Trumpf: Standort Schweiz stärken

Digitalisiert und automatisiert in die Zukunft

| Redakteur: Konrad Mücke

«Der Produktionsstandort Schweiz überzeugt nach wie vor mit sehr gut ausgebildeten, kompetenten Fachkräften.»
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«Der Produktionsstandort Schweiz überzeugt nach wie vor mit sehr gut ausgebildeten, kompetenten Fachkräften.» (Bild: SMM, Konrad Mücke)

Welche Aspekte bestimmen künftig die Blechfertigung? Welche Strategien und Maschinen ebnen Blechverarbei­tern erfolgreich den Weg in die Zukunft? Darüber und über Strategien des Maschinenherstellers Trumpf sprachen wir mit Adrian Schär, Leiter Vertrieb und Service und Mitglied der Geschäftsleitung der Trumpf Schweiz AG.

SMM: Herr Schär, wie beurteilen Sie aktuell die Marktsituation für Blechverarbeiter in der Schweiz?

Adrian Schär: Derzeit sieht es für alle Teilnehmer im Marktgeschehen sehr gut aus. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Das gilt für Blechverarbeiter, also unsere Kunden, ebenso wie für uns selbst als Maschinenhersteller. Die Schweizer Unternehmen haben allgemein den Frankenschock des Jahres 2015 gut überstanden. Sie haben ihre Wettbewerbsfähigkeit behauptet. Zu einer Besserung tragen die gute Weltkonjunktur und der wieder erstarkende Euro bei.

Wie wirkt sich dies allgemein auf die Ausrichtung und letztlich auf das Tagesgeschäft aus?

A. Schär: Die Arbeitswelt verändert sich. Die Komplexität steigt: Der Trend zu individualisierten Produkten macht vor keiner Branche halt, auch nicht in der Blechverarbeitung. Gleichzeitig entstehen neue Vernetzungslösungen, die enormes Optimierungspotenzial bieten. Die Blechverarbeiter sehen darin eine grosse Chance und investieren in umfassende Systeme und digitale Lösungen. Das wirkt sich schlussendlich vor allem positiv auf die Produktivität und Wirtschaftlichkeit aus.

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Was genau bedeutet das für die Investitionen?

A. Schär: Als Maschinenhersteller erkennen wir, dass die Anwender ihr Augenmerk vermehrt auf Automatisierung und Digitalisierung richten. So sind aktuell sehr investitionsintensive, umfassend ausgestattete und vernetzte Anlagen gefragt. Diese Nachfrage kommt nicht nur aus grösseren Betrieben. Auch KMUs und Einzelfirmen interessieren sich für diese Konzepte. Wir erfahren immer wieder, dass Anwender mit Mehrmaschinenbedienung und bedienerlosen Nachtschichten sehr viel flexibler und produktiver arbeiten wollen.

Wie drückt sich das in den konkreten Anfragen aus?

A. Schär: Beispielsweise verzeichnen wir ein besonders wachsendes Interesse an unserem System TruTops Fab. Diese sehr komplexe Software bildet alle Prozesse in der Blechfertigung ab. Das reicht von der Auftragserfassung bis zur Steuerung einzel­ner Maschinen. Die Software verkürzt die Durchlaufzeiten und minimiert den Aufwand für viele Prozesse. Letzteres betrifft die Verwaltung und die Steuerung des Produktionsablaufs mit allen Einzelheiten. TruTops Fab schafft zudem völlige Transparenz. Ein Blechverarbeiter kennt also jederzeit den aktuellen Stand seiner erfassten Aufträge. Das erhöht seine Flexibili­tät gegenüber dem Kunden und optimiert die Auslastung seiner Maschinen. Somit erschliesst er bisher unerreichte Kapazitätsreserven. Dies ermöglicht ihm, zusätzliche Aufträge zu übernehmen und seinen Ertrag zu verbessern.

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Ein derartiges System benötigt allerdings eine durchgängige Datenkommunikation. Wie können und wollen Fertigungsbetriebe diese realisieren?

