Nach einem insgesamt schwachen Jahr 2025 wird für die italienischen Hersteller von Werkzeugmaschinen, Robotern und Automationssystemen eine leichte Erholung erwartet.
An der Mitgliederversammlung von UCIMU – Sistemi per Produrre nahmen mehr als 150 Gäste teil, darunter Unternehmer und Manager der Branche, Vertreter von Institutionen sowie Medienvertreter.
(Bild: ANASTASIO CARLO)
Das Jahr 2025 erwies sich für die italienischen Hersteller von Werkzeugmaschinen, Robotern und Automationssystemen als ein insgesamt schwaches Jahr. Die Produktion blieb gegenüber dem Vorjahr weitgehend unverändert. Ausschlaggebend für dieses enttäuschende Ergebnis war der deutliche Rückgang der Exporte. Positiver entwickelte sich hingegen das Inlandsgeschäft, das von einer Erholung der Nachfrage profitierte. Trotz zweistelliger Zuwachsraten lagen die Werte jedoch weiterhin deutlich unter dem Niveau der Jahre 2021 und 2022.
Dennoch bestätigte die italienische Industrie des Sektors erneut ihre führende Rolle auf internationaler Ebene, wo sie den fünften Platz in der weltweiten Rangliste für die Produktion und den Konsum und den vierten Platz in der Export-Rangliste belegt hat.
Für das Jahr 2026 wird ein diskreter Aufschwung erwartet, der vor allem auf eine Verbesserung der Performance auf dem Inlandsmarkt zurückzuführen sein dürfte – nicht zuletzt dank der Hyperabschreibung. Die Auslandstätigkeit bleibt dagegen weiterhin schwach.
Dieses Szenario wurde vom Präsidenten von UCIMU – Sistemi per Produrre, Riccardo Rosa, anlässlich der Mitgliederversammlung vorgestellt. An der Veranstaltung nahmen ausserdem Barbara Cimmino, Vizepräsidentin von Confindustria für Export und Investitionsförderung, sowie Paolo Magri, Vorsitzender des wissenschaftlichen Ausschusses von ISPI, teil. Moderiert und interviewt wurden die beiden von Rita Querzè, Journalistin der Tageszeitung Il Corriere della Sera.
Im Anschluss diskutierten die beiden jungen Unternehmer Luca Dadone und Elisa Stucchi über ihre Vorstellungen von Innovation und berichteten über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Augmented Reality in der Fertigungsindustrie.
Bilanz 2025
Laut den vom Centro Studi & Cultura di Impresa von UCIMU erarbeiteten Daten belief sich die italienische Produktion von Werkzeugmaschinen, Robotern und Automationssystemen im Jahr 2025 auf 6391 Millionen Euro, was einem Anstieg von einem Prozent gegenüber 2024 entspricht.
Der Export verzeichnete hingegen einen drastischen Rückgang von -12 Prozent auf 3760 Millionen Euro. Das Verhältnis von Export zu Produktion sank im Vergleich zu 67,5 Prozent im Jahr 2024 auf 58,8 Prozent.
Im Jahr 2025 waren die wichtigsten italienischen Absatzmärkte:
1. die Vereinigten Staaten (572 Millionen, -9 Prozent)
2. Deutschland (274 Millionen, -24,9 Prozent)
3. Frankreich (204 Millionen, +0,2 Prozent)
4. Polen (188 Millionen, +11,2 Prozent)
5. Türkei (168 Millionen, -11,5 Prozent)
6. Indien (164 Millionen, -11,6 Prozent)
7. Mexiko (158 Millionen, -10 Prozent)
8. Spanien (147 Millionen, -6,5 Prozent)
9. China (110 Millionen, -54,1 Prozent),
10. Brasilien (84 Millionen, +15,9 Prozent)
Nach zwei Jahren des Rückgangs stiegen die Lieferungen der italienischen Hersteller auf dem Inlandsmarkt wieder an und erreichten 2631 Millionen Euro, was einem Plus von 28,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Ausschlaggebend hierfür war der Aufschwung des inländischen Verbrauchs, der um 22,3 Prozent auf 4534 Millionen Euro anstieg.
