Im Interview mit Manuel Meier (Inhaber und CEO, IBOR AG), Pirmin Zehnder (CEO) und Mike Kreuzer (Regionaler Verkaufsleiter, beide TOLUS / Newemag) geht es um die Erfolgsgeschichte der IBOR AG, die Rolle von Werkzeugmaschinen und Serviceleistungen sowie um eine auf Vertrauen basierende langjährige Zusammenarbeit. Am Tag des Interviews wurde eine Hedelius Acura in der neuen Produktionshalle der IBOR AG installiert, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert.
In 2006 wurde von Newemag die erste Hedelius geliefert. Seitdem hat sich ein sehr partnerschaftliches Verhältnis entwickelt. Im Bild die jüngste Hedelius, die am Vormittag geliefert und bereits am Nachmittag in der neuen Halle der IBOR AG montiert wurde. V. l. n. r.: Mike Kreuzer (Regionaler Verkaufsleiter, Newemag), Manuel Meier (Inhaber und CEO, IBOR AG) und Pirmin Zehnder (CEO, TOLUS Group).
(Bild: Matthias Böhm)
Wie kam es denn zu der jüngsten Hedelius-Investition, der sechsten Hedelius-Maschine in Ihrem Maschinenpark?
Manuel Meier: Ich war in den Ferien, als der Deal sozusagen von unserem Maschinenbediener, der auf einer baugleichen Hedelius arbeitete, mit einem Newemag-Servicetechniker eingefädelt wurde. Unser Maschinenbediener fragte den Newemag-Spezialisten, ob Newemag noch eine Hedelius Acura auf Lager habe, weil wir aktuell mit dem Auftragsvolumen nicht hinterherkamen. Und tatsächlich, Newemag hatte genau die gleiche Maschine, inklusive Automation, vorrätig. Als ich dann aus den Ferien zurückkam, sagte ich erst: «Das ginge aber erst im nächsten Jahr investitionstechnisch». Als ich dann allerdings sah, wie stark unsere erste Hedelius Acura ausgelastet war, wurde mir klar, dass wir die Gelegenheit sofort nutzen mussten und wir investierten kurzfristig. Übrigens war die erste Acura, die wir vor vier Jahren kauften, ebenfalls eine Ausstellungsmaschine.
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Die Bestellung kam dann vermutlich sehr unerwartet für Newemag.
Pirmin Zehner, CEO der TOLUS Group: «Wie IBOR hier vorgegangen ist, war wirklich vorbildlich.»
(Bild: Matthias Böhm)
Pirmin Zehnder: Absolut, der Kauf erfolgte praktisch ohne Vor-Evaluation. IBOR ging dabei vorbildlich vor und bezog alle Betroffenen ein – vom Maschinenbediener über den VR bis zur Bank. Das spiegelt die starke Unternehmenskultur wider: Die Belegschaft erkennt den Bedarf und agiert sofort. Dank kurzer Wege wird schnell entschieden. Wir mussten die Maschine nur schnell liefern können, was heute, am 1. Juli 2026, geschehen ist.
Herr Meier, die IBOR AG feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum. Sie investieren kontinuierlich in Maschinen und Infrastruktur. Was waren aus heutiger Sicht die wichtigsten Meilensteine?
M. Meier: Der erste Meilenstein war sicher die Gründung der IBOR AG durch Beda Iseli in 1976. Aus heutiger Perspektive war entscheidend, dass wir 2006 den Fokus auf das CNC-Fräsen gelegt haben. Aber nicht nur das, wir haben auf grössere 5-achsige Bearbeitungszentren gesetzt, um grössere und komplexere Bauteile bearbeiten zu können. 2014 haben wir die in 1976 gebaute Halle saniert und zugleich erweitert und konnten dadurch in den Maschinenpark investieren. 2016 feierten wir das 40-jährige Bestehen. IBOR war zu dem Zeitpunkt noch nicht so bekannt auf dem Markt. Wir haben uns dazu entschlossen, IBOR offensiver auf dem Markt zu positionieren, auch gemeinsam mit dem SMM, dem Schweizer Qualitätszulieferer sowie dem Technologiestandort Schweiz.
2018 haben Sie das Unternehmen schliesslich übernehmen dürfen.
