Suchen

Instandhaltung Prävention bei Instandhaltungsarbeiten wirkt

Redakteur: Bernhard Herzog

>> Jeden Monat stirbt in der Schweiz im Rahmen von Instandhaltungsarbeiten ein Mensch. Oft bleiben Betroffene durch Abstürze, Stromschläge und Explosionen invalid. Dies zeigt, dass die Gefahren bei Instandhaltungs- und Unterhaltsarbeiten schnell unterschätzt werden. Die Suva will das ändern und hat die Präventionskampagne «Sichere Instandhaltung» lanciert. Wie wirkungsvoll eine systematische Instandhaltung ist, zeigt die Post.

Firma zum Thema

Durch ein persönliches Vorhängeschloss am Revisionsschalter wird sichergestellt, dass die Anlage vor Beginn der Instandhaltungsarbeiten ausgeschalten ist.
Durch ein persönliches Vorhängeschloss am Revisionsschalter wird sichergestellt, dass die Anlage vor Beginn der Instandhaltungsarbeiten ausgeschalten ist.
(Bild: Suva)

Seit einem Jahr engagiert sich die Instandhaltung Post Mail für die sichere Instandhaltung. Rolf Piana, Leiter Instandhaltung bei der Briefsortierung, zieht Bilanz.

SMM: Weshalb haben Sie sich entschieden, diese Kampagne der Suva umzusetzen?

Rolf Piana: Ein Grund war sicher, weil die Kampagne dazu anregt, sich hinzusetzen und einmal in aller Ruhe zu überlegen: Was machen wir täglich, das gefährlich werden könnte?

Bildergalerie

Wo lauern die grössten Gefährdungen für die Mitarbeitenden im Briefzentrum Härkingen?

R. Piana: In der Produktionshalle besteht die Gefahr, bei Arbeiten in der Höhe abzustürzen. Deshalb haben wir bei Podesten und Aufstiegen nachgerüstet. Jetzt können die Mitarbeitenden sicherer und erst noch effizienter arbeiten. Ebenfalls problematisch sind die Transportwege unten in der Halle, sie sind ziemlich eng. Wenn dort die Transportwagen mit den Paletten zirkulieren, besteht das Risiko von Kollisionen mit Personen.

Welches sind heikle Punkte bei den Maschinen? Wo treten am ehesten Störungen auf?

R. Piana: Die meisten Störungen haben wir bei der Behälterfördertechnik. Jeden Tag laufen rund 120 000 Briefbehälter auf Förderbändern durch die Halle. Wenn dort auch nur die Ecke eines Briefes herausschaut, kann es sein, dass der gesamte Förderablauf gestört wird. Dann dauert es keine 5 Minuten und ein ganzer Bereich der Fördertechnik steht still. Die Störung muss dann so rasch wie möglich behoben werden. Der Zeitdruck in einer solchen Situation bedeutet eine zusätzliche Gefährdung für die Mitarbeitenden der Instandhaltung.

Welche Massnahmen haben Sie getroffen, um die Risiken bei solchen Störungen zu senken?

R. Piana: Es gibt eine interne Regelung für alle Mitarbeitenden in der Instandhaltung sowie eine spezielle Matrix für das Tragen der persönlichen Schutzausrüstung. Aus der Matrix lässt sich leicht ablesen, für welche Arbeit man welche Ausrüstung tragen muss. Bei den Anlagen sind wir gleich vorgegangen: Es ist klar definiert, wer bei einer Anlage was, wann, wie machen muss, damit sicher und effizient gearbeitet werden kann.

Wie wird bei einer abgestellten Maschine sichergestellt, dass sie während Wartungsarbeiten nicht unerwartet anlaufen kann?

R. Piana: Bei uns hat jeder Mitarbeiter ein persönliches Vorhängeschloss mit seinem Namen aufgedruckt. Damit kann er abgeschaltete Maschinen sichern, so dass keine andere Person sie einschalten kann. Wenn jemand neu ist bei uns, erhält er als Instruktion ein Merkblatt und der Vorgesetzte erklärt ihm genau, worauf es ankommt.

