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Politik muss adäquat handeln
Auch Josef Lang, Historiker, Politiker und bis 2011 grüner Nationalrat, sieht Arbeitsplätze auf dem Werkplatz in Gefahr, primär in der Produktion, weniger in Entwicklung und Engineering. Auch er macht den hohen Frankenkurs und die Lohnkosten dafür verantwortlich, dass immer mehr Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden und Schweizer Unternehmen Arbeitsplätze praktisch nur noch im Ausland schaffen. Doch Lang hat eine Antwort auf die Herausforderung parat, die sich damit stellt. Er setzt auf die ökologische und klimapolitische Ausrichtung der Schweiz und glaubt, den Werkplatz so stärken zu können. Als Hebel sieht er die Cleantech-Initiative der SP, die bis 2030 136 000 bis 176 000 Arbeitsplätze schaffen soll. Er unterstützt auch die Volksinitiative «Nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft», welche den Schweizer Ressourcenverbrauch bis 2050 vom heutigen ökologischen Fussabdruck 3 auf einen solchen von 1 senken werde. Die Wirkung dieses Programms zugunsten des Werkplatzes Schweiz sei noch umfassender als die der Gebäude- und Haustechnik für die Industrie. Und er schwört auf die motivierende Wirkung der ökologischen Ausrichtung auf Lehrlinge und Berufsschüler. Dabei ist er sich durchaus bewusst, dass diese Programme ein adäquates Handeln des Staates bedingen – das er in der Vergangenheit eher vermisst habe – und dass über Steuern (mit)finanziert werden muss, was wiederum zu höheren Abgaben für Unternehmen und Bürger führen würde. Die Konsequenz sei o.k. Doch Josef Lang widerspricht der Befürchtung, dass sich höhere Steuern restriktiv auf den Werkplatz auswirken werden. Wirtschaftlich so erfolgreiche Länder wie Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden seien Hochsteuerländer im Vergleich zur Schweiz. Und all diesen Ländern gehe es gut.
Topprodukte können noch bleiben
Aus einem dritten Blickwinkel, dem eines erfolgreichen und konkret betroffenen Maschinenbauers und Unternehmers, analysierte Christof Stürm, CEO der Steinemann Technology AG, die Lage. Die Hauptprobleme des Werkplatzes Schweiz seien klar: die Preisinsel mit ihren hohen Kosten – nicht nur für die Konsumenten – und ihre hohen Löhne. Beides würde die Wettbewerbsfähigkeit im Export dramatisch erschweren. Hier wurde Stürm konkret: Würde die verarbeitende Industrie der Schweiz mit Lohnkosten von 41 Fr./Std. kalkulieren, lägen die Ansätze in Deutschland bei umgerechnet 34 Fr. und in Italien noch bei 26 Fr. Die Löhne ihrer Ostschweizer Mitarbeiter würden für das nächste Jahr mit total 103 000 Fr. zu Buche schlagen, während die Konkurrenz in Norditalien mit 52 000 Fr., also exakt der Hälfte, rechne. Diese Differenz mit einer höheren Produktivität, auf die immer vierwiesen werde, aufzufangen, sei extrem schwierig bis unmöglich. Deshalb hat Stürm schon 2005 einen Teil des Betriebs nach Shanghai ausgelagert, um dort Standardmaschinen für die boomenden Märkte zu produzieren. In der Schweiz werden seither nur noch Topmodelle hergestellt – und noch immer zu 100 % exportiert. Dies allerdings mit Margen, die den Namen kaum mehr verdienten. Der Ostschweizer Unternehmer deckt damit ein typisches Werkplatz-Dilemma auf: Produktivitätsgewinne seien der Lösungsansatz für das Kosten- und Währungsproblem. Doch sie könnten nur mit guten und gut bezahlten Mitarbeitenden erzielt werden, was die Kosten weiter steigert. Einen kurzfristigen Ausweg aus der Situation erkennt er – wie die anderen Referenten – nicht.
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