleinen Toleranzen reden. Liegt ein Kunststoffteil ausserhalb der Toleranz, wackelt oder klemmt dieser Drehknopf», so Axel Ebert, Ansprechpartner für die Region bei Igus Schweiz.

Qualität aus dem Versuchslabor

Um die Haltbarkeit seiner Kunststoffprodukte gewährleisten zu können, betreibt Igus die grössten Versuchs- und Testlabors der Branche. Auf einer Fläche von 2750 Quadratmetern testet, prüft und entwickelt das Unternehmen unter realen Bedingungen, allein mit dem Ziel, Kunden die jeweils beste Lösung zu liefern, die mit Sicherheit funktioniert. Schwerpunkte der aufwendigen Versuche sind Zug- und Schubkräfte, Reibwerte, Verschleiss sowie Abrieb und Antriebskräfte unter verschiedensten Geschwindigkeiten und Belastungen. Auf diese Weise entwickeln die Ingenieure jährlich rund 100 neue Kunststoff-Compounds mit unterschiedlichen Eigenschaften. Auch der bei V-Zug für dieses Bedien­element jetzt verwendete Sonderwerkstoff Iglidur RN24 wurde im Kölner Labor entwickelt. Und nicht nur das, der eingesetzte schmier- und wartungsfreie Werkstoff übertrifft die Vorgabe von V-Zug um mehr als das Dreifache. «So konnten wir auch V-Zug schlussendlich überzeugen», erklärt Lutz Alof, Geschäftsführer Igus Schweiz. «Wir haben in unserem Labor in Köln für diesen Bedienknopf sogar eine eigene Prüfanlage aufgebaut. Die Vorgabe von V-Zug waren 40 000 Zyklen. Mit den ersten entwickelten Kunststoffzusammensetzungen unserer Techniker erreichten wir zwar knapp das vorgeschriebene Ziel. Aber es hiess weitertüfteln, bis die richtige Mischung gefunden wird – und sie wurde gefunden. Mit dem jetzt eingesetzten Werkstoff haben wir den Versuch bei 150 000 Anwendungen abgebrochen.»

Vorbildliche Zusammenarbeit

«Die Zusammenarbeit mit Igus ist vorbildlich», resümiert Reto Märchy. «Die Qualität stimmt, der Preis stimmt, und wir wurden von Anfang an sehr gut betreut. Beeindruckt hat uns auch, dass wir als ‹kleiner Fisch› wie ein Riese behandelt wurden.» Dazu ergänzt Lutz Alof: «Wir machen keine Unterteilung in A-, B- oder C-Kunden. Für uns ist ein zufriedener Kunde das Hauptaugenmerk. Wir wollen für jeden Kunden die optimale Lösung finden, da steckt unser ganzer Ehrgeiz dahinter. Entweder wir schaffen dies durch unser kontinuierlich wachsendes Gleitlager-Standardprogramm und können unseren Kunden innerhalb von 24 Stunden Produkte liefern oder wir richten eigens für Kundenprojekte Teststände in unserem Labor ein. Und wenn wir – so wie hier – erfolgreich waren, sind dies die besten Referenzen für neue Projekte.» SMM

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