Branchenzahlen des Giessereiverbandes

Schweizer Giessereien innovieren für die Herausforderungen der Zukunft

| Redakteur: Susanne Reinshagen

Ein dünnwandiges Strukturgussteil, der DGS Druckguss Stysteme AG, das in den Audi A8 eingebaut wird.
Ein dünnwandiges Strukturgussteil, der DGS Druckguss Stysteme AG, das in den Audi A8 eingebaut wird. (Bild: Susanne Reinshagen)

Für die Präsentation der Geschäftszahlen der Schweizer Giessereien lud der Giesserei Verband zur Bühler Group nach Uzwil. Dass Schweizer Giessereien durch innovative Produkte und Verfahren ihre Wettbewerbsposition stärken und auch einen wichtigen Beitrag für die Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Umweltschonung leisten, zeigte die Führung durch das Anwendungszentrum der Bühler Group.

Für 2018 konnte der Giesserei Verband eine erfreuliche Entwicklung bei den 47 im Verband zusammen geschlossenen Unternehmen verkünden. Danilo Fiato, Präsident des Verbandes und CEO der von Roll casting Group hielt fest, dass der Umsatz leicht von 595 Mio. CHF auf 600 Mio. CHF angestiegen ist und die verarbeiteten Tonnagen um 1,1% auf 53690 Tonnen gegenüber dem Vorjahr zunahmen. Positiv zu dieser Entwicklung trugen die Eisen- und Stahlgiessereien (+0.5%) sowie die Leichtmetallgiessereien (+3,1%) bei. Etwas weniger gut lief es bei den Kupferlegierungen: ihre verarbeiteten Tonnagen reduzierten sich um 0.9%. Für die grössten Zuwachsraten sorgte das Transportwesen, allen voran die private Automobilindustrie, gefolgt von Schienen- und Nutzfahrzeugmarkt sowie der Flugzeugindustrie.

Giessereien sind Generalunternehmer

Wichtige Faktoren für das erfolgreiche Bestehen der Giessereien am globalen Markt sind ihre Innovationskraft und das Anbieten von ganzheitlichen Lösungen mit einer vertieften Wertschöpfung. Heute liefern sie einbaufähige Komponenten sowie ganze Baugruppen aus einer Hand. Diese werden in enger Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern wie zum Beispiel der Bühler Group entwickelt und mittels ausgeklügelter Technologie hergestellt. All das macht Schweizer Giessereien zu attraktiven und zuverlässigen Partner von in- und ausländischen Kunden.

Ein dünnwandiges Strukturgussteil, der DGS Druckguss Stysteme AG, das in den Audi A8 eingebaut wird.
Ein dünnwandiges Strukturgussteil, der DGS Druckguss Stysteme AG, das in den Audi A8 eingebaut wird. (Bild: Susanne Reinshagen)

Als Beispiel für derart entwickelte und hergestellte Produkte zeigte die DGS Druckguss Systeme AG aus St. Gallen ein Strukturgussteil für den Audi A8. Mit neuen Formen und Legierungen konnte die Dicke des Strukturgussteils von 3,5 mm auf 1,5- 2 mm reduziert und somit Gewicht eingespart werden.

Die Aluwag AG zeigte welches Marktpotenzial auch die E-Mobilität der Giessereibranche bietet. Für den Mercedes EQC und den Porsche Panamera Hybrid giesst das Unternehmen Stratoträger.
Die Aluwag AG zeigte welches Marktpotenzial auch die E-Mobilität der Giessereibranche bietet. Für den Mercedes EQC und den Porsche Panamera Hybrid giesst das Unternehmen Stratoträger. (Bild: Susanne Reinshagen)

Die Aluwag AG zeigte anhand ihrer Beispiele welches Marktpotenzial auch die E-Mobilität der Giessereibranche bietet. Sie giesst für den Mercedes EQC sowie für den Porsche Panamera Hybrid die Stratoträger.

Hybridkomponenten der Wagner AG finden als Sender- und Empfängergerät in den Stossstangen ihren Platz.
Hybridkomponenten der Wagner AG finden als Sender- und Empfängergerät in den Stossstangen ihren Platz. (Bild: Susanne Reinshagen)

Weitere Gussteile für die Automobilindustrie präsentierte die Wagner AG. Ihre Hybridkomponenten finden als Sender- und Empfängergeräte in den Stossstangen ihren Platz.

