Prof. Dr. Konrad Wegner im SMM-Exklusivinterview

«Hochlohnland bedeutet enorme Herausforderung»

| Redakteur: Matthias Böhm

Eine sichere Prozessbeherrschung und eine hohe Prozessstabilität sind die entscheidenden Faktoren der modernen Produktion. Prof. Dr.-Ing. Konrad Wegener, ETH Zürich
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Eine sichere Prozessbeherrschung und eine hohe Prozessstabilität sind die entscheidenden Faktoren der modernen Produktion. Prof. Dr.-Ing. Konrad Wegener, ETH Zürich (Thomas Entzeroth)

Prof. Dr. Konrad Wegener gehört zu den profiliertesten europäischen Hochschullehrern aus dem Bereich der Produktion. Er kommt aus der Industrie und arbeitet für die Industrie auf höchstem Niveau. Die Zerspanung ist eines seiner Kernfelder, die er aus dem «ff» beherrscht. Letztlich ist die Steigerung der Produktivität der Schlüssel, um am Standort Schweiz bestehen zu bleiben

SMM: Glauben Sie, es steckt noch viel Potential in Schweizer Unternehmen, um ihre Produktivität zu steigern?

Dr. Konrad Wegener: Ja reichlich. Ein Patentrezept zu geben, wie die Produktivität zu steigern ist, ist allerdings fast unmöglich, das liegt in jedem Unternehmen anders. Es fängt bei der Zerspanung an und hört längst nicht mit dem Einsatz moderner Produktionsmethoden auf. Dazwischen und darüber hinaus gibt es ein weites Feld an Massnahmen für eine höhere Produktivität.

Können Sie Durchschnittswerte angeben, um wie viel Prozente die Produktivität gesteigert werden kann?

Dr. K. Wegener: Die Beantwortung der Frage ist relativ schwierig, weil pauschal und zeitlich unbegrenzt und wir müssen festlegen, ob technische Teilsysteme oder das ganze Unternehmen betrachtet werden sollen. Aber es gibt Anhaltswerte: Langfristig betrachtet liegt die Produktivitätssteigerung im Mittel bei jeweils zirka 1 bis 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber wenn ich die Projekte betrachte, die ich konkret kenne, dann sind dort 50 % Produktivitätssteigerung vorgegeben worden. Am Ende kommen vielleicht 20–30 % raus. Dann haben Sie zirka 15 Jahre aufgeholt.

20–30 % Steigerung hört sich nach viel an. Das beschränkt sich aber auf Teilprozesse?

Dr. K. Wegener: Ja natürlich, das sind Optimierungen beispielsweise im Bereich einer bestimmten Teilefertigung. Aber das sind reale Erfahrungswerte, die aus der Industrie kommen.

In Montageprozessen wird durch Umstrukturierungen immer wieder von 30 % höherer Produktivität gesprochen, ist das realistisch?

Dr. K. Wegener: Ja, solche Produktivitätsschübe gibt es immer wieder. Denn oft ist es so, dass Firmen jahrelang nicht mehr an ihrer Produktivität geschraubt haben und plötzlich Handlungsbedarf erkennen. Dann sind solch massive Steigerungen tatsächlich möglich.

Welche Bedeutung hat das Thema Produktivität steigern – Prozesse optimieren in der modernen Produktionstechnik?

Dr. K. Wegener: Das ist die alles entscheidende Frage, um wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben. Man muss regelmässig und kontinuierlich dran bleiben. Es ist nicht ideal, heute die Produktion zu optimieren und dann zehn Jahre einfach laufen lassen. Das geht zwar, ist aber alles andere als optimal.

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