Flexible Fertigungszelle für Implantat-Produktion

| Redakteur: Böhm

Das Rüsten kann in Zukunft ausserhalb der Maschine erfolgen. So kann dank 60 Werkzeugpaletten mannlos gefertigt werden.
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Das Rüsten kann in Zukunft ausserhalb der Maschine erfolgen. So kann dank 60 Werkzeugpaletten mannlos gefertigt werden. (Bild: Matthias Böhm)

>> Die Startech Engineering AG ist ein Senkrechtstarter in der Medizintechnik. Seit September 2015 ist das Unternehmen zertifiziert, um Implantate zu entwickeln, zu produzieren und direkt in Spitäler zu liefern. Die Bearbeitung von Titan­legierungen und Chrom-Kobalt-Molybdän-Stählen, noch dazu mannlos und 5-achs-simultan, ist eine Herausforderung. Ein OKK-Vertikalbearbeitungszentrum inklusive Roboterhandling bringt die perfekte Umsetzung.

1998 gründete Peter Stalder gemeinsam mit seiner Frau das Fertigungsunternehmen Startech Engineering AG. Ursprünglich kommt P. Stalder aus der Präzisionsmechanik, verfügt darüber hinaus über eine Flugzeugmechaniker-Lizenz.

Gesetzt wird seit Bestehen des Unternehmens auf anspruchsvolle bis schwierigste Werkstücke in der Medizintechnik. Hier gibt es kaum gerade Kanten, an denen man sich orientieren könnte.

Konische Gewinde in geschmiedete Rohteile

Nicht selten sind die Rohlinge geschmiedete Werkstücke, die auf einer komplexen auf das Rohteil zugeschnittenen 3D-Spannvorrichtung gespannt werden. Konische Gewinde sind fast schon «das Normalste», was in diese Werkstücke gewirbelt werden muss. Die Grössen der Werkstücke, die bei Startech bearbeitet werden, liegen vorwiegend zwischen 30 mm bis 300 mm Kantenlänge.

Neuer Inhaber Hans-Jörg Wyss

Nachdem Peter Stalder das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau in nur wenigen Jahren erfolgreich in Richtung medizintechnischer Produkte entwickelte, investierte Hans-Jörg Wyss (ehemaliger Inhaber Synthes) in das KMU und setzte P. Stalder als CEO ein.

Die Kontakte von H. J. Wyss brachten einen weiteren strategischen Entwicklungsschub in Richtung Medizintechnik. Seit 1. September 2015 ist das Unternehmen dank ISO-13485-Zulassung für Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Implantaten zugelassen.

Investition in neues OKK-Bearbeitungszentrum

Und hier gibt das Unternehmen Vollgas. Allein fünf Mitarbeiter entwickeln und konzipieren neue Implantate sowie medizintechnische Instrumente. Damit in der Produktion die neuen Aufträge effizient abgearbeitet werden können, wurde in ein voll automatisiertes 5-Achs-Simultan-CNC-Vertikal-Bearbeitungszentrum vom Typ OKK VC-X350 investiert, das in der Schweiz von der BWB Werkzeugmaschinen AG vertrieben wird.

P. Stalder: «Wir verfügen mit BWB und OKK über langjährige Kontakte. Ich muss hervorheben, es zählt neben der Qualität und den technologischen Eigenschaften der Werkzeugmaschine als solche auch der Service und die technologische Betreuung. Sowohl mit den OKK-Maschinen als auch mit dem Service der BWB AG haben wir über die letzten Jahre durchweg gute bis sehr gute Erfahrungen gemacht. Das macht es uns leichter, eine klare Linie zu fahren.»

Drei Maschinen wurden evaluiert

Das heisst aber noch nicht, dass die Investition in eine OKK-Werkzeugmaschine ein Selbstläufer ist, wie P. Stalder betont: «Bei einer geplanten Neuinvestition nehmen wir grundsätzlich immer mehrere WZM-Lösungen in die Evaluation auf. Massgebend ist das Gesamtpaket, über das wir entscheiden. Wir haben in diesem Fall drei Hersteller evaluiert. Ich muss aber betonen, wir haben bereits einige OKK-Maschinen in der Produktion. Wir kennen die Maschinen als auch die Steuerungen sehr gut und sind hoch zufrieden mit den WZM als auch dem Service. Daher hatte OKK – trotz der hohen Kosten – sicher Vorteile, sie ist qualitativ hervorragend. Noch dazu konnte die BWB AG für uns eine automatisierte Gesamt­lösung entwickeln. Die Möglichkeit, dass wir zweischichtig, davon eine Schicht mannlos, fertigen können, ist für eine effiziente Produktion unabdingbar und entscheidend für unsere zukünftige Entwicklung. Mannlose Fertigung ist allerdings in dem Bereich, in dem wir tätig sind, alles andere als ein Kinderspiel. Stichwörter sind schwierigste Werkstoffe, komplexe Geometrien, anspruchsvolle Toleranzen und Oberflächen, hoher Werkzeugverschleiss usw. Bei solchen Bedingungen muss alles perfekt aufeinander abgestimmt sein.»

Schnittstelle Werkzeugmaschine Roboterzelle

D. Bührer: «Für Startech war entscheidend, dass trotz des schwierigen Werkstückspektrums eine Schicht mannlos gefahren werden kann. Aufgrund der wechselnden Serien und zum Teil Kleinserien setzten wir auf eine Erowa-Palettenlösung inklusive Werkstück-Speicher. Zur Automationslösung muss ich sagen, dass wir auf den Robotik-Systemintegrator Robofact gesetzt haben. Im Rahmen eines Joint Ventures haben wir gemeinsam die Schnittstellen zwischen WZM und Automationszelle definiert, unter aktiver Unterstützung von OKK Europa. Nachdem die Schnittstellen festgelegt wurden, ist der maschinenseitige Teil von uns und das Automations-Modul inklusive Palettisierung von Robofact konzipiert worden.»

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