Sozialpartnerschaft Stadler Rail: Starker GAV für den Werkplatz Schweiz

Redakteur: Susanne Reinshagen

Die Gewerkschaft Unia und das Unternehmen Stadler Rail haben sich auf einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ab 2016 geeinigt. Er enthält nicht nur gute Mindestlöhne, sondern auch einen Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmende und weitere wegweisende Bestimmungen. Gleichzeitig vereinbarten Unternehmen und Gewerkschaft das Ende der Krisenmassnahmen, welche nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses ergriffen worden waren.

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Unia-Industriechef Corrado Pardini und Peter Spuhler, CEO und Inhaber von Stadler Rail, bei der Unterzeichnung des GAV.
Unia-Industriechef Corrado Pardini und Peter Spuhler, CEO und Inhaber von Stadler Rail, bei der Unterzeichnung des GAV.
(Bild: Peter Mosimann)

Am Unia-Industrietag im September leisteten Unia-Industriechef Corrado Pardini, Swatch-CEO Nick Hayek und Peter Spuhler von Stadler Rail eine Art Rütli-Schwur für eine starke Industrie in der Schweiz. Pardini nannte die Bedingung: «Grundlage kann nur eine neu begründete Sozialpartnerschaft sein.» Vier Wochen später folgte den Worten die erste Tat: Spuhler und Pardini unterzeichneten in Zürich einen neuen Gesamtarbeitsvertrag für sämtliche Schweizer Standorte der Stadler Rail Group.

Neuer Massstab

Diverse Fortschritte machen diesen GAV zu einem Massstab. So wurden gute Mindestlöhne für 5 Qualifikationsstufen (von 4200 Franken für Hilfsarbeitende bis 6200 Franken für Techniker/-innen) sowie für die Lehrlinge festgelegt. Über 58-Jährige geniessen einen weitgehenden Kündigungsschutz und die Bestimmungen bei Massenentlassungen wurden verbessert. Zudem soll der Teuerungsausgleich automatisch erfolgen.

Rücknahme der Krisenmassnahmen

Gleichzeitig vereinbarten die Gewerkschaft Unia und Stadler Rail das Ende der Krisenmassnahmen. Ende Januar hatten sie nach der abrupten Aufwertung des Frankens durch die Nationalbank beschlossen, vorübergehend 45 Stunden pro Woche zu arbeiten (zweieinhalb Stunden Pause eingerechnet). Ab 1. Januar 2016 gilt nun die neue vertragliche Arbeitszeit von 40 Stunden. Corrado Pardini: «In einer Epoche, da Wirtschaftsverbände und Konzerne auf eine generelle Verlängerung der Arbeitszeit drängen, ist dieser GAV ein wertvolles Bekenntnis zur 40-Stunden-Woche.»

GAV mit Signalwirkung

Für Pardini, der die Anliegen der Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter auch im Nationalrat vertritt, hat dieser GAV Signalwirkung: «Er hilft, Jobs zu retten, und zeigt, wie man etwa das Problem der älteren Arbeitnehmenden, die heute vor allen anderen entlassen werden, gelöst werden könnte. Doch er bedeutet noch mehr. Economiesuisse, SVP und FDP wollen das Rad sozialer Errungenschaften zurückdrehen.» Sie planen, die Löhne zu senken, die Arbeitszeit zu verlängern, das Rentenalter zu erhöhen, die soziale Sicherheit zu schwächen. Pardini: «Gewinnen sie die Wahlen, wird es eiskalt in der Schweiz. Dieser GAV aber ist ein mächtiges Statement für die Industrie und eine fortschrittliche Schweiz.»

Group-CEO und Inhaber Peter Spuhler ist zufrieden mit dem neuen Vertrag: «Es handelt sich um einen sehr fairen Vertrag, der uns ermöglicht, die Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens zu halten. Beide Seiten haben einen wichtigen Schritt zur Stärkung des Werkplatzes Schweiz geleistet.»

Peter Spuhler und die Geschäftsleitung haben an den drei Standorten Bussnang, Altenrhein und Winterthur die Mitarbeiter persönlich über den neuen GAV und das Auslaufen der erhöhten Arbeitszeit informiert. «Es ist nicht selbstverständlich, dass die ganze Mannschaft bereit war, diesen Mehraufwand zur Stärkung der Firma zu leisten», sagt Peter Spuhler.

Stadler Rail wurde durch die Währungsverwerfungen und die Aufhebung des Euro-Mindestkurses hart getroffen. Dies hat zu massiv verringerten Margen geführt. Die Auslastung an den drei Standorten in der Schweiz ist momentan aber noch gut und der Auftragseingang in diesem Jahr könnte sogar 2014 übertreffen. <<

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