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Der Unternehmer – Revolutionär von Berufs wegen
Der Ruf nach Flexibilität in der Produktion ist nicht neu. Vielmehr ist der Drang nach Veränderung ein charakteristisches Merkmal des Unternehmers oder Entrepreneurs schlechthin. Bereits zu Beginn des vorletzten Jahrhunderts definierte der französische Ökonom Jean-Baptiste Say die Rolle des Unternehmers mit der Aussage, dass die Funktion des Entrepreneurs darin liege, ökonomische Ressourcen aus dem Bereich der niedrigen in den Bereich höherer Produktivität zu verschieben und so einen grösseren Ertrag zu erwirtschaften. Say erkannte also bereits in der Geburtsstunde der industriellen Ära, dass die Veränderungsfähigkeit der ökonomischen Ressourcen ein Schlüsselfaktor zur Steigerung der Produktivität sein müsse.
Ein gutes Jahrhundert nach Say doppelte der deutsche Nationalökonom Joseph A. Schumpeter nach: Aufgabe des Entrepreneurs sei es, Produkte und Prozesse zu reformieren oder zu revolutionieren, sei es durch den Einsatz neuer Erfindungen, Herstellungsverfahren, Organisationsformen, Erschliessung neuer Märkte oder anderer die Ökonomie vorantreibenden Möglichkeiten. Schlägt man von den Theorien Says und Schumpeters die Brücke zur unternehmerischen Realität, zieht man ganz automatisch den Schluss, dass Veränderung oder gar Revolution nur in einem veränderbaren Produktionsumfeld möglich ist. Spätestens an den für die Ewigkeit gebauten Fabrikmauern, den fest zementierten Gebäudestrukturen und der Unverrückbarkeit der Raum- und Gebäudetechnik ist der unternehmerische Traum von Innovation durch Veränderung ausgeträumt.
Das Zauberwort heisst Wandlungsfähigkeit
Die Botschaft an die Planer von Gebäuden für die industrielle Produktion ist unmissverständlich: Ihre Aufgabe muss es sein, Fabrikkonzepte zu entwickeln, die Veränderungs- und Erneuerungsprozesse zulassen und der unternehmerischen Initiative den Weg bereiten. Wandlungsfähigkeit ist gefragt. Im Kontext mit Industriegebäuden definiert der deutsche Ingenieur und Logistikexperte Prof. H.-P. Wiendahl Wandlungsfähigkeit als taktische Fähigkeit einer Fabrik, sich auf allen Strukturebenen auf eine andere Produktfamilie reaktiv oder produktiv umzustellen und die Produktionskapazitäten zu verändern. Diese Anforderung setzt voraus, dass das Gebäudekonzept auf allen Strukturebenen strukturelle Eingriffe zulässt, und zwar in die Produktions- und Logistiksysteme, in die Gebäudestrukturen und deren Einrichtungen sowie in die Aufbau- und Ablauforganisation. Strukturelle Eingriffe berühren den Nerv des Unternehmens. Sie betreffen die Position im lokalen Wirtschaftsraum, also den Standort, die Anordnung der Werksgebäude, der Betriebsbereiche und der Produktionseinheiten sowie die Betriebsmittelstruktur, das heisst die Aufstellung der Maschinen.
Die fünf Schlüsselfaktoren Wiendahls
- Mobilität
Nur durch Gewährleistung der Beweglichkeit bestimmter Elemente der Gebäudetechnik und -einbauten kann die Fabrik unter Wiederverwendung dieser Elemente grundlegend umgestaltet werden. Ansatzpunkte sind beispielsweise Verschraubung statt Verschweissen, die Ablösbarkeit von Fassadenelementen oder flexible Raumabgrenzungen.
- Modularität
Modular konzipierte Elemente der Gebäudetechnik erlauben es, Gebäudestrukturen und deren Einbauten ohne grossen Aufwand zu rekonfigurieren und auf veränderte Anforderungen auszurichten. Voraussetzung für die Modularisierung von Raum und Gebäudetechnik ist die systematische Trennung der Primärstruktur mit Tragwerk und Hülle von der Sekundärstruktur, die den Ausbau umfasst.
- Skalierbarkeit
Strategische Raumreserven, Etappierbarkeit und Erweiterbarkeit unterstützen die Atmungsfähigkeit der Fabrik, die sich möglichst kurzfristig auf neue Marktentwicklungen einstellen will.
- Kompatibilität
Eine hohe Kompatibilität der gebäudetechnischen und räumlichen Elemente schafft Spielraum für die Gestaltung der Layouts von Produktions- und Logistikprozessen. Die wichtigsten Kriterien sind Stützenfreiheit, hoch liegende Medienversorgung und der Nutzungsgrad der Bodenbeläge.
- Universalität
Funktions- und Nutzungsneutralität sind die Schlüssel für den langfristigen Schutz der Investition. Sie halten für die Zukunft alle Optionen offen. Zum Beispiel die konsequente Umsetzung eines Zonenkonzeptes. Zentrale Voraussetzungen sind durchgängige Nutzlasten, die aussen am Gebäude liegenden Vertikalerschliessungen und eine redundante Erschliessung des Areals.
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