Die Importe beliefen sich auf 1903 Millionen Euro, was einem Zuwachs von 15,1 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Der Anteil des inländischen Verbrauchs, der durch ausländische Anbieter gedeckt wurde, sank um drei Prozentpunkte auf 42 Prozent.
Die Auslastung der Produktionskapazität, ist mit einem jährlichen Durchschnitt von 77,3 Prozent im Jahr 2024 auf 76,5 Prozent leicht zurückgegangen. Ebenfalls leicht rückläufig war die Auftragslage, bei einer gesicherten Produktion von 6,3 Monaten, gegenüber den 6,5 Monaten im Vorjahr.
Der Branchenumsatz belief sich insgesamt auf 9330 Millionen Euro.
Prognosen für 2026
Den Prognosen des Centro Studi & Cultura di Impresa von UCIMU zufolge wird das Jahr 2026 einen leichten Aufschwung für die italienischen Hersteller von Werkzeugmaschinen, Robotern und Automationssystemen mit sich bringen. Sämtliche Indikatoren werden wieder in den positiven Bereich zurückkehren, auch wenn die Wachstumsraten weiterhin moderat ausfallen.
Die Produktion wird sich bei 6640 Millionen Euro (+3,9 Prozent) einpendeln. Der Export bleibt mit 3.785 Millionen Euro (+0,7 Prozent) nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Auch die Lieferungen der italienischen Hersteller auf dem Inlandsmarkt werden ihren positiven Trend fortsetzen und voraussichtlich um 8,5 Prozent auf 2855 Millionen Euro steigen. Getragen wird diese Entwicklung vom Inlandsverbrauch, der sich bei 4870 Millionen Euro (+7,4 Prozent) einpendeln wird. Auch der Import wird ein positives Zeichen setzen und sich auf 2015 Millionen (+5,9 Prozent) belaufen.
Stand vom 30.10.2020
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Riccardo Rosa, Präsident von UCIMU – Sistemi per Produrre, erklärte: «2025 war insgesamt ein enttäuschendes Jahr für die italienischen Werkzeugmaschinenhersteller. Ausschlaggebend war vor allem der starke Rückgang der Auslandsverkäufe. Aber auch das Inlandsgeschäft blieb trotz des Aufschwungs hinter den Erwartungen zurück – nicht zuletzt aufgrund des Durcheinanders rund um Transizione 5.0. Auf internationaler Ebene hat die geopolitische Instabilität die Geschäftstätigkeit unserer von UCIMU vertretenen Branche erheblich erschwert, da die Auslandsmärkte nach wie vor den wichtigsten Absatzkanal für unsere Produktion darstellen.»
Zölle
Riccardo Rosa weiter: «Die von der Trump-Regierung eingeführten Zölle hatten für unsere Branche insgesamt überschaubare Auswirkungen. Die Zahlen sprechen für sich: 2025», erklärte Riccardo Rosa, «gingen die Verkäufe in den Vereinigten Staaten um 9 Prozent zurück. Dennoch bleiben die Vereinigten Staaten mit grossem Abstand unser wichtigster Absatzmarkt. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen verfügen die Vereinigten Staaten nicht über eine ausreichende eigene Produktion, um den inländischen Bedarf zu decken, und sind daher auf hochentwickelte und stark kundenspezifische Technologien angewiesen. Zum anderen verzeichnet der Verteidigungssektor, der für das Land von strategischer Bedeutung ist und deshalb von den Zöllen ausgenommen wurde, derzeit eine besonders lebhafte Nachfrage. Diese drei Faktoren haben es den italienischen Herstellern ermöglicht – und ermöglichen es ihnen auch weiterhin – auf dem amerikanischen Markt tätig zu bleiben, der die Eigenschaften unseres Angebots seit jeher zu schätzen weiss.»