M. Meier: Ja, das war sicher ein weiterer Meilenstein. Ich habe in diesem Rahmen eine breit abgestützte Geschäftsleitung gegründet, mit Thomas Bättig, Marco Segattini und Andreas Birrer. Wir haben weiter investiert, zum einen in die Produktion. Wir haben darüber hinaus alle Produktionshallen inklusive Gebäudeautomation und Klimatisierung saniert und modernisiert, zuletzt eine neue Produktionshalle gebaut und vor allem haben wir für unsere Mitarbeitenden Umkleidekabinen, Duschräume und Aufenthaltsräume sehr modern und vor allem grosszügig ausgestattet. Einer der jüngsten Meilensteine ist die Inbetriebnahme unserer grossen Gantry-Portalfräsmaschine, mit der wir Bauteile bis zu 4 × 6 Meter bearbeiten können.
In welche Branchen liefern Sie und in welchen Bereichen verfügen Sie über ein hohes Know-how?
M. Meier: Wir liefern in den Maschinen- und Anlagenbau, den Energiesektor, die Luft- und Raumfahrt sowie die Automation. Mit unserer neuen Portalfräsmaschine erhalten wir im Grossanlagenbau neue Aufträge. Unser Know-how liegt sicher in unseren Mitarbeitenden. Jede unserer Fräsmaschinen verfügt direkt vor Ort über eine eigene CAM-Station, an der unsere Mitarbeitenden die Bauteile direkt neben der Maschine programmieren und anschliessend einfahren können. Das heisst, unsere Mitarbeitenden haben ein sehr komplexes und anspruchsvolles Aufgabenspektrum. 75 Prozent unserer Komponenten sind Neuteile, die wir entsprechend programmieren müssen. Das ist hochgradig anspruchsvoll.
Wir sind heute zusammengetroffen, weil zeitgleich die sechste Hedelius-WZM geliefert und installiert wurde. Welche Stärken besitzen die Maschinen in Bezug auf ihr Fertigungsspektrum?
M. Meier: Vor 20 Jahren wurde die erste Hedelius-Maschine geliefert; heute ist es die sechste. Die Hedelius-Maschinen verfügen über ein enorm praktisches WZM-Konzept. Das merkt man auch bei Servicearbeiten: Alles ist perfekt ausgelegt und einfach zugänglich. Fakt ist, unsere Mitarbeitenden arbeiten richtig gern an den Hedelius-Maschinen. Die Bedienbarkeit der Maschinen ist laut unseren Maschinenoperatoren absolut top. Aber auch aus technologischer Sicht – Arbeitsraum, Präzision, Steuerung (Heidenhain), Flexibilität – passen die Hedelius-Maschinen sehr gut zu unserem Auftragsspektrum. Wir sind im Kleinserien-Spektrum tätig. Das ‹matcht› zu 100 Prozent mit der 22-Palettenautomation der neuen Hedelius Acura. Darüber hinaus sind sie enorm zuverlässig.
Was sind die wichtigsten Kriterien für Sie, wenn es um WZM-Investitionen geht?
M. Meier: Wie angedeutet, muss die WZM «passen». Tatsächlich spielt aber der Service eine sehr wichtige Rolle bei uns. Dieser ist seitens Newemag absolut top. Und wenn sich mit einem WZM-Händler, Kunden oder Lieferanten eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt, dann entwickelt sich daraus oft eine sehr enge Partnerschaft.
Stand vom 30.10.2020
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Herr Zehnder, was macht aus Ihrer Sicht eine solche langjährige Zusammenarbeit so erfolgreich?
P. Zehnder: Wir haben sämtliche in der Schweiz installierten Maschinen digital in unserem System hinterlegt. Diese Datensätze enthalten alle Informationen, die für einen hundertprozentigen Service notwendig sind.
Meldet sich ein Kunde mit einem Servicefall, greifen wir direkt auf die Maschinendaten, Ersatzteile und Baugruppen zu, um ihn effizient zu beraten und schnell zu handeln. In vielen Fällen genügt bereits ein Telefonat, bei dem der Kunde den Fehler selbst beheben kann. Bei komplexeren Herausforderungen rücken unsere Servicetechniker direkt vor Ort an.
Zurück zu IBOR: Das Unternehmen entwickelte sich in den letzten 15 Jahren bemerkenswert positiv. Was sind die Gründe hierfür?
Manuel Meier, Inhaber und CEO der IBOR AG: «Ich würde sicher zuallererst das Team in den Mittelpunkt stellen.»
