Dixi Polytool setzt auf Lean Manufacturing am Standort Le Locle

Unternehmerischer Innovationsmarathon

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Aus der Schneidkantenverrundung wird ein grosses Geheimnis gemacht. Ist sie tatsächlich so matchentscheidend oder ist das nur ein Ablenkungsmanöver, um nicht auf entscheidendere technologische Aspekte (Substrat, Beschichtung, Makrogeometrie) aufmerksam zu machen?

M. Schuler: Ich habe es in der vorherigen Frage angedeutet. Generell hängt ein gutes Werkzeug von vielen technologischen Faktoren ab. Aber auf Ihre Frage zurückzukommen: Nein, es ist kein Ablenkungsmanöver. Jedoch muss man nach unseren Erfahrungen genau differenzieren, wann Schneidkantenverrundungen wirklich etwas bringen. Unser F&E-Departement hat in den letzten Jahren auch negative Erfahrungen mit Schneidkantenverrundungen gemacht. Es kommt auf die Werkzeuge und auf die Anwendungsfälle an. Der Teufel steckt im Detail.

Sie wollen verstärkt in der deutschsprachigen Schweiz Fuss fassen. Wo sehen Sie konkret für Ihre Werkzeuge und Ihr Unternehmen Potentiale, die noch nicht ausgeschöpft sind?

M. Schuler: Die Deutschschweiz ist für die Zukunft ganz klar ein prioritärer Absatzmarkt. In der Westschweiz sind wir in unseren Marktsegmenten bereits Marktleader. In der Deutschschweiz bleibt für uns jedoch noch viel Spielraum nach oben. Kurzfristig sehen wir in der Medizintechnik zahlreiche Möglichkeiten und Wachstumspotenziale. Die PKD- und CVD-Produkte von unserer Tochtergesellschaft in Deutschland haben auch in der Schweiz einiges an zusätzlichem Potential.

Sie sind relativ stark beim Herstellen von Mikro-VHM-Werkzeugen. Können Sie die Unterschiede zu «normal grossen» Werkzeugen erläutern, wo aus Ihrer Sicht als Hersteller und aus der Sicht des Anwenders die Herausforderungen sind?

M. Schuler: Der Markt an Mikrowerkzeugen ist in der Westschweiz sehr homogen (Uhren, Décolletage, Mikromechanik und Medizintechnik). In der Deutschschweiz ist das Anforderungsprofil an Werkzeuge erheblich breiter. Für die Deutschschweiz sind sicherlich auch unser F&E und unsere Produktentwicklungs-Spezialisten gefordert. Das heisst konkret, wir müssen unser Werkzeugsortiment für die typischen Anwendungen in der Deutschschweiz erweitern.

Im Werkzeugbereich ist Kundenbetreuung ein bedeutendes Kriterium, wie gewährleisten Sie Kundennähe in der Deutschschweiz von Ihrem Hauptsitz aus?

M. Schuler: Kundenbetreuung ist, vor allem für Nischen-Hersteller wie Dixi Polytool, ein Kernelement des Erfolgs. Unsere Aussendienstmitarbeiter spielen darin eine zentrale Rolle durch ihre technische Fachkompetenz. Parallel dazu haben wir Anwendungstechniker sowie einen deutschsprachigen Kundendienst, die sehr eng miteinander vernetzt sind und kooperieren.

Müssen Sie sich als Werkzeughersteller zukünftig noch stärker internationalisieren, um weiterhin Wachstum zu generieren?

M. Schuler: In unserer Wachstumsstrategie ist der internationale Markt eine Kernaufgabe. Wir konzentrieren uns jedoch auf unsere eigenen Strukturen. Dies heisst, Ausbau der existierenden Tochtergesellschaften sowie zusätzliche Vertriebsstrukturen aufzubauen.

Sehen Sie neben reinem Vertrieb auch weitere internationale Produktions-standorte neben Deutschland als Option?

M. Schuler: Momentan plant Dixi Polytool keine neuen Produktionsstätten im Ausland. Es liegt uns am Herzen, den Schweizer Standort auszubauen und zu optimieren.

Wie sehen Sie die Zukunft als Schweizer Werkzeughersteller in Anbetracht der aktuellen Kostenstruktur am Standort Schweiz?

M. Schuler: Mit der im Vergleich zum Ausland hohen Kostenstruktur in der Schweiz steht bei uns der Ausbau der Automatisierung sowie Robotisierung im Fokus. Das ist für einen Serienhersteller von VHM-Werkzeugen relativ einfach zu bewerkstelligen. Da wir ein grosses Spektrum an Sonderwerkzeugen haben, ist die Prozessautomation doch aufwändiger. Wir arbeiten aktuell mit verschiedenen Partnern an einigen Projekten. Mit diesen Lösungen sind wir auch in Zukunft am Standort Schweiz wirtschaftlich.

Was sind für Sie als Werkzeughersteller die besonderen Stärken des Werkplatzes Schweiz?

M. Schuler: Der Werkplatz Schweiz verfügt über eine extrem anpassungsfähige und flexible Industrie, gerade in schwierigen Zeiten. Wir verfügen darüber hinaus über ein stabiles politisches Umfeld, auch wenn es sich in den letzten Jahren aufgrund populistischer Volksinitiativen stark verschlechtert hat. Die Stärken des Werkplatzes Schweiz sind seine enorme Konzentration an Knowhow auf engstem Raum. Wir verfügen über eine Top-Level-Ausbildung sowohl in der dualen beruflichen Ausbildung als auch in der akademischen Ausbildung. Beide Ausbildungsbereiche sind für den Werkplatz Schweiz von hoher Bedeutung. Darüber verfügen wir in der Schweiz über hervorragende Mitarbeiter mit hoher Motivation, die wissen, dass eine 35-Stunden-Woche das Aus für den Werkplatz Schweiz bedeuten würde. <<

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