«Micro5 XL» von Chiron Automatisiertes Präzisionsbiest

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Die Chiron Group zeigt, wie sich mit abgestimmten Gesamtsystemen aus Bearbeitungszentrum und innovativer Automation mehr Produktivität, Flexibilität und Autonomie in der Mikrobearbeitung realisieren lassen.

Automatisierte Effizienz: Die «Micro 5 XL» beim reibungslosen Wechsel von Fertig- und Rohteil im Arbeitsraum.(Bild:  Chiron)
Automatisierte Effizienz: Die «Micro 5 XL» beim reibungslosen Wechsel von Fertig- und Rohteil im Arbeitsraum.
(Bild: Chiron)

Beim Open House 2026 vom 21. bis 23. April in Tuttlingen zeigte das «Precision Beast» – wie die Mikrobearbeitungsplattform «Micro5 XL» in einer aktuellen Kampagne bezeichnet wird – seine Stärken in der 5-Achs-Simultan-HSC-Bearbeitung. Am Showcase einer «Bone Watch» mit Elementen aus Präzisions- und Medizintechnik wurde klar: Präzision braucht keine Masse, sondern ein Maschinenkonzept, das Dynamik, Stabilität und Effizienz perfekt verbindet.

Für die «Micro5 XL» präsentierte die Chiron Group drei neue Automationsvarianten:

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  • Die «Variocell Pick&Place» übernimmt das Handling der Roh- und Fertigteile. Das Linearsystem mit Doppelgreifer handhabt prozesssicher Werkstücke bis 2,5 kg bei einem maximalen Störkreis von 145 mm. Der Palettenspeicher ist für effizientes Rüsten als Wagen ausgeführt und nimmt – je nach Bauteilhöhe – bis zu 24 Grundpaletten im Format 400 x 300 mm auf.
  • Die «Variocell Pallet» schleust vorab gerüstete Nullpunktpaletten inklusive Vorrichtungen und Werkstücken automatisiert in die Maschine ein und aus. Die Paletten werden über ein Nullpunktspannsystem in der C-Achse aufgenommen und sind per RFID eindeutig identifizierbar. Der integrierte Speicher fasst bis zu 16 Paletten mit einem maximalen Werkstückkubus von ca. 120 mm.
  • Die «Variocell Uno» erweitert die automatisierte Bearbeitung um zusätzliche Freiheitsgrade. Ein 6-Achs-Roboter übernimmt das Handling von Roh- und Fertigteilen sowie weitere Prozessschritte – etwa Wenden, Beschriften oder Messen. Mit Doppelgreifer lassen sich Werkstücke bis 1,5 kg handhaben, mit Einfachgreifer bis 2,5 kg.

Alle drei Automationsvarianten bieten auf sehr kompaktem Footprint eine hohe Speicherkapazität und sind als integrierte Einheit mit der «Micro5 XL» direkt einsatzbereit.

Vollständig autonome Mehrchargenproduktion

In einer sich rasch wandelnden Industrielandschaft sind Produktivität und Flexibilität entscheidende Wettbewerbsfaktoren. Da die Losgrössen in der Produktion immer weiter sinken, während die Teilevielfalt zunimmt, stehen Hersteller unter wachsendem Druck, sich schnell anzupassen, ohne dabei an Effizienz einzubüssen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat die Chiron Group eine weitere Funktion für die «Micro5» entwickelt und auf der SIAMS 2026 vorgestellt: den vollständig autonomen Chargenwechsel.

Bislang ermöglichten Automatisierungslösungen wie Roboter-Beladesysteme den Herstellern, die Spindelbetriebszeit zu maximieren, indem die Produktion nachts und am Wochenende ohne Bedienpersonal lief. Sobald jedoch eine Produktionscharge fertiggestellt war, wurde der Betrieb in der Regel unterbrochen, bis das Personal zurückkehrte, um den nächsten Auftrag manuell vorzubereiten – was zu kostspieligen Ausfallzeiten führte.

Mit der neuesten Entwicklung geht die «Micro5» in Sachen Maschinenauslastung einen entscheidenden Schritt weiter. Die Maschine ist nun in der Lage, sowohl ihre Spannsysteme (Vorrichtungen) als auch ihre Robotergreifer autonom zu wechseln. Dadurch ist ein vollständiger Übergang von einer Produktions­charge zur nächsten ohne menschliches Eingreifen möglich.

Mithilfe einer intelligenten Softwaresteuerung erkennt das System, wann der aktuelle Produktionsauftrag abgeschlossen ist, und gibt sowohl der Maschine als auch ihrer Automatisierungsumgebung automatisch das Signal, sich auf den nächsten Auftrag vorzubereiten. Dadurch werden die traditionellen SMED-Prinzipien (Single-Minute Exchange of Die) in einen vollständig autonomen Prozess umgewandelt. Dylan Maret, Direktor von Chiron Swiss, bringt es wie folgt auf den Punkt: «Productivity no longer stops when operators leave the shop floor.»

Interview mit Dr. Claus Eppler, CTO der Chiron Group

Während des Presserundgangs am Open House 2026 gewährte Dr. Claus Eppler, CTO der Chiron Group, unter anderem einen Einblick in die 5-Achs-Technologie des Unternehmens.(Bild:  Nastassja Neumaier)
Während des Presserundgangs am Open House 2026 gewährte Dr. Claus Eppler, CTO der Chiron Group, unter anderem einen Einblick in die 5-Achs-Technologie des Unternehmens.
(Bild: Nastassja Neumaier)

Dr. Claus Eppler, wie ist die aktuelle wirtschaftliche Lage der Chiron Group?

