Blick in die Zukunft

Wie sieht der Werkplatz Schweiz 2025 aus?

Seite: 3/4

Anbieter zum Thema

Nicht gemachte Fehler als Stärke erleben

Dass auch gesellschaftliche Aspekte die Zukunft des Werkplatzes Schweiz beeinflussen, zeigte der Ökonom und Autor Beat Kappeler. Er unterschied vier Kategorien. Erst einmal seien es die Fehler anderer Länder, die die Schweiz nicht nachgemacht hätte. Die Liste der Beispiele war lang und reichte von der Verkürzung der Wochenarbeitszeiten, der Reglementierung der Arbeitsmärkte mitsamt ihren Konsequenzen in Gestalt hoch defizitärer Sozialversicherungen, bis zum unbändigen Glauben an einen «vulgären» Keynesianismus und der unglaublichen Schulden auf allen öffentlich-rechtlichen Ebenen. Selbstverständlich stand die Einführung des Euro – gegen die explizite Warnung von über 150 Ökonomen – auch auf der Liste. Inzwischen sorgten Länder wie Japan, die USA und Grossbritannien im Gleichschritt mit der EZB für ein massives Inflationspotenzial, indem sie unsägliche Mengen von Geld schöpften. Und was vor wenigen Jahren noch für jeden Ökonomen der absolute Horror gewesen sei, das Ankaufen von Staatsanleihen durch die Zentralbank, weil damit das Vertrauen in die eigene Währung massiv geschädigt würde, gehöre heute fast schon zum Tagesgeschäft.

Einen spezifischen Vorteil erkannte Kappeler in der der Schweiz eigenen «Feedback-Gesellschaft». Es seien zahlreiche Rückkoppelungseffekte in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, die uns stark machten, zudem hohe Recyclingquoten bei Glas, Papier, Aluminium, Elektroschrott und vielen anderen Dingen. Für Kappeler ist dies der Beweis für das Verantwortungsbewusstsein der Bürger. Schliesslich hätte die Schweiz die direkte Demokratie, deren Entscheidungsprozedere den Vorteil aufweise, dass umstrittene Fragen vor der Abstimmung bereinigt und kompromissfähig gemacht würden. Zusammenfassend stellt er fest, dass die «Collective Intentionality» und die «Feedback-Intensität» die Vitalität der Gesellschaft und ihre Problemlösungsfähigkeit stärkten, weil sich der Einzelne ins Kollektiv einfüge, auch wenn er nicht konkret davon profitiere. Das Resultat, das gemeinsam erzielt werde, überzeuge ihn einfach: Das Engagement ist die Mühe wert.

(ID:36796460)