Für die Automobilindustrie gefertigte Teile aus Eisenguss von der Wolfensberger AG.
Für die Automobilindustrie gefertigte Teile aus Eisenguss von der Wolfensberger AG. (Bild: Susanne Reinshagen)

DieWolfensberger AG zeigte ebenfalls für die Automobilindustrie gefertigte Teile aus Eisenguss. Alle Beispiele zeigen, dass die Giessereien an die Grenzen des technisch machbaren gehen und diese ab und an auch zu verschieben wissen, um zusammen mit ihren Kunden an den Herausforderungen der Zukunft, wie umweltschonende Mobilität und nachhaltige Lebensformen zu arbeiten.

Innovationscampus CUBIC stellt sich globalen Herausforderungen

Auch die Bühler Group hat sich zum Ziel gesetzt, die globalen Herausforderungen bei der Ernährung und Mobilität anzugehen. Denn wie sollen 2050 rund 10 Milliarden Menschen nachhaltig ernährt und ihre Mobilität sichergestellt werden? Da das Unternehmen führend in den Technologien für Druckguss, Nassvermahlung und Oberflächenbeschichtung sowie in der Verarbeitung von Agrarprodukten und Herstellung von Pasta und Schokolade ist, kommen jeden Tag Milliarden von Menschen mit Technologien von Bühler in Berührung um ihre Grundbedürfnisse nach Mobilität und Lebensmitteln zu decken.

Mit dem Innovationscampus CUBIC hat Bühler nun eine Plattform geschaffen, um Themen wie die Sicherung der Welternährung und nachhaltige Mobilität anzugehen. Mit Kunden, Partner, Hochschulen und Start-ups sollen Lösungen für diese dringendsten globalen Herausforderungen erarbeitet werden, natürlich mit dem Ziel daraus attraktive Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Der 3-stöckige Glasbau ist für 300 Personen ausgelegt und soll eine physische Brücke zwischen den Entwicklungs-, Ingenieurs- und Konstruktionsteams, den modernisierten Anwendungszentren und der Produktion schaffen. Er soll gezielt Innovation, Kreativität und Inspiration beschleunigen und neue Methoden des Lernens und der Aus- und Weiterbildung fördern. Zudem schöpft er die Vorteile des dualen Bildungssystems aus, indem Lernende mit Forschern sowie junge und erfahrene Mitarbeiter in Projektteams aus allen Unternehmensbereichen zusammen arbeiten.

Das Gebäude selbst ist auch ein Beispiel für Nachhaltigkeit und Innovation. Es verbraucht 15% weniger Energie als ein vergleichbares Gebäude und die smarte Glasfassade spart 50% Energie an Heizung und Kühlung.

Anwendungszentren beschleunigen Time to Market

Wichtiger Bestandteil des CUBIC sind die acht modernisierten Anwendungszentren. Dort werden Ideen von Kunden sowie Prototypen getestet und bis zur Marktreife entwickelt.

So forscht das Batterielabor zum Beispiel am neuen Mischprozess für Elektrodenpasten für die Herstellung von Lithium-Ionen Batterien.

Im Anwendungszentrum für Druckguss stehen fünf Druckgusszellen für die Durchführung von Kundenversuchen. Diese Versuche fliessen in moderne Anwendungen der Elektromobilität.

Im Applikationszentrum für Pasta wird an neuen Teigwaren mit hohem Proteingehalt getüftelt. Wenn man sich vor Augen führt, dass rund 65% der landwirtschaftlichen Produktion in die Tierfütterung geht, wird schnell klar, dass Bühler auch an alternativen Proteinquellen für Tierfutter arbeitet. Dazu hat das Unternehmen 2017 ein Joint Venture mit dem holländischen Insektenverarbeitungsunternehmen Protix gegründet.

Ergänzendes zum Thema
 
Die acht Anwendungszentren

"Der CUBIC verkörpert unseren Innovationsgeist und eine Kultur, in dem wir miteinander diskutieren, einander inspirieren, herausfordern und verstehen lernen. So entwickeln wir Lösungen für nachhaltige Wertschöpfungsketten und tragen dazu bei, die ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit zu meistern" fasst CTO Ian Roberts die Funktion des CUBIC zusammen.

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