Produktion von morgen Wandlungsfähige Fabrik

Autor / Redakteur: Percy Limacher, IE Group Zürich AG / Silvano Böni

Einst zeugten gigantische Backsteingebäude und rauchende Schlote von der Hochblüte des industriellen Zeitalters. Diese Zeiten und solche Fertigungsstätten sind aber passé. Die Fabrik von heute muss sich immer wieder neu erfinden, um ihre Produktivität zu steigern.

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Das Erkennungszeichen der modernen Fabrik ist nicht der rauchende Schlot, sondern eine durch die Funktion definierte Hightech-Ästhetik, die die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens an seine Märkte zum Ausdruck bringt.
Das Erkennungszeichen der modernen Fabrik ist nicht der rauchende Schlot, sondern eine durch die Funktion definierte Hightech-Ästhetik, die die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens an seine Märkte zum Ausdruck bringt.
(Bild: IE Engineering Group AG)

Früher war manches einfacher. Die Unternehmer der Gründergeneration des industriellen Zeitalters setzten Produktivität gleich mit Fliessbandproduktion. Für sie bedeutete Produktivität die Erzeugung von möglichst vielen und möglichst gleichartigen Produkten in möglichst kurzer Zeit. Der Ansatz war revolutionär und hatte auf sozialer Ebene eine mehrschichtige Dimension. Zum einen verbilligte die Fliessbandproduktion die Produkte und machte diese auch für untere soziale Schichten erschwinglich. Die Kehrseite war die Auswirkung auf die Arbeitsqualität: Die – notabene schlecht bezahlten – Arbeiter verrichteten an den Fliessbändern von früh bis spät und über Jahr und Tag die immer gleichen monotonen Handgriffe. Charlie Chaplins Modern Times lassen grüssen.

Einen ersten Höhepunkt erlebte die industrielle Fliessbandproduktion in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts in den Hallen der Ford Motor Company: Zwischen 1908 und 1928 rollten rund 15 Millionen Exemplare des legendären Modells T, liebevoll Tin Lizzy genannt, von den Fliessbändern. Während all dieser Jahre wurde das Grundkonzept dieses Automobils kaum verändert, und Ford bot nur wenige Varianten an.

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Abschied von der Massenproduktion

Im 21. Jahrhundert können die Unternehmer der produzierenden Industrie mit Standorten in den hoch entwickelten Ländern von jenen paradiesischen Zeiten nur träumen. Die Dauer der Vermarktungsfähigkeit eines Automobils ist mittlerweile auf sechs bis maximal acht Jahre gesunken. Dieser Trend hat auch viele andere Branchen erfasst. Das immer weiter zunehmende Bedürfnis nach Innovation in den Märkten und der permanente technologische Fortschritt zwingen Industrien mit hohem Wertschöpfungspotenzial dazu, sich immer wieder neu auszurichten. Sie sind getrieben von immer kürzeren Innovationszyklen und einer ständig wachsenden Nachfrage nach Individualisierung von Produkten und flankierenden Dienstleistungen, Letztere beispielsweise im logistischen Bereich. Das sind jedoch lediglich die Herausforderungen in wirtschaftlich guten Zeiten. Geht es mit der Gesamtwirtschaft bergab, können in kurzer Zeit ganze Absatzmärkte einbrechen, was Unternehmen mit einseitiger Ausrichtung – sprich Klumpenrisiko – existenzbedrohende Probleme bescheren kann. Je nach Branche liegt eine mögliche Überlebenschance in der Diversifikation. Doch das ist schneller gesagt als getan, wenn die Produktion auf starren Konzepten beruht, die bezüglich der Produktionsmittel, der Zuführsysteme und der räumlichen Gegebenheiten keine oder nur marginale Anpassungen zulassen.

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