Dr. Claus Eppler: Das Marktumfeld ist herausfordernd – geprägt von Investitionszurückhaltung, geopolitischen Unsicherheiten und Kostendruck. Viele Kunden agieren aktuell vorsichtig, gleichzeitig besteht eine klare Nachfrage nach effizienten, flexiblen und präzisen Fertigungslösungen. Wir sehen, dass unsere strategische Ausrichtung greift und sich neue Chancen in verschiedenen Märkten ergeben. Quartal 1 in 2026 hat sich leicht überplanmässig entwickelt.

Wie stark trifft Sie die Schwäche im Automotive-Bereich? Und wie stellt sich die Chiron Group angesichts des aktuellen Marktumfelds auf?

Der Automotive-Bereich bleibt relevant, wird aber nicht mehr zu alter Stärke zurückfinden. Deshalb haben wir uns frühzeitig breiter aufgestellt und bauen gezielt andere Branchen aus – etwa Medical, Aerospace und Precision Engineering. Diese Diversifikation macht sich bezahlt.

Wir fokussieren uns klar auf drei Bereiche – oder Säulen: Erstens das Grossseriengeschäft – mit Stückzahlen im hohen Volumenbereich und hochproduktiver Bearbeitung, etwa mit unseren den Doppelspindlern sowie schnellen «FZ»-Maschinen. Hier sichern wir unsere starke Position und entwickeln profitable Anwendungen gezielt weiter.

Zweitens Small Precision Parts als zentraler Wachstumstreiber. In diesem Bereich verbinden wir höchste Präzision mit skalierbaren Lösungen und adressieren Märkte wie Medical, Optik oder Elektronik, die stark wachsen und hohe Anforderungen stellen.

Und drittens kleine und mittlere Serien. Hier bedienen wir gezielt den steigenden Bedarf an flexibler Produktion, zum Beispiel mit unseren Baureihen «16FX», «19FX», «MILL» und der «MT 715».

Diese drei Säulen tragen unsere strategische Ausrichtung. Verbindendes Element und integraler Bestandteil unseres Leistungsversprechens ist der Chiron Group Service.

Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer klaren strategischen Ausrichtung sehr gut positioniert sind. Unser Fokus auf profitable Geschäftsfelder, 5-Achs-Technologie und wachstumsstarke Märkte schafft eine solide Basis für nachhaltiges Wachstum.

Welche Märkte sind für Ihr Wachstum besonders wichtig?

Wir sehen grosses Potenzial in Märkten wie Medical, Aerospace, Defense und Precision Engineering. Diese Branchen bieten langfristige Perspektiven und passen sehr gut zu unserer technologischen Ausrichtung.

Welche Rolle spielt die neue «Micro5 XL» im Bereich Small Precision Parts – und wie wird das Mikrobearbeitungszentrum im Markt angenommen?

Die «Micro5 XL» ist ein zentraler Baustein im Bereich Small Precision Parts. Die Maschinen aus der Testphase sind erfolgreich bei Kunden im Einsatz, und seit Anfang des Jahres ist die «Micro5 XL» Teil unseres Serienprogramms. Mit dem Mikrobearbeitungszentrum haben wir das bewährte Konzept der «Micro5» konsequent weiterentwickelt und für ein grösseres Teilespektrum erweitert – bei gleichzeitig sehr kompakter Bauweise. Damit adressieren wir gezielt die steigende Nachfrage nach hochpräziser Bearbeitung kleiner und komplexer Bauteile, zum Beispiel in der Medizin- oder Präzisionstechnik. Die Resonanz aus den Zielmärkten ist durchweg positiv und bestätigt unseren Ansatz.

Die Positionen im Top-Management waren zuletzt im Wandel oder nur auf Zeit besetzt. Wie bewerten Sie die Rolle von Martin Engels als CSO ad interim und warum haben Sie sich für Roman Gaida als neuen CEO entschieden?

Mit Martin Engels haben wir einen sehr erfahrenen Chief Sales Officer, der unsere Vertriebs- und Marketingaktivitäten in den vergangenen Monaten massgeblich und erfolgreich geprägt hat. Er hat wichtige Impulse für die strategische Weiterentwicklung gesetzt, unsere Kundennähe weiter gestärkt und dazu beigetragen, Wachstums- und Marktpotenziale gezielt zu erschliessen.

Sein Interimsmandat endet zum 30. Juni 2026 und wir danken ihm bereits heute für seinen wertvollen Beitrag in dieser Phase der strategischen Weiterentwicklung der Chiron Group.

Roman Gaida vereint strategische Stärke, internationale Erfahrung und operative Klarheit. Er bringt umfangreiche internationale Erfahrung in Technik, Vertrieb und General Management mit und hat in seiner bisherigen Laufbahn erfolgreich Organisationen weiterentwickelt und Wachstum in anspruchsvollen Märkten gestaltet. Er wird wichtige Impulse für die strategische Ausrichtung der Chiron Group und die internationale Marktbearbeitung setzen.

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