Blick in die Zukunft Wie sieht der Werkplatz Schweiz 2025 aus?

>> Der harte Frankenkurs sowie die schlechte ökonomische Verfassung vieler Staaten setzen dem Werkplatz Schweiz zu. Wie wird die Schweizer Industrie auf diese Heraus-forderung reagieren? Was muss getan werden, damit der Werkplatz Schweiz 2025 noch die heutige Rolle in der Volkswirtschaft spielt? Antworten auf diese und weitereFragen wurden an den vom Beirat der Inova Management veranstalteten Cross Views 2012 diskutiert und gesucht.

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Dr. Beat Kappeler verwies in seinem Referat auf die Stärken der Schweiz und betonte, dass diese viele Fehler unterlassen habe, die andere Nationen gemacht haben.
Dr. Beat Kappeler verwies in seinem Referat auf die Stärken der Schweiz und betonte, dass diese viele Fehler unterlassen habe, die andere Nationen gemacht haben.
(Bilder. Inova)

338 000 Beschäftigte zählte die Maschinen-, Elektro- und Metall- (kurz MEM-)Industrie Mitte 2012. Fünf Jahre zuvor waren es 318 500 oder 20 000 weniger. Steht also alles zum Besten? Nicht ganz. Der aktuelle Frankenkurs sowie die weltweit grassierende Wettbewerbs-, Banken- und Staatsschuldenkrisen machen nun auch dieser Branche und damit dem Werkplatz Schweiz erheblich zu schaffen. Lange vermochte sich die exportorientierte Industrie – unterstützt von der Schweizerischen Nationalbank SNB – gut über Wasser zu halten. Eine steigende Zahl von Entlassungen und publik gemachte Unternehmensprobleme machen nun deutlich, dass sich die Lage verschärft. Wie wird der Werkplatz Schweiz auf diese Herausforderung reagieren? Was muss getan werden, damit er 2025 noch die heutige Rolle in unserer Volkswirtschaft spielt? Antworten auf diese und weitere Fragen wurden an den vom Beirat der Inova Management veranstalteten Cross Views 2012 diskutiert und gesucht.

SNB kauft Zeit fürProduktivitätsverbesserungen

Boris Zürcher, Direktor und Chefökonom der BAK Basel Economics AG, analysierte den Werkplatz aus einer makroökonomischen Warte und stellte die Frage, ob die Schweiz an der «Holländischen Krankheit» leidet. (Anm. d. Red.: Als Holländische Krankheit [Dutch disease] bezeichnet man heute ein aussenwirtschaftliches Paradoxon, gemäss dem es in erfolgreich exportierenden und somit eigentlich prosperierenden Volkswirtschaften über Wechselkursentwicklungen zu einem ökonomischen Niedergang kommen kann.) Dieses Phänomen ist auch in anderen Ländern zu beobachten, wenn es unter dem Druck boomender Branchen – in der Schweiz primär der Finanzindustrie – zu einer Faktorumverteilung und Desindustrialisierung kommt. Gefährlich für die Volkswirtschaft werde die «Dutch Disease» vor allem dann, wenn die Volkswirtschaft ihre Fähigkeit zum Wandel einbüssen würde, denn diese sei die Voraussetzung für Wachstum. Hier aber stehe die Schweiz im internationalen Vergleich sehr gut da: Schliesslich sei die Wertschöpfung der Industrie pro Kopf der Bevölkerung in der Schweiz im internationalen Vergleich mit Abstand am höchsten.

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Mittel- bis längerfristig geht Zürcher dennoch von einem wachsenden tertiären und schrumpfenden sekundären Sektor aus. Hauptrisiko für die Exportindustrie sei zurzeit der Wechselkurs. Mit dem Anbinden an den Euro kaufe die SNB einfach Zeit, die von der Industrie genutzt werden müsse, ihre Produktivität zu steigern. Wer das nicht täte oder könne, werde bestraft. Wann der Franken wieder freigegeben werde, wisse niemand. Doch wenn es dazu käme, müsse mit einer Aufwertung auf Paritätsniveau zum Euro gerechnet werden. Anzeichen dafür, dass sich der Frankenkurs in absehbarer Zeit von sich aus abschwächt, sieht der Ökonom nicht.

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