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Liegt es an der Maschine oder liegt es an den Werkzeugen, dass Sie sich verbessert haben?
Dr. F. Brinken: Es ist immer das Gesamtsystem, deshalb arbeiten sehr eng mit führenden Werkzeuglieferanten zusammen. Auf der Werkzeugseite hat sich einiges getan, und die brauchen eine prozessstabile Maschine dafür. Es gibt einen Wettbewerb zwischen Werkzeug- und Maschinenhersteller. Eine kleine Anekdote hierzu: Neulich kam ein Werkzeug-Hersteller zu uns der sagte: ‚das ist der Bearbeitungszentrums-Killer‘, weil er derart viel Leistung zieht, das die Bearbeitungszentren überlastet werden. Wir haben ihn getestet, aber unsere Maschinen leben noch. Mein Fazit: Die Werkzeuge müssen erst noch erfunden werden, die unsere Maschinen an ihre Leistungsgrenze bringen.
Und wie sieht es im Bereich von neuen Technologien aus, was bringen die?
Dr. F. Brinken: Was wir im letzten Jahr nach vorne gebracht haben, ist die kryogene Kühlung. Das könnte der nächste Schritt sein, wo man nochmals eine Steigerung des Zeitspanvolumens mit den existierenden Werkzeugen am Markt erreichen kann.
Sie gehen davon aus, dass sich die kryogene Kühlung in der Fertigung etablieren wird?
Dr. F. Brinken: Ja, Sie können mit CO2 oder mit flüssigem Stickstoff kühlen. Flüssiger Stickstoff ist definitiv zu teuer und das halte ich nicht für einen gangbaren Weg. Wir setzen auf CO2 und können mit Standardspindeln fertigen. Es ist sehr flexibel auch mit anderen Kühlungen einsetzbar. Zudem ist die CO2-Kühlung auf bestehende Maschinen umrüstbar, das ist ein enormer Vorteil.
Nutzen Ihre Kunden bereits kryogene Kühlung?
Dr. F. Brinken: Wir haben hier bei uns im Entwicklungszentrum vielversprechende Versuche mit Kunden gefahren. Für unsere Kunden wird das dann interessant, wenn sie an der Auslastungs-Grenze ihrer Produktion sind. Wenn sie auf ihren bestehenden Maschinen diese Kühltechnik einsetzen und 20 % produktiver sind, dann rechnet sich das sofort.
Starrag ist in der Fertigung komplexer Turbinenschaufeln einer der Kompetenzführer. Da kommt alles zusammen, was anspruchsvoll ist: schwierige Werkstoffe und Geometrien, anspruchsvolle Oberflächen und Werkstückspannung. Wie kommt es, dass sich ausgerechnet ein Schweizer Unternehmen wie die Starrag Group in diesem Bereich derart stark positioniert hat?
Dr. F. Brinken: Wir machen das, was alle erfolgreichen Schweizer WZM-Hersteller anstreben, globale Exzellenz in einer gewählten Nische, die technologisch und margenmässig zwar interessant, aber doch zu klein ist, dass sie die «gefrässigen» Massenhersteller von Standardmaschinen nicht interessiert.
Wo ist in der spanenden Fertigung aus Ihrer Sicht noch am meisten an Effizienz herauszuholen?
Dr. F. Brinken: Wenn Sie in Europa kompetitiv sein wollen, heisst das Dreischichtbetrieb bis zu sieben Tage die Woche. Das bringt 20 Schichten auf jeder Maschine. Dazu müssen Sie als Werkzeugmaschinenhersteller prozesssichere Maschinen bauen und Weltklasse-Service bieten. Denn wenn im 3-Schicht-Betrieb eine Maschine steht, ist Panik angesagt. Aus dem einfachen Grund: Man kann keine vierte Schicht anhängen. Deshalb ist der «Rund-um-die-Uhr»-Service bei 3-Schicht-Betrieb enorm wichtig.
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