Sie haben Ihren Mitarbeitenden auch die acht lebenswichtigen Regeln für die Instandhaltung von Maschinen und Anlagen kommuniziert. Wie sind Sie da vorgegangen?

R. Piana: Es wurde eine Schulung mit Unterstützung der Suva durchgeführt. Diese ist bei unseren Mitarbeitenden sehr gut angekommen. Es waren alle mit dabei, vom Mitarbeiter, der einfache Arbeiten an den Maschinen verrichtet, bis zum Teamleiter der Instandhaltung.

Wird gutes und sicheres Verhalten von Mitarbeitenden gelobt und anerkannt?

R. Piana: Ja, die Mitarbeitenden erhalten eine Rückmeldung, wenn ich durch den Betrieb gehe. Das Gleiche machen auch die Teamchefs der Instandhaltung. Auch gibt es für Leute, die sicher arbeiten, jeweils am Jahresende ein kleines Präsent.

Können die Mitarbeitenden auchVerbesserungsvorschläge machen?

R. Piana: Wir haben Briefkästen aufgestellt, dort kann man ein Anliegen deponieren. Und wer nicht schreiben möchte, kann direkt den Teamleiter ansprechen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Jeden Monat haben wir eine Instandhaltungs-Sitzung. Dort werden die Vorschläge besprochen, angeschaut und Verbesserungsmöglichkeiten, zum Beispiel ein Schutzverdeck an einer Maschine nachrüsten, sofort und möglichst einfach umgesetzt.

Wie ist es mit Beinahe-Unfällen, sind sie ein Thema in Ihrem Betrieb?

R. Piana: Für Beinahe-Unfälle haben wir ein spezielles Tool. Damit kann man sowohl Beinahe-Unfälle wie auch Betriebs- und Nichtbetriebsunfälle erfassen. Wenn sich so ein Zwischenfall ereignet, ist es wichtig, dass der Teamleiter dies sofort dokumentiert. Sonst gehen diese Informationen meist schnell vergessen.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den die Suva betont, ist das Stopp-Sagen in einer kritischen Arbeitssituation. Wie verhalten sich hier Ihre Mitarbeitenden?

R. Piana: Wir haben alle Mitarbeitenden aufgefordert, wenn es gefährlich wird, auch wirklich stopp zu sagen und die Arbeit nicht weiterzuführen. Dazu gab es schon ganz konkrete Situationen, das letzte Mal etwa vor zwei Monaten. Beim Warenausgang gab es ein Problem mit den Robotern. Ein Roboterarm hatte sich verklemmt, und dadurch kippte ein Wagen. Das war eine extrem gefährliche Situation, weil ein solcher Wagen 450 Kilo wiegt und jemanden hätte erschlagen können. Stopp sagen wird von der Geschäftsleitung gefördert, weil wir Unfälle um jeden Preis vermeiden wollen.

Was hat die Instandhaltungskampagne dem Briefzentrum konkret gebracht? Wie lautet Ihr Fazit ein Jahr nach Kampagnenstart?

R. Piana: Noch vor einem Jahr hatten wir mit 6,9 Arbeitsunfällen auf 100 Mitarbeiter gerechnet. Das schien der Geschäftsleitung sehr viel. Das Ziel, das wir uns gesteckt haben, waren nicht mehr als drei 3 Arbeitsunfälle pro Jahr. Und bis jetzt, Stand November 2012, waren es noch 3,1 Unfälle auf 100 gerechnet. Das ist ein grosser Erfolg, der sich auch bei den Mitarbeitenden bemerkbar macht. Es hat ein Umdenken stattgefunden. Früher verstanden sie die Suva als eine Kontrollinstanz. Aber jetzt, wo die Suva bereits mehrmals in unserem Betrieb war, sehen die Leute, dass sie nicht nur kontrolliert, sondern auch zeigt, wie man sicherer arbeiten kann. Die Haltung gegenüber der Suva hat sich stark verändert. Auch deshalb hat sich die Kampagne zur Instandhaltung für uns gelohnt, sie ist wirklich eine gute Sache. <<

(ID:37536320)