«Das bedeutet jedoch nicht», fügte der Präsident hinzu, «dass alle Schwierigkeiten beseitigt sind. Für jene Maschinentypen, die auch von amerikanischen Herstellern produziert werden, stellen die Zölle offensichtlich eine erhebliche Belastung dar und haben den Absatz der italienischer Branchenprodukte eingeschränkt. Doch damit nicht genug: Die Handelspolitik Trumps hat auch einige schwerwiegende indirekte Auswirkungen mit sich gebracht. Ein Beispiel dafür ist der Anstieg der Preise für bestimmte Rohstoffe, den andere Länder als Reaktion auf die Zölle vorgenommen haben. Dieser Kostenanstieg wirkt sich ebenfalls negativ auf unsere Geschäftstätigkeit aus.»
Europa und die Automobilindustrie
«Noch schwieriger war es hingegen, die Auswirkungen der Kriege sowie die Schwäche eines so bedeutenden Marktes wie Europa zu bewältigen. Im Zusammenhang mit den Kriegen ist für uns Hersteller das deutlichste Beispiel das Verschwinden Russlands von unserem Radar. Im Jahr 2013, vor der Annexion der Krim und den ersten Sanktionen, war Russland mit Exporten im Wert von 177 Millionen Euro unser viertwichtigster Absatzmarkt. 2022 waren es noch 99 Millionen Euro und damit der achtwichtigste Zielmarkt. Seit 2023 fällt Russland jedoch vollständig als Absatzmarkt aus – und vor allem haben wir dieses Marktsegment an chinesische Hersteller verloren. Wer weiss, ob es uns nach der Beilegung dieser Wunde im Herzen Europas gelingen wird zumindest einen Teil des verlorenen Terrains zurückzugewinnen.»
«Und wenn wir von Europa sprechen», erklärte Riccardo Rosa, «dann nähern wir uns gefährlich dem Risiko einer Deindustrialisierung. Die äusserst fragwürdigen Entscheidungen der EU-Institutionen zur Elektrifizierung des Automobilsektors zeigen zunehmend ihre konkreten Folgen. In einer Zeit, in der sich das Konzept von Transport bei den jüngeren Generationen grundlegend verändert hat und das Auto nicht länger als Statussymbol, sondern vor allem als Fortbewegungsmittel gilt, hat die dirigistische Politik der europäischen Entscheidungsträger asiatischen Anbietern faktisch den Weg geebnet, in Bereichen die Oberhand zu gewinnen, die traditionell von europäischer gewerblicher Industrie geprägt waren. Bevor diese Folgen unumkehrbar werden, appellieren wir an die politischen Entscheidungsträger in Europa, ihren Kurs zu überdenken. Der notwendige Wandel muss auf dem Grundsatz der Technologieneutralität beruhen. Nur so kann die Automobilindustrie gemeinsam mit ihrem weit verzweigten Zuliefernetzwerk den Transformationsprozess erfolgreich gestalten – mit dem Ziel, den Umweltschutz voranzubringen und zugleich, wo immer möglich, Arbeitsplätze in der Industrie zu sichern.»
Rosa weiter: «Abgesehen von der Automobilindustrie, mit der es eng verflochten ist, scheint Deutschland – der grosse Kranke Europas – allmählich Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Im ersten Quartal 2026 legte der vom deutschen Branchenverband ermittelte Auftragsindex für Werkzeugmaschinen um +15,1 Prozent zu und beendete damit eine drei Jahre andauernde Negativentwicklung. Das vom Bundeskanzler Merz angestossene Konjunkturprogramm sowie die Investitionen in die Verteidigung stärken das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Deutschland. Wir hoffen, dass sich dieser positive Trend bestätigt. Wenn die deutsche Lokomotive wieder Fahrt aufnimmt, sind wir als erster Waggon bereit, anzukoppeln, um auch weiterhin unseren Beitrag zur Produktionskette von ‹Made in Germany› zu leisten. Diese erstreckt sich über die ganze Welt und unsere Produktion ist weltweit verbreitet.»