A. Schär: Inzwischen haben nahezu alle Betriebe erkannt, dass sie auch in Hardware investieren müssen. Durch die gute finanzielle Ausgangslage sind sie derzeit dazu auch bereit und willens. Aktuelle Maschinen und Systeme, von der Blechbiegemaschine bis zum Schneid- und Schweisslaser verfügen über die not­wendigen Sensoren und Steuerungen, um sämtliche erforderlichen Informationen und Daten zu erfassen und bereit- zustellen.

Auf welche weiteren Aspekte achten Kunden, die derzeit investieren?

A. Schär: Zukunftsorientierte Betriebe arbeiten daran, indirekte Prozesse – damit sind vor allem vor- und nachgelagerte Abläufe gemeint – möglichst zu optimieren. Damit wollen sie Zeit und Kapazität für Wertschöpfung schaffen. Das trägt dazu bei, die Ertragslage und die Margen zu verbessern, um letztlich wettbewerbsfähig produzieren zu können und den Produktionsstandort Schweiz zu erhalten.

Wie schlägt sich das bei der Auswahl der richtigen Investition nieder?

A. Schär: Meist steht die Automatisierung für die Produktion und eine umfassende Digitalisierung für eine generelle Strategieausrichtung des Unternehmens im Mittelpunkt.

Blechverarbeiter wollen bedienerlose Schichten nutzen, um produktiver zu arbeiten. Von Trumpf können wir komplett automatisierte Anlagen bieten. Dazu gehört zum Beispiel die jüngst vorgestellte Laserschneidmaschine TruLaser Center 7030. Dieser Laservollautomat vereint alle beim Laserschneiden benötigten Prozesse in einer Maschine. Das verkürzt drastisch die Durchlaufzeit und verringert die Bearbeitungskosten. Auf dieser Maschine fertigen Blechverarbeiter besonders wirtschaftlich. Dabei profitieren sie von den vollständig automatisierten Abläufen. Ab dem Auflegen der Blechtafeln übernimmt die TruLaser Center 7030 alle Prozesse. Das betrifft das Schachteln der Bauteile, das schnelle Laserschneiden, das Sortieren und Ablegen kleiner und grosser Blechteile sowie das prozesssichere Ausschleusen der Reststücke. Mit seiner umfassenden Ausstattung sorgt der Laservollautomat dafür, dass von der Zeichnung bis zu fertig geschnittenen und entsprechend den Aufträgen sortierten Bauteilen alles vollständig automatisch abläuft.

Für eine Digitalisierung bedarf es einer grundsätzlichen Ausrichtung der Prozesse im Unternehmen. Dabei muss nicht unbedingt jede Firma gleich zu einer Smart Factory werden. Die Frage «welches Niveau von Industrie 4.0 muss ich in meinem Unternehmen erreichen?» stellen sich zurzeit viele Schweizer Unternehmer. Sie haben zwar die Wichtigkeit erkannt, wissen aber nicht genau, wie dieses komplexe Thema angehen. Ganz nach dem Motto: einfach anfangen, schrittweise anpassen, komplett vernetzt – bieten wir Beratung und Module auf verschiedenen Stufen für eine individuelle Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie an.

TruConnect ist die innovative Lösungswelt bei Trumpf für die Umsetzung von Industrie 4.0. Dabei verbindet die neue Trumpf-Technologie für vernetzte Fertigung Maschinen, Menschen und Informationen und hilft den Kunden, ihre Geschäftsprozesse ganzheitlich zu optimieren und Schnittstellen zu reduzieren.

Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass mit weniger Personaleinsatz mehr produziert werden kann. Sehen wir also in dieser Entwicklung nicht auch eine Bedrohung für den Standort Schweiz aufkommen?

A. Schär: Ganz und gar nicht. Es wird zunehmend schwieriger, die richtig ausgebildeten Fachkräfte für industrielle Tätigkeiten zu finden. Dabei schaffen vor allem die Digitalisierung und Automatisierung die Voraussetzungen dafür, als Produktionsbetrieb in der Schweiz auch weiterhin aktiv und wettbewerbsfähig zu sein. Das haben viele Blechverarbeiter in der Schweiz richtig erkannt. Und wegen des aktuell guten Konjunkturklimas können sie auch entsprechend handeln und zukunftsorientiert investieren.