(Bild: Matthias Böhm)
M. Meier: Ich würde sicher zuallererst das Team in den Mittelpunkt stellen; dadurch haben wir uns dermassen erfolgreich positioniert. Wir sind ein wirklich motiviertes und starkes Team. Natürlich müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Und es braucht Mut zu investieren, und zwar sowohl in Maschinen als auch in die Gebäudeinfrastruktur. Aber letztlich sind es immer unsere Mitarbeitenden, die die Komponenten für unsere Kunden aufnehmen, programmieren und letztlich fertigen und für die Lieferzeiten und die Qualität einstehen. Durch diese Kombination, gepaart mit unseren langjährigen Partnerschaften, war dieser Erfolg letztlich möglich.
Herr Kreuzer, Sie besuchen IBOR regelmässig mehrmals im Jahr, wie sehen Sie die Entwicklung?
Mike Kreuzer: Das IBOR-Team ist technologisch hervorragend aufgestellt und enorm begeisterungsfähig. Man merkt sofort, dass die Mitarbeitenden wirklich Spass an ihrer Arbeit haben, sobald man als Aussenstehender die Produktionshalle betritt. Ich werde im Betrieb stets freundlich empfangen, und die positive Atmosphäre ist im gesamten Unternehmen spürbar.
Kurz gesagt: Ein erstklassiger Maschinenpark und eine hervorragende Infrastruktur. Die Firma besitzt einen echten Innovationsgeist – hier geht es immer vorwärts.
Herr Meier, wie würden Sie die Beziehung zu Newemag aus technologischer und servicetechnischer Sicht einschätzen?
M. Meier: Für unser Teilespektrum und für kleinere Losgrössen sind die Hedelius-WZM perfekt zugeschnitten. Sie verfügen über flexible und integrierte Automationslösungen für Kleinserien. Wir evaluieren regelmässig auch andere Maschinen, aber letztlich investieren wir immer wieder in die Hedelius-WZM, einfach weil unsere Leute wirklich gerne auf den Maschinen arbeiten.
Herr Kreuzer, können Sie etwas zu dem Know-how-Transfer sagen, der zwischen Maschinenlieferanten und Anwendern entsteht und sich ggf. auf die zukünftige Konstruktion der WZM auswirkt?
Mike Kreuzer, Regionaler Verkaufsleiter der Newemag: «Hedelius versteht sich als Werkzeugmaschinenhersteller, der sehr stark auf die Bedürfnisse des Marktes eingeht und die Anlagen entsprechend den Kundenanforderungen konsequent weiterentwickelt.»
(Bild: Matthias Böhm)
M. Kreuzer: Hedelius versteht sich als Werkzeugmaschinenhersteller, der sehr stark auf die Bedürfnisse des Marktes eingeht und die Anlagen entsprechend den Kundenanforderungen konsequent weiterentwickelt. Die dortigen Experten sind regelmässig gemeinsam mit uns vor Ort bei den Anwendern. Erst letzten Monat haben wir mit Hedelius-Technikern mehrere Schweizer Kunden besucht und spannende Gespräche geführt. Die Spezialisten setzen sich persönlich mit den Anwendern auseinander, um massgeschneiderte Lösungen zu entwickeln. Newemag fungiert in der Schweiz als wichtiges Bindeglied zwischen Hedelius und dem Markt. Da das Thema Automation immer wichtiger wird, stehen hier bei IBOR kleinere Losgrössen mit spezialisierten Automationslösungen im Fokus – wobei wir natürlich auch Kunden mit ganz anderen Bedürfnissen bedienen können.
Letzte Frage: Was sind aus Ihrer Sicht die grössten Stärken und Herausforderungen am Werkplatz Schweiz?
M. Meier: Der Schweizer Franken ist eine riesige Herausforderung. Die zweitgrösste Herausforderung sind mangelnde Fachkräfte. Einige Firmen haben Aufträge, aber keine Fachkräfte. Deshalb liegt mir die Ausbildung am Herzen; wir müssen für die Zukunftssicherung die jungen Menschen ausbilden. Man muss erkennen, dass die Serien kontinuierlich kleiner werden, das heisst, die Anforderungen an die Maschinenoperatoren steigen stetig. Angelernte können hier oft nicht mehr eingesetzt werden. Aber auch Chancen sind vorhanden. Es gibt nach wie vor hervorragende Unternehmen mit einem hervorragenden Know-how, die jederzeit wieder hochfahren können, wenn es wieder läuft. Und das ist eine echte Chance, auf die wir vorbereitet sein müssen.
P. Zehnder: Ich kann das nur bestätigen. Wichtig ist, dass man mit den aktuellen Unsicherheiten progressiv umgeht und seinen Weg konsequent weiterverfolgt. IBOR ist hierfür ein hervorragendes Beispiel. Man muss den Mut haben zu investieren – gerade auch in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten.