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Kleinheit als Vorteil
Eine weitere bekannte, aber wichtige Stärke der Schweiz sei ihr kleines Territorium, das sie häufig zwinge, mit dem Ausland zu kommunizieren oder Geschäfte zu tätigen. Dazu müssten sich die Schweizer in andere Mentalitäten und Rechtssysteme reindenken, womit sie sich Kenntnisse verschafften, die in grossen Ländern nicht im gleichen Masse vorhanden seien. Auch die Offenheit gegenüber Fremdsprachen und fremden Kulturen sei eine Konsequenz dieser Kleinheit.
Schon diese Argumente lassen erahnen, dass Kleinheit keine absolute Grösse ist. Das lässt sich auch anhand der Arbeitsmarkteffizienz darlegen: Mit 8 Mio. Einwohnern gehört die Schweiz zu den kleinen Ländern der Welt. Doch zusammen mit Irland verfügt sie über die höchste Erwerbsquote: 82,5 % aller Einwohner zwischen 16 und 64 Jahren sind in den Arbeitsprozess integriert. Die Folgen liessen sich sehen, kommentierte Kappeler: Wenn 82,5 % der Bevölkerung arbeiteten, rechnet er vor, müssten 4 bis 5 Erwerbstätige eine inaktive Person mitziehen. Wenn – wie in Frankreich – nur 63 % Lohn bezögen, müssten zwei diese Rolle übernehmen, mit entsprechenden Folgen für die Sozialversicherungen. Wenn die Schweizer im Durchschnitt 1000 Stunden pro Jahr arbeiteten, die Franzosen nur 538, dann würde das die Wirtschaftskraft der beiden Länder nochmals in ein neues Licht rücken. Zum Vergleich: Frankreich zähle zwar 65 Mio. Einwohner, also 8-mal mehr als die Schweiz. Rechne man die höhere Jahresarbeitszeit pro Kopf mit ein, sei die Schweiz indes nur viermal kleiner als die Grande Nation. Berücksichtige man alle weiteren Werte, zeige sich, dass die Schweizer Volkswirtschaft etwa ein Drittel der französischen ausmache und nicht ein Achtel.
Den Gefahren trotzen – ob das gelingt?
Die abschliessende Diskussion zeigte, dass die Voraussetzungen des Werkplatzes zwar durchwegs gut, teilweise wohl zu gut sind. Inmitten von Sündern kommt auch der Tugendhafte nicht ungestraft davon. Das härteste Handicap, mit der die Schweiz bis auf weiteres fertig werden müsse, sei der starke Franken. Ein zusätzliches Risiko bestehe immerhin darin, dass verfehlte Regelungen des Auslands im Inland nachgeholt werden. Erste Anzeichen für eine zusätzliche Reglementierung des Arbeitsmarktes seien schon gesichtet. So wurden die EU-Richtlinien gegen Temporärarbeit übernommen, und es gebe Bestrebungen, den Kündigungsschutz zu verstärken und nationale Mindestlöhne einzuführen. Hier sei ebenso Wachsamkeit gefordert wie in vielen weiteren Fragen. Der Strukturwandel und der Trend zur tertiären Gesellschaft könne jedenfalls nicht aufgehalten werden. Die Zukunft des Werkplatzes wird uns weiter beschäftigen. <<
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