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Gibt es noch weitere Kriterien, um effizient zu produzieren?
Dr. F. Brinken: Ich darf kein Ausschussteil mehr produzieren. Auch dann, wenn es ein Prototyp ist. Das ist Vergeudung «par excelence». Das heisst genaue und langlebige Maschinen, möglichst Nullfehlerproduktion auch im Dreischichtbetrieb. Mit der Formel können Sie in der Schweiz für den Weltmarkt produzieren.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, Prozesse zu integrieren. Ein Beispiel: Wir haben bei Strukturbauteilen beispielsweise eine Mess-Technologie (Sonic-Eye) unserem Zerspanprozess nachgelagert, bei der die Stege von Strukturbauteilen per Ultraschall vermessen werden. Wir können alle 540 Taschen auf dem Flügel spanen und vermessen mit anschliessendem Zertifikat. Auch das macht das Produzieren schneller.
Welche Trends sehen Sie im Bereich der Automation im Werkzeugmaschinenbereich. Haben Länder mit gut ausgebildetem Personal hier Vorteile?
Dr. F. Brinken: Absolut. Während einer Diskussion auf der letzen EMO meinte ein Amerikaner, dass man auch in Niedriglohnländern einfach automatisieren kann. Da habe ich ihm geantwortet: Wenn man eine schlecht ausgebildete Person an eine automatisierte Fertigung stellt, dann legt der Ihnen garantiert sieben Maschinen auf einmal lahm. Sie brauchen gerade für solche komplexen Systeme gut ausgebildete Fachkräfte. Denn für die Programmierung und den effizienten Einsatz eines flexiblen Fertigungssystems sind tiefe Kenntnisse der Fertigungstechnologie zwingend notwendig. Wenn Volkswagen in China solche Produktionsanlagen aufzieht, müssen sie auf sehr gutes Personal setzen, sonst läuft da gar nichts. Aber dann sprechen wir nicht mehr von Niedriglohn.
Das heisst, es wird immer komplexer. Auf der einen Seite sagt man, man bekommt immer schwieriger gut ausgebildete Leute. Da müsste man als Werkzeugmaschinenhersteller sagen, ok ich mache zwar eine komplexe Maschine, die aber so einfach zu bedienen ist wie ein Toaster. Ist das der Anspruch an Ihre Ingenieure?
Dr. F. Brinken: Also Komplexität aus der Bedienung rauszunehmen ist ein Widerspruch, wenn Sie einen effizienten Fertigungsprozess wollen. Denn dann sprechen wir von Fünfachsenbauteilen und Multi-Task-Maschinen. Multi-Task-Maschinen sind richtige Biester. Die zu programmieren bedarf einiges an Know-how. Wie ein Toaster wird das nicht funktionieren. Das heisst: auf gut ausgebildetes Personal kann ich auch in Zukunft nicht verzichten.
Es gibt auch Unternehmen, die sagen, aufgrund ihres mässig ausgebildeten Mitarbeiterstamms setzen sie lieber auf einfache Maschinen und machen die Prozesse hintereinander als einen Prozess auf einer Maschine.
Dr. F. Brinken: Ok, wenn sie sich das von den Umspannfehlern her leisten können, dann ist das ein gangbarer Weg. Wir sehen solche Fertigungsprozesse oft in Asien. Sie machen auf diesen Maschinen das Teil fertig. Für das Volumen wird einfach der Prozess multipliziert. Aber dass sie in einem zehnstufigen Prozess auf mehrere Maschinen gehen, liegt bei den heutigen Genauigkeitsanforderungen der Industrie fast nicht mehr drin.
Auch Sie müssen als Werkzeugmaschinenhersteller kontinuierlich Ihre Effizienz steigern. Was machen Sie konkret und wie machen Sie das?
Dr. F. Brinken: Nun wir fassen unsere internen Programme unter dem Begriff SPS zusammen, Starrag Production System. Es baut auf 5S, Kaizen, Pull-Strategien und einem konsequent angewendeten Shop Floor Management. Diese Prozesse sind in unseren Werken bereits weitgehend vereinheitlicht, sodass wir auch in der Lage sind, bei Überlast in einem Werk Produktionsschritte in ein unterausgelastetes Werk einfach zu verlagern. Ein aktuelles Beispiel: Im Moment ist der Standort Sâles überlastet. Die Überlast nehmen wir an den Standorten Genf und Rorschach auf. Dies ist eine Daueraufgabe und vor allem eine Führungsaufgabe auf allen betrieblichen Ebenen, «dass wir gut sind, soll uns nicht daran hindern, besser zu werden».
Welche Rolle spielt die Logistik?
Dr. F. Brinken: Just in time ist das Thema, wir sind ja bei unserer Maschinenmontage in Richtung Box-Montage gegangen. Die Gefahr: Wenn ein Teil fehlt, dann steht die Produktion. Das darf nicht passieren. Bis jetzt können Sie es über Pufferlager abfangen, aber das wollen wir langfristig abschaffen.
Wie sehen Sie die Zukunft des Werkzeugmaschinenbaus in der Schweiz?
Dr. F. Brinken: Ich denke relativ positiv, sofern wir das machen, was wir können. Das heisst technologisch hochstehender Werkzeugmaschinenbau in der Nische. Das geht vom Standort Schweiz aus ausgezeichnet, deshalb bauen wir auch 2015 ein neues Werk in der Romandie. <<
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