Vischer & Bolli: Prozesse ganzheitlich optimieren Digitale Transformation stärkt Werkplatz Schweiz

Redakteur: Konrad Mücke

Mit strategischen Massnahmen erschliesst sich die Vischer & Bolli AG zusätzliche Potenziale, um sich vermehrt mit intensiver Beratung und Prozessoptimierungen zu beschäftigen. Wir haben mit Fabian Wettstein, Mitglied der Geschäftsleitung bei Vischer & Bolli, über die Ziele und das Feedback der Kunden gesprochen.

Firmen zum Thema

Fabian Wettstein ­präsentiert das 
Konzept, Fertigungsunternehmen vermehrt dabei zu unterstützen, Fertigungsprozesse ganzheitlich zu optimieren.
Fabian Wettstein ­präsentiert das 
Konzept, Fertigungsunternehmen vermehrt dabei zu unterstützen, Fertigungsprozesse ganzheitlich zu optimieren.
(Bild: Vischer & Bolli AG)

SMM: Herr Wettstein, bei Vischer & Bolli hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Im Jahr 2016 wurde Vischer & Bolli Mitglied der OSG Group. Seit Mai 2019 kooperieren Sie mit dem Werkzeughersteller 6C Tools. Ein Jahr später begannen Sie einen neuen Webshop. Seit dem Jahr 2021 besteht eine Partnerschaft mit x-data, dem offiziell grössten Schweizer Wiederverkäufer der Konstruktions- und Engineering-Software Mastercam. Welche Gründe haben Sie zu diesem starken Engagement veranlasst?

Fabian Wettstein: Zunächst sind das nicht nur die Partnerschaften, sondern wir haben auch intern Prozesse neu strukturiert und automatisiert, denn die Bedürfnisse unserer Kunden, auch hinsichtlich der Digitalisierung, haben sich stark verändert. Deshalb gehen wir künftig konzeptioneller vor. Wir haben einerseits intern zusätzlich Potenziale geschaffen, um noch intensiver Lösungen für unsere Kunden auszuarbeiten. Andererseits sind wir durch die Partnerschaften in der Lage, Prozesse ganzheitlich zu betrachten und zu optimieren. Unsere Vision ist es, mit einem hoch motivierten Team und innovativen Zerspanungslösungen den Werkplatz Schweiz zu stärken. Und dafür waren diese Veränderungen in Richtung digitaler Transformation von grosser Bedeutung.

Ist das nicht widersprüchlich? Vischer & Bolli lebt als Händler von Werkzeugen doch vom Verkauf und nicht von Prozessoptimierungen?

F. Wettstein: Das wäre zu kurzfristig gedacht. Die meisten unserer Kunden suchen keine Werkzeuge, sondern Lösungen. Deshalb geht es heute um die konsequente Ausrichtung eines Unternehmens auf seine Kunden und die systematische Gestaltung der Prozesse in der Kundenbeziehung. Diese kann man aber nur anbieten, wenn man die Fertigungsprozesse versteht. Unsere technischen Verkaufsberater wurden mit iPads ausgerüstet und haben nun von überall Zugriff, beispielsweise auf unseren Webshop, alle wichtigen Unterlagen sowie das CRM, in dem sie direkt Angebote erstellen können, Bestellungen erfassen und alle wichtigen Kundendaten inklusive der Zerspanungsdatenbank auf einen Blick haben. Sie können den Kunden sofort per Tablet technische Präsentationen und Lösungen präsentieren, was vorher nur mit physischen Katalogen möglich war. Das löst den scheinbaren Widerspruch auf. Durch diesen ganzheitlichen Ansatz verkaufen wir deutlich mehr Werkzeuge. Und es zeigt sich, dass wir daraus resultierend in weitere Prozesse eingebunden werden. Ein weiterer Aspekt ist, wie Sie bereits erwähnt haben, dass wir seit 2016 zur OSG Group gehören. Diese Herstellerkompetenz haben wir bis zum Jahr 2019 zu wenig genutzt. Jetzt arbeiten wir wesentlich intensiver mit dem Produktionsstandort in Göppingen zusammen, tauschen uns regelmässig aus und können so gegenüber den Kunden kompetenter agieren. Übrigens helfen Prozessoptimierungen, Kosten zu minimieren. Viele Prozesse treiben die Kosten in die Höhe. Wenn ich ein Bauteil schneller bohren oder fräsen kann, wirkt sich das deutlich besser auf die Herstellkosten aus, als nur ein kostengünstigeres Werkzeug einzusetzen.

