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Wie Messen die Produktivität erhöhen kann

Redakteur: Anne Richter

>> Am 12. März 2013 wird in Winterthur das 5. Swissmem-Seminar Dimensionelle Messtechnik zum Thema «Prozessoptimierung durch Messen» stattfinden. SMM sprach mit Roland Körnli, dem Präsidenten der Swissmem-Fachgruppe «Dimensionelle Messtechnik» und Mitorganisator des Seminars.

(Bild: Marposs)

SMM: Was erwartet die Teilnehmer am diesjährigen Swissmem-Seminar «Dimensionelle Messtechnik»?

Roland Körnli: Wir in der Swissmem-Fachgruppe organisierten Hersteller dimensioneller Messmittel wollen mit dem Seminar alle zwei Jahre den aktuellen Stand der Technik vorstellen und versuchen, Trends, Entwicklungsrichtungen und aktuelle Themen der dimensionellen Messtechnik in den Plenumsvorträgen darzustellen. Doch das ist nur ein Teil. Zusätzlich wird eine Tischausstellung vor Ort stattfinden und die gesamte Veranstaltung ist so organisiert, dass genügend Zeit und Raum für weiterführende Gespräche und Erfahrungsaustausch bleibt. So wird beispielsweise die Mittagspause im selben Raum wie die Tischausstellung stattfinden, so dass es jederzeit genügend Anknüpfungspunkte zum Thema gibt und die Veranstaltung einen stringenten Ablauf hat.

Das Thema des Seminars ist die «Prozessoptimierung durch Messen». Was ist darunter zu verstehen?

R. Körnli: Jedes Messtechnik-Seminar veranstalten wir unter einem bestimmten Motto. Die Prozessoptimierung durch Messen fängt mit einer prozesssicheren Fertigung an. Die Maschine muss beste Voraussetzungen als Basis für Prozesssicherheit mitbringen. Dazu haben wir die entsprechenden Vorträge und fangen mit dem Vortrag über den Temperatureinfluss auf Werkzeugmaschinen an und kommen dann zur Geometrieprüfung von Werkzeugmaschinen. Danach erst werden die Themen zum eigentlichen Messen in der Produktion abgehandelt. Die Vorträge sind dazu gedacht, den Teilnehmern je nach Hintergrund verschiedene Anregungen zu geben, wie sie ihre Prozesse optimieren können.

Wie kann durch Messen ein Prozess optimiert werden? Wie sieht das konkret aus?

R. Körnli: Je früher in den Fertigungsprozess eingegriffen wird, desto weniger muss hinterher korrigiert werden. Wenn also direkt während der Fertigung oder direkt im Anschluss daran gemessen wird, kann sofort reagiert werden, wenn der Prozess sich verändert. Beispielsweise kann es vorkommen, dass eine gewisse Zeit nach Maschinenstart – wenn die Maschine warmgelaufen ist – bestimmte Masse gegen die Toleranzen laufen. Dann werden vom Messgerät Signale gesendet, so dass die Temperatureinflüsse automatisch korrigiert werden. Dieser geschlossene Regelkreis bezieht sich auf die Serienfertigung, bei Einzel- und Kleinserienfertigung müssen die Korrekturen von entsprechend gut ausgebildeten Mitarbeitern durchgeführt werden.

Lange Zeit wurden Messaufgaben als unproduktiv angesehen. Das hat sich geändert. Woher kommt das neue Denken?

R. Körnli: Nach wie vor ist es so, dass nicht zerspant werden kann, wenn gemessen wird. Doch die Anforderungen an die Genauigkeit sind immer höher und die Toleranzen immer enger geworden. Um möglichst keinen Ausschuss zu produzieren, d. h. um den produzierten Mehrwert nicht zu zerstören, ist es deshalb heute gar nicht mehr anders möglich, als möglichst produktionsnah zu messen.

Welche Rolle spielen dabei stark regulierte Branchen wie Medizintechnik oder auch Luft- und Raumfahrt?

R. Körnli: In der Tat sind nicht nur das Qualitätsbewusstsein und damit die Anforderungen an die Qualitätssicherung enorm gestiegen, sondern in bestimmten Branchen auch die Anforderungen zur Dokumentation und Rückverfolgbarkeit. In diesen Branchen ist eine Dokumentation zwingend, die wiederum nur mit modernen, computerunterstützten Messmitteln funktioniert.

Was sind die Herausforderungen in der dimensionellen Messtechnik von rein technischer Seite gesehen?

R. Körnli: Aus meiner Sicht haben sich da drei Themen herauskristallisiert. Zum einen ist das die Flexibilität. Die Bearbeitungsmaschinen sind extrem flexibel geworden – von der Einzelteilefertigung bis zu grösseren Serien kann inzwischen alles auf einer Maschine sehr produktiv hergestellt werden. Das Messgerät, das anschliessend misst, ist aber oft noch nicht besonders flexibel. Hier besteht ein grosser Bedarf nach Verbesserung. Ein anderes Thema ist die Schnelligkeit. So sind Koordinatenmessgeräte zwar flexibel, aber oft nicht schnell genug. Und natürlich spielen Genauigkeit und Präzision eine grosse Rolle. Es werden immer höhere Genauigkeiten und engere Toleranzen gefordert, die natürlich entsprechend gemessen werden müssen. Als Faustregel gilt, dass das Messmittel zehnmal genauer messen muss, als die angegebene Toleranz ist. Bei immer engeren Toleranzen kommen die Messmittel dann schnell an ihre Grenzen.

Welche Rolle wird das Messen in Zukunft innerhalb des Produktionsprozesses einnehmen?

R. Körnli: Ich denke, dass sich der Trend der letzten Jahre fortsetzt und das Messen immer mehr ein integrierter Faktor in der Wertschöpfungskette sein wird. Ohne das Messen werden geforderte Toleranzen nicht zu erreichen sein. Ausserdem ist festzustellen, dass Entwicklungen und Forschungsarbeiten der Bildungsinstitute verstärkt in den Betrieben eingesetzt werden, da viel praxisbezogener geforscht wird als noch vor Jahren. Insgesamt werden Entwicklungen viel schneller in der Praxis eingesetzt und die Innovationszyklen immer kürzer. <<

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