Durchschnittlich 37 km unterwegs
Als bessere Alternative gegenüber dem Elektroantrieb werden oft die Wasserstoff-Brennstoffzellen und alternative Flüssigbrennstoffe angepriesen. Auch Autoproduktionspapst Horst Wildemann von der TU München sieht langfristig die Wasserstoff-Technologie im Vorteil, vor allem wenn die saubere Stromproduktion nicht nachkomme. Für Wasserstoff spricht ausserdem seine aktuell (noch) grössere Reichweite. Die Frage ist aber, brauchen Autofahrer mehr Reichweite? Laut Bundesamt für Statistik liegt die durchschnittliche Tagesdistanz pro Person bei knapp 37 km (Abb. 3).
Auch günstigere Elektroautos schaffen heute problemlos Reichweiten von mehr als 250 km mit voller Batterie. Das reicht problemlos für 99 Prozent aller Fahrten. Für die Strecke darüber hinweg ist bereits heute ein Netz von Schnellladestationen an Autobahnraststätten vorhanden. Und es werden immer mehr. In diesem Zusammenhang werden oft auch die lange Batterieladedauer und die wenigen Ladestationen erwähnt. Die Ladedauer ist abhängig von der Ladestation.
Der Technologieanbieter ABB lancierte kürzlich ein Ladesystem mit 350 kW Leistung für Elektrofahrzeuge, welches das Aufladen innert Minuten ermöglicht. Die Ladetechnik wäre theoretisch vorhanden, nur die Fahrzeuge (noch) nicht. Dagegen muss für die Versorgung mit Wasserstoff ein neues Tankstellennetz aufgebaut werden und der Treibstoff muss zu den Tankstellen transportiert werden. Gleiches gilt auch für die alternativen Flüssigbrennstoffe. Ob diese Rechnung aus monetärer und Klimagassicht tiefer sein wird als die gegenüber Elektroantrieb, darf bezweifelt werden. Wasserstoff und alternative Flüssigbrennstoffe sind gegebenenfalls ein weiteres Puzzle im Wandel zu einer sauberen Mobilität. Insbesondere in der Logistik, wo schwere Lasten über lange Distanzen transportiert werden müssen, ist ein Potenzial vorhanden.
Plug-in-Hybrid vorn
2017 war übrigens das beste Jahr bezüglich Neuzulassungen an «ökologischen Fahrzeugen» in der Schweiz. Lag der Anteil der alternativen Antriebe und energieeffizienten Fahrzeuge an den Neuzulassungen im Jahr 2016 noch bei 4,8 Prozent, war es letztes Jahr 5,63 Prozent. Im Jahr 2018 sind es derzeit 6,26 Prozent (Stand 11.07.2018). Abschreckend wirkt neben den hohen Anschaffungskosten sicherlich immer noch die Reichweitenangst; also die Angst, ohne Strom stehen zu bleiben. Auch dieser Aspekt kann aus den Statistiken heraus gelesen werden. Nicht anders ist zu erklären, warum so viel mehr Autos mit fossilen Antrieben verkauft werden als schadstoffarme Pkws. Auch die Anzahl an Fahrzeugen mit Hybrid-Antrieb steigt hierzulande stärker an als die der E-Autos (siehe Kasten). Schwindend klein ist der Anteil an Elektrofahrzeugen, bei 4,5 Mio. Autos auf den Schweizer Strassen. Rund 20 000 dürften es sein. Doch ihre Zahl steigt. Dies zeigen auch die letzten vier Quartale der Verkaufszahlen 2017/2018: Plus 4000. Noch steht Tesla unter den Herstellern als Spitzenreiter an erster Stelle. Gleich dahinter folgen BMW und Renault, die zusammen so viele Autos verkaufen wie Tesla alleine. Im Gegensatz zu Tesla steigen deren Verkaufszahlen aber jährlich an, dagegen der Marktanteil von Tesla sinkt. Man könnte also sagen, die Proletarisierung der Elektrofahrzeuge hat begonnen. Sollte aber Tesla die Produktion seines Model 3 endlich steigern können, wird sich die Statistik wahrscheinlich wiederum zugunsten der Amerikaner wenden. Aber Elon Musk hat derzeit bekanntlich ein paar Probleme mit der Massenproduktion. Immer weniger eine Rolle spielen bei den Neuzulassungen dagegen Gas und Diesel-Hybrid. Überhaupt müssen die Hersteller wegen der Dieselaffäre mit Umsatzeinbussen bei Diesel rechnen. Welche Elektroautos und Plug-in-Hybride bei den Schweizern auf den vorderen Rängen stehen, können Sie online auf der Webseite des Schweizer Maschinenmarktes nachschauen. Scannen Sie dazu den QR-Code.
Elektromobilität
Strom tanken so schnell wie an der Zapfsäule
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