Nun hat Trumpf selbst vor einigen Monaten seine Strukturen in der Schweiz erheblich verändert. Ein­hergehend kamen Gerüchte auf, dass diese Umstrukturierun­gen zu Lasten des Produktionsstandorts Schweiz gehen. Was ist dran an diesen Gerüchten?

A. Schär: Zunächst können wir alle Befürchtungen aus dem Weg räumen. Es gibt Verlagerungen von Arbeitsschwerpunkten unter den einzelnen Standorten. Zudem haben wir die Produktion, den Vertrieb und den Service in der Schweiz unter dem neuen Dach der Trumpf Schweiz AG zusammengefasst.

Dass Trumpf den Standort Schweiz zukunftsorientiert ausrichtet und stärkt, beweist unter anderem die Verlagerung einiger Schwerpunktprojekte an den Schweizer Entwicklungs- und Produktionsstandort in Grüsch, der innerhalb der Trumpf Gruppe eine Leitfunktion hat. Dazu gehört vor allem unser aktuelles Flaggschiff, der zuvor angesprochene Laservollautomat TruLaser Center 7030. Er wird in der Schweiz am Standort in Grüsch weiterentwickelt und gebaut. Ebenso werden eine Vielzahl an Laser-Flachbettmaschinen und vor allem sämtliche Trumpf-Beschriftungslaser in Grüsch entwickelt und gebaut. Trumpf verlagert sogar weitere Entwicklungsprojekte und Produktbereiche in die Schweiz. Das beruht auf der Erkenntnis, dass wir hierzulande über besonders gut ausgebildete und hochqualifizierte Mitarbeitende verfügen. Eine Zahl möge die Bedeutung des Standorts Schweiz für Trumpf untermauern: Wir beschäftigen derzeit über 760 Fachkräfte in der Schweiz, Tendenz steigend.

Welche Auswirkungen haben die neuen Strukturen in der Trumpf Schweiz AG für Kunden?

A. Schär: Ich drücke es gern mit einer einfachen Formel aus: Es ändert sich allein die Telefonnummer. Damit meine ich, dass selbstverständlich die Nähe zu unseren Kunden vollauf erhalten bleibt. Mit den neuen Strukturen beabsichtigen wir sogar, unsere Reaktionszeiten weiter zu verkürzen und noch deutlich flexibler bei Kundenanfragen agieren zu können. Die Orientierung sämtlicher Trumpf-Gesellschaften in der Schweiz unter einem Dach schafft intern schlankere Abläufe und verkürzt auch bei uns die Durchlaufzeiten aller Prozesse. Die Vielzahl einzelner Projekte können wir nunmehr erheblich besser koordinieren. Insofern agieren wir aktuell wie jeder zukunftsorientierte Fertigungsbetrieb.

Ein Beispiel dazu: Damit unsere Kunden von den Leistungen der Trumpf Schweiz AG profitieren, steuern und koordinieren wir zentral von Baar den Einsatz von über 70 Vertriebs- und Servicespezialisten im Innen- und Aussendienst. Das bedeutet, dass diese Techniker für unsere Kunden noch flexibler verfügbar sind.

Herr Schär, wie beurteilen Sie zum Abschluss die weitere Wirtschaftsentwicklung?

A. Schär: Für die nächsten etwa zwei Jahre bin ich optimistisch hinsichtlich zunehmender Investitionen bei unseren Kunden und auch der allgemein guten Stimmung in der Wirtschaft. Auf einen längeren Zeitraum hinaus wage ich allerdings keine Prognose. Dafür bestimmen doch einige Komponenten eine Unsicherheit in der weltpolitischen Lage. So ist nicht absehbar, wohin die Politik zum Beispiel in den USA tendiert, was aus einer möglichen Konfrontation zwischen Russland und den USA in Syrien entsteht, wie die Machtverhältnisse in Korea geklärt werden oder welche Auswirkungen die Auseinandersetzungen zwischen China und den USA im weltweiten Handel haben.

Auf eines aber können wir stets bauen. In der Schweiz wurden und werden weiterhin hochwertige, innovative Produkte höchster Qualität entwickelt und hergestellt. Insofern können wir davon ausgehen, immer eine bedeutende Rolle in der internationalen Investitionsgüterindustrie einzunehmen. SMM_kmu

Herr Schär, vielen Dank für diese Informationen.

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