Trumpf Schweiz: Zunehmender Auftragseingang Lead to Cash – von Digitalisierung profitieren

Redakteur: Konrad Mücke

Die Gefahren um das Corona-Virus begleiten uns nach wie vor. Sicher werden wir uns weitere Wochen und Monate in dieser Ausnahmesituation befinden. Wie verhalten sich die Schweizer Produktionsunternehmen? Über zielführende Wege aus der Krise berichtet Andreas Conzelmann, Geschäftsführer der Trumpf Schweiz AG.

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Vorsichtig optimistisch: Bei Trumpf sind die Produktionsanlagen dank langsam steigender Nachfrage wieder stärker ausgelastet.
Vorsichtig optimistisch: Bei Trumpf sind die Produktionsanlagen dank langsam steigender Nachfrage wieder stärker ausgelastet.
(Bild: Trumpf Schweiz AG)

SMM: Wie schätzen Sie die derzeitige Situation allgemein für die Industrie ein?

Andreas Conzelmann: Meiner Beobachtung nach haben sehr viele Schweizer Produktionsunternehmen gut und richtig reagiert, indem sie einerseits die Schutzmassnahmen schnell und umsichtig umgesetzt haben und andererseits die Flexibilität innerhalb der Wertschöpfungskette erhalten haben. So wurden trotz des Rückgangs im Auftragseingang der Schweizer MEM-Industrie von etwa 10 Prozent im Jahr 2020 nur in moderatem Umfang Stellen abgebaut. Das Instrument der Kurzarbeit wurde genutzt und hat Wirkung gezeigt. Trotzdem herrscht nach wie vor eine grosse Unsicherheit und viele unserer Kunden verhalten sich zurückhaltend hinsichtlich Investitionen in Maschinen und Laseranlagen.

Wie wirken sich die Massnahmen der öffentlichen Verwaltung und der Regierung gegen die Ausbreitung des Virus auf Ihre aktuelle Geschäftstätigkeit aus?

A. Conzelmann: Wir stehen grundsätzlich hinter allen Massnahmen des Bundesrates und der Kantonsregierungen der Kantone Graubünden, Zug und Thurgau, in denen wir Standorte haben. Die Exekutive stand in den letzten zwölf Monaten zum Teil massiv in der Kritik, vor allem von denjenigen, die keine Verantwortung tragen. Ich habe höchsten Respekt vor der Schweizer Regierung und bin der Meinung, dass der Bundesrat und die Kantone – unter Berücksichtigung der schwierigen Situation – gut und richtig gehandelt haben. Wir haben jeweils flexibel reagiert und alle Massnahmen über eine Ampellogik gesteuert. Beispiele hierfür sind eine Homeoffice-Quote zwischen 0 und 100 Prozent oder die Reduktion von Besuchen bei Kunden auf das absolut notwendige Minimum. Insofern wurde unsere Geschäftstätigkeit kaum eingeschränkt.

Wie reagieren Sie auf die aktuelle Situation?

A. Conzelmann: Wir haben seit dem 18. Januar bei der Trumpf Schweiz AG die Phase Rot angewandt. Das bedeutet, dass alle Mitarbeitenden, deren Tätigkeit es erlaubt, im Homeoffice arbeiten. Interne und externe Meetings finden fast ausschliesslich über Videokonferenzen statt. Reisetätigkeiten bleiben auf ein Minimum reduziert. Das bedeutet, dass in Asien benötigte Servicemitarbeiter aktuell über mehrere Monate dort bleiben, um das Risiko niedrig zu halten. Unsere Mitarbeiter haben sich in den letzten Monaten vorbildlich verhalten, was sich in den sehr niedrigen Infektions- und Quarantänezahlen unserer Mitarbeitenden zeigt. Ausserdem nehmen wir an den Betriebstests des Kantons Graubünden teil, um Infektionsketten zu stoppen.

Wie sorgen Sie für anhaltenden Kontakt zu Kunden?

A. Conzelmann: Wir nutzen – wo immer möglich – die Medien, das Telefon oder Videokonferenzen, um unsere Kunden und unsere Mitarbeitenden bestmöglich zu schützen. Viele unserer Kunden sind schon seit vielen Jahren unsere Geschäftspartner. Da fällt es leicht, über einen gewissen Zeitraum vermehrt telefonisch oder über eine Videokonferenz zu kommunizieren. Selbstverständlich sind wir weiterhin regelmässig bei unseren Kunden vor Ort, sofern es um wichtige Meetings oder die Installation von neuen Maschinen oder Lasern geht. Kundennähe ist und bleibt einer unserer zentralen Unternehmenswerte.

Wie agieren Sie im Marketing allgemein, um neue Kundenkontakte zu finden?

A. Conzelmann: Digitales Marketing ist schon seit Jahren essenziell, um mit unseren Kunden auf mehreren Kanälen in Kontakt zu treten. Dabei spielt Online-Marketing eine zunehmend wichtige Rolle. Beispielsweise erreichen wir neue Kunden auf Social Media wie LinkedIn, worüber auch digitale Live-Produktvorführungen angeboten werden, welche normalerweise in unseren Vorführzentren für Kunden durchgeführt werden oder auf Messen stattfinden. Zudem – dank Online-Werbungen – finden unsere potenziellen Kunden unsere produktspezifischen Lösungen im Internet besser. Seit etwa zwölf Monaten setzen wir noch stärker auf digitale Formate, um mit unseren Kunden im Dialog zu bleiben – das gilt entlang der gesamten Prozesskette, also «Lead-to-Cash». So führen wir mittlerweile auch Kundenabnahmen von Maschinen bei uns im Haus über digitale Medien durch.

Was planen Sie längerfristig im Marketing – Stichworte (Haus-)Messen, Digitalisierung, direkten Kundenkontakt per Aussendienst, Web- oder Podcast – für das laufende Jahr?

A. Conzelmann: Wir kombinieren digitale Formate mit Präsenzveranstaltungen. So wird unsere traditionelle Hausmesse Intech am 22. und 23. März 2021 bereits zum zweiten Mal als digitale Veranstaltung stattfinden. Neben einem Liveprogramm mit Technologievorträgen bieten wir Expertenrunden und virtuelle Rundgänge zu Themen wie Intralogistik, Smart Services und Visual Assistance an. Die hohe Anzahl teilnehmender Kunden im letzten Jahr und das positive Feedback haben gezeigt, dass wir mit diesem Format einen wirklich guten Dialog mit unseren Kunden führen können. Zusätzlich bieten wir unseren Kunden vom 27. bis 30. April die Möglichkeit, unsere Smart Factory am Stammhaus in Ditzingen zu besuchen. Unsere digitale Fabrik, in welcher 30 Maschinen miteinander vernetzt sind, wurde im Oktober 2020 eröffnet. Wir zeigen dort unter anderem smarte Logistik, fahrerlose Transportsysteme oder Track-and-Trace-Lösungen. Des Weiteren nehmen wir an digitalen Messen teil, zum Beispiel an der Innoteq.digital am 19. und 20. Mai 2021. Gleichzeitig wird unser Angebot an Webinaren in unterschiedlichen Bereichen erweitert.

Welche Erwartungen und Pläne haben Sie für Ihre Produktionsstätten in der Schweiz?

A. Conzelmann: Die Auftragslage – insbesondere bei den Exportmärkten – hat sich seit dem Sommer 2020 bereits wieder verbessert und wir haben aktuell – unter Berücksichtigung der aktuellen Lage – einen guten Auftragseingang. Wir profitieren dabei beispielsweise vom stark wachsenden Markt in China und der steigenden Nachfrage im Bereich Elektromobilität. Die Auslastung unserer Montagelinien steigt derzeit von Monat zu Monat an und wir unterhalten uns aktuell wieder über Themen wie Samstagsarbeit anstatt über Kurzarbeit. Trotzdem birgt die Pandemie noch Unsicherheiten und Gefahren, deshalb beobachten wir die Situation weltweit sehr aufmerksam.

Wie bereiten Sie sich auf die Zeit nach den Einschränkungen vor – Stichworte Innovation, digitalisierte Prozesse extern und intern?

A. Conzelmann: Trumpf hat vor etwa einem Jahr den «Future Workplace» eingeführt. Dies ist der neue, digitale Arbeitsplatz in unserem Haus für eine moderne Kommunikation und Zusammenarbeit. Mit ihm stehen unseren Mitarbeitenden nicht nur neue Tools und Softwareanwendungen zur Verfügung, sondern auch die Zusammenarbeit wird revolutioniert und Cloudworking etabliert. Der Future Workplace bietet virtuelle Arbeitsräume für Abteilungen, Gruppen und bereichsübergreifende Projekte. Er vereinfacht darüber hinaus mobiles und vom Standort unabhängiges Arbeiten und berücksichtigt die Zusammenarbeit mit externen Partnern. Trotzdem sind unsere Mitarbeitenden immer noch der zentrale und wichtigste Faktor bei der Entwicklung von neuen Lösungen für unsere Kunden. Dies gilt für den Denk- und Werkplatz Schweiz und auch weltweit.

Welche Erwartungen haben Sie an die allgemeine geschäftliche Entwicklung im Jahr 2021 – landesintern, international?

A. Conzelmann: Wir gehen nach heutigem Kenntnisstand von einer weiteren Erholung der Situation aus. Das hängt natürlich von vielen Faktoren ab, insbesondere wie alle Regionen weltweit die Covid-19-Pandemie in den Griff bekommen, damit die internationalen Wertschöpfungsketten weiter funktionieren. Der Schweizer Markt blieb im Jahr 2020 auf einem relativ stabilen Niveau, während unsere Exporte aufgrund des Shutdowns in vielen Ländern während der ersten Pandemiewelle relativ stark einbrachen. Dagegen sehen wir aktuell einen starken Anstieg der Auftragseingänge in Asien und – sofern die USA die Pandemie in den Griff bekommt – erwarten wir auch dort eine Erholung mit dem neuen Präsident Joe Biden. Alles in allem blicken wir vorsichtig optimistisch ins Jahr 2021.

Herr Conzelmann, vielen Dank für diese ausführlichen Erläuterungen.

Das Gespräch mit Andreas Conzelmann, Geschäftsführer Trumpf Schweiz AG, führte unser Redaktor Konrad Mücke. SMM

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