Das Unternehmen H. P. Kaysser stand vor der Herausforderung, Komplexität und Zeitbedarf der Angebotskalkulationen zu optimieren. Bei einem Portfolio von einfachen Blechteilen bis zu einbaufertigen Baugruppen mit bis zu 400 Komponenten und 17 Einzelgewerken, wurde eine schnelle, vergleichbare und belastbare Kalkulationsbasis zum kritischen Wettbewerbsfaktor. Mit «simus classmate» kommt das Familienunternehmen nun schneller zu präzisen Angeboten.
Komplexe Baugruppen werden in «classmate PLAN» übersichtlich abgebildet und kalkuliert.
(Bild: Simus / Kaysser)
Die H. P. Kaysser GmbH + Co. KG in Nellmersbach bei Stuttgart (D) hat sich seit 1947 dynamisch und innovativ zu einem führenden Komponenten- und Systemlieferanten in der Metallbearbeitung mit rund 450 Mitarbeitenden entwickelt. Vom Engineering über die gesamte Prozesskette der Metallbearbeitung und Veredelung bis zur Logistik erhalten die Kunden intelligente und wirtschaftliche Lösungen.
Vom Blechteil bis zur Elektronik-Baugruppe
Die Bandbreite reicht von einfachen Blechteilen bis zu komplexen, mit Elektronik versehenen Baugruppen. Im teilweise klimatisierten Kompetenzzentrum Zerspanungstechnik entstehen hochgenaue Baugruppen und Grossteile für anspruchsvolle Projekte und Kunden. Auf über 100 meist verketteten, automatisierten Anlagen bearbeiten Experten Stahl, Guss, Edelstahl und Nichteisen-Metalle wie Aluminium in allen Variationen.
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Digitale Unterstützung gesucht
Tobias Scheffel, Vertriebsingenieur, H. P. Kaysser GmbH + Co. KG: «Kleine Blechteile in mittleren Serien bis 10 000 Stück müssen wir ebenso kalkulieren wie Baugruppen mit 300 bis 400 Teilen oder komplette Maschinen.»
(Bild: Janine Kyofsky)
«Wenn wir eine Anfrage bekommen, suchen wir nach schnelleren, besseren und stabileren Lösungen, als andere Anbieter offerieren können», erklärt Tobias Scheffel, der vor sieben Jahren als Vertriebsingenieur zu H. P. Kaysser gekommen ist. Für ein Angebot braucht man nicht nur technisches Know-how aus dem gesamten Leistungsspektrum, sondern auch solide Kostenfakten. «Kleine Blechteile in mittleren Serien bis 10 000 Stück müssen wir ebenso kalkulieren wie Baugruppen mit 300 bis 400 Teilen oder komplette Maschinen», sagt Tobias Scheffel.
«Weil die Komplexität und Zahl der Angebote stetig zunimmt, haben wir 2021 mit der Suche nach einer geeigneten Software begonnen.» In einer Bachelorarbeit recherchierte Karola Roth, die heute ebenfalls im Vertrieb beschäftigt ist, mögliche Lösungen.
Entscheidung für «classmate PLAN»
Die sorgfältige Auswahl unter drei möglichen Anbietern führte 2022 zu einem dreimonatigen Pilotprojekt mit der Software «classmate PLAN» von Simus Systems. Anhand von 3D-CAD-Modellen erkennt das Programm die notwendigen Arbeitsfolgen und Fertigungsparameter und ordnet sie automatisch den vorhandenen Fertigungseinrichtungen zu. Ausserdem weist es für jeden Arbeitsgang Rüst- und Fertigungszeiten aus und berechnet die Kosten nach individuellen Vorgaben.
Für das Pilotprojekt wurden drei typische Baugruppen zur Verfügung gestellt und eine Technologie-Datenbank mit passenden Werten gefüllt. «Als kleinen Stresstest haben wir ein Bauteil von einer 3-Achs- auf eine 5-Achsfräsmaschine umgelegt und verschiedene andere Feinheiten eingebaut», erinnert sich Tobias Scheffel.
«Von den Projektergebnissen war das gesamte Vertriebsteam begeistert. Eine beeindruckende Bandbreite von Technologien wurde mit einem hohen Detaillierungsgrad kalkuliert.»
Datenqualität und technologische Erweiterungen
So fiel etwa zur Jahresmitte 2023 die Entscheidung für die Einführung von «classmate PLAN» im Vertrieb. «Da wir das Projekt neben unseren Vertriebsaufgaben vorantreiben wollten, haben wir uns bewusst die Zeit für eine detaillierte und belastbare Implementierung genommen», berichtet Tobias Scheffel.
Ausreichende Informationen in den CAD-Modellen sind eine Voraussetzung der automatischen Kalkulation.
(Bild: Simus / Kaysser)
Eine erste Herausforderung für den Projektleiter bildete die Datenqualität: Die STEP-Modelle aus den verschiedenen CAD-Systemen unterschieden sich bezüglich der Datenqualität. Diese Kompatibilitätsprobleme wurden gelöst. Das Team erkannte: «Je höher die Datenkonsistenz, desto besser werden auch die Kalkulationsergebnisse.»
Dies gilt gleichermassen für die Inhalte der Technologie-Datenbank, die jeweils akribisch recherchiert werden mussten, damit alle Leistungen mit den individuellen Daten der Fertigungseinrichtungen abgebildet werden konnten. Wie lang dürfen etwa Teile für die Bearbeitung in der Trovaliertrommel sein?
Für manche Technologien musste Simus Systems neue Möglichkeiten schaffen. So wurde in einem halben Jahr die Kalkulation der Rohr-Laserbearbeitung entwickelt. «Wir können den Aufwand solcher individuellen Anpassungen, die von Simus immer zeitnah umgesetzt worden sind, gut nachvollziehen», sagt Tobias Scheffel. «Nachdem wir Verständnis für die Funktionsweise und Anforderungen von ‹classmate PLAN› entwickelt hatten, war die Zusammenarbeit am Einführungsprojekt sehr professionell und effektiv.»
Stand vom 30.10.2020
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Erfolgreicher Projektabschluss
Seit Oktober 2025 arbeiten Karola Roth, Marco Kurz und Tobias Scheffel als Poweruser mit «classmate PLAN». In internen Schulungen werden nun die Kollegen an die Lösung herangeführt. Doch die Vorteile der neuen Lösung für den Vertrieb zeigen sich bereits jetzt: «Wir sparen erhebliche Zeit im Kalkulationsprozess», sagt Marco Kurz. «Die gewonnenen Freiräume füllen wir mit der Ausarbeitung technisch anspruchsvoller Lösungsansätze.»
Karola Roth, Vetrieb, H. P. Kaysser GmbH + Co. KG: «Wir können nun in deutlich kürzerer Zeit belastbare Angebote abgeben.»
(Bild: Janine Kyofsky)
Ein tieferes Verständnis von Baugruppen, die Kombination von Schweiss- und Zerspanungsprozessen und der Vergleich verschiedener Lösungsansätze kommen schliesslich den Kunden zugute. Eine schnelle Reaktion auf Anfragen mit komplexen Anforderungen wird erleichtert: «Wir können nun in deutlich kürzerer Zeit belastbare Angebote abgeben», freut sich Karola Roth.
«Mit ‹classmate PLAN› erreichen wir eine höhere Kalkulationssicherheit und schliessen kaufmännische wie technische Fehlerquellen aus.»
Jede Kalkulation kann von jedem Mitarbeitenden transparent nachvollzogen werden. Damit sind zwei weitere strategische Vorteile für das Unternehmen verbunden: «Angesichts der kontinuierlich gewachsenen technischen Bandbreite und des hohen technischen Niveaus im Vertrieb ermöglicht die Software eine schnellere und bessere Qualifizierung weiterer Vertriebsmitarbeiter», meint Tobias Scheffel. Die Abhängigkeit von der Kapazität einzelner Kalkulationsspezialisten wird reduziert. «Kollegen können über die Kommentarfunktion und die detaillierten Angaben schnell in die Kalkulationen komplexer Baugruppen einsteigen und die Logik nachvollziehen.»
Digitalisierungslücke Vertrieb geschlossen
Mit der Implementierung von «classmate Plan» im Vertrieb ist H. P. Kaysser ein wichtiger Schritt zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit gelungen. Die Möglichkeit, mehr qualifizierte Angebote zu erstellen, erhöht die Verfügbarkeit am Markt.
Für Hersteller macht es Sinn, Digitalisierungsprojekte im Vertrieb zu beginnen: «Wenn man die Erzeugnisse nicht an den Mann bringt, nutzt auch die beste Digitalisierung der Fertigung nichts», sagt Tobias Scheffel. Wir sind überzeugt, dass ‹classmate PLAN› für den Vertrieb die richtige Lösung ist und stolz darauf, die Software zum Einsatz gebracht zu haben.» In Zukunft soll der Nutzen von «classmate PLAN» weiter ausgebaut und für Arbeitsvorbereitung und Fertigung erschlossen werden.