Hormus-Krise
Zur Hormus-Krise sagt Rosa: «Solange die genauen Inhalte der Vereinbarung noch nicht feststehen und uns bewusst ist, dass es einige Zeit dauern wird, bis sich der Warenverkehr wieder normalisiert, bleiben die Auswirkungen auf unsere Tätigkeit derzeit managebar und wir sind zuversichtlich, dass die Entspannung der Lage im Nahen Osten unseren Unternehmen erhebliche Vorteile bringen wird. Aus Sicht des direkten Geschäfts entfallen rund 30 Prozent unserer Exporte nach Asien auf diese Region. Eine Rückkehr zur ‹Normalität› dürfte unserer Aktivität dort neuen Schwung verleihen, zumal insbesondere Technologien für die Metallumformung im Zuge der umfangreichen Infrastrukturprogramme gefragt sein werden. Auch indirekt sind positive Effekte zu erwarten: Mit der Wiederaufnahme des regulären Warenverkehrs dürften die in den vergangenen Monaten deutlich gestiegenen Beschaffungskosten schrittweise wieder sinken.»
Fördermassnahmen
«In einer so entscheidenden Phase wie der gegenwärtigen, die von einer deutlich schwächeren Auslandsnachfrage geprägt ist, gewinnt der Inlandsmarkt für unsere Unternehmen noch stärker an Bedeutung. Die im Rahmen des neuen Programms Transizione 5.0 verfügbare Massnahme der Hyperabschreibung ist heute voll operationsfähig und stellt ein wirksames Instrument zur Förderung der italienischen Nachfrage nach neuen Werkzeugmaschinen dar. Wir müssen feststellen, dass das Jahr 2026 ausgesprochen schwierig begonnen hat: Der Auftragseingang auf dem Inlandsmarkt lag im Zeitraum Januar bis März 2025 um 29 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig hatten wir jedoch den Eindruck, dass die Nachfrage lediglich aufgeschoben wurde. Bereits im ersten Monat nach dem tatsächlichen Inkrafttreten der Hyperabschreibung und der operativen Verfügbarkeit der GSE-Plattform konnten wir eine deutliche Veränderung im Verhalten unserer italienischen Kunden feststellen. Dies bestätigt, was wir schon seit Langem sagen: Die Nachfrage in Italien ist vorhanden, doch die Kunden warteten auf Klarheit, um ihre Bestellungen tatsächlich zu platzieren», erklärt Rosa.
«Die Fördermassnahme zeigt nun Wirkung. Bei dem Ende Juni vom Ministerium für Unternehmen und Made in Italy (MIMIT) einberufenen Branchengipfel der Maschinenbauindustrie wurde deutlich, dass rund 90 Prozent aller über die GSE-Plattform eingereichten Förderanträge auf Investitionen in Werkzeugmaschinen entfallen. Das ist ein ermutigendes Signal. Dem MIMIT ist zugutezuhalten, dass es – wenn auch mit Verspätung – eine praxisnahe und auf drei Jahre angelegte Fördermassnahme auf den Weg gebracht hat. Italienische Unternehmen verfügen damit endlich über ein industriepolitisches Instrument, das Herstellern sowie Investoren Planungssicherheit über einen mittelfristigen Zeitraum bietet. Nun besteht die Hoffnung, dass die Massnahme die Inlandsnachfrage wieder auf das hohe Niveau der Jahre 2021 und 2022 anheben wird und somit auch eine Modernisierung unserer Industrie gewährleisten wird, die kontinuierlich in Innovation investieren muss, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, wo Digitalisierung und Künstliche Intelligenz die Spielregeln der globalen Industrie grundlegend verändern.»