Bildergalerie

Sie haben erwähnt, Sie wollen den Werkplatz Schweiz stärken. Wie sehen Sie den Markt? Gibt es bereits Erfolge?

F. Wettstein: Die Industrie in der Schweiz ist hoch technologisiert. Wenn man in der Schweiz aber Serien fertigt, muss man die gesamte Wirtschaftlichkeit im Auge behalten. Das bedeutet, Prozesse ganzheitlich zu optimieren. Das geht nur mit gut ausgebildeten Fachleuten. Zudem müssen, wie bei uns, Entwicklung und Produktion unter einem Dach vereint sein. Deshalb haben wir bereits erste Projekte erfolgreich realisiert. Bei Kunden kommt es sehr gut an, dass wir ihnen nicht nur zeigen, wie Werkzeuge inklusive Schnittdaten einzusetzen sind, sondern auch mit welchen Strategien man welche Ergebnisse erzielen kann. Letztlich verkaufen wir bei einem konkreten Projekt weniger Werkzeuge. Aber die Kunden sehen, dass wir ihren Prozess weiterentwickelt und optimiert haben. Das veranlasst sie, uns weitere Prozesse zu zeigen, die wir ebenfalls optimieren können.

Wie profitieren Ihre Kunden von diesen
Veränderungen?

F. Wettstein: Ich bin der Meinung, man muss einem Formenbauer, der 5-achsig fräst, nicht erklären, welches Werkzeug er braucht. Wenn man den Prozess aber ganzheitlich betrachtet, sieht man, ob sich eventuell Folgeprozesse wie das Schleifen oder das Entgraten eliminieren lassen. Deshalb gilt für Vischer & Bolli, das eine tun, das andere nicht lassen. Unser Web-Shop ist beispielsweise in diesem Zusammenhang neben der Anwendungstechnik eine grosse Hilfe. Über ihn können Fertigungsbetriebe bei uns alle Standardprodukte online kaufen. In der Summe bringen diese Veränderungen unseren Kunden also klare und gute Lösungen zu einem fairen Preis.

Können Sie uns noch etwas zu Ihren bisherigen
Erfahrungen mit 6C Tools und x-data sagen?

F. Wettstein: Mit den PKD-Werkzeugen von 6C Tools bewegen wir uns in einer Nische. Allerdings wächst die Anzahl an Anwendern, die sich für diese speziellen Werkzeuge interessieren. Durch unseren Fokus auf die Anwendungstechnik konnten wir mittlerweile eine beachtliche Anzahl an Projekten in diesem Bereich realisieren. Eine grosse Hilfe sind in diesem Zusammenhang neue und gute Partnerschaften. So haben wir mittlerweile einen sehr engen Kontakt zu einem Schweizer Hartmetallhersteller. Mit dem Unternehmen x-data dagegen kooperieren wir ja erst seit diesem Jahr, aber auch diese Partnerschaft entwickelt sich sehr gut. Wir werden in den nächsten Wochen die ersten Erfolge präsentieren können. Das sind Projekte, in denen wir den Kunden die Programmierung, inklusive Werkzeugauswahl und Strategien, zur Verfügung gestellt haben.

Wie nehmen Ihre Kunden diese Veränderungen auf?

F. Wettstein: Nach meiner bisherigen Erfahrung sehen die meisten unserer Kunden, übrigens auch Neukunden, diese Veränderungen als notwendig. Ich denke, daran hat auch die Corona-Krise einen wesentlichen Anteil. In vielen Unternehmen in der Schweiz müssen beispielsweise Personalkosten abgebaut werden. Da hilft die Digitalisierung. Ausserdem nimmt die lokale Fertigung zu, weil die Logistikkosten teilweise aus dem Ruder laufen. Da hilft der Web-Shop. Unabhängig davon kann der Kunde bei uns aber immer noch von morgens bis abends anrufen und seine Bestellung durchgeben.

Herr Wettstein, vielen Dank für diese Informationen.

SMM

(ID:47497015)