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Interview mit Andreas Conzelmann - Trumpf Schweiz AG Produktion und Service aufrechterhalten

Redakteur: Konrad Mücke

Wie bleibt man in der derzeit sehr speziellen Situation kompetenter Ansprechpartner für Kunden? Welche Ziele hat ein Maschinenhersteller gerade jetzt? Was erwartet er von Politik und Verwaltung? Antworten von Andreas Conzelmann, Geschäftsführer Trumpf Schweiz AG.

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Andreas Conzelmann
Andreas Conzelmann
(Bild: Trumpf Schweiz)

SMM: Wie wurde Ihr Unternehmen von der Covid-19-Pandemie insgesamt getroffen und wie hat Ihr Unternehmen reagiert?

Andreas Conzelmann: Wir waren sehr stark betroffen. Erstens ging der Auftragseingang während des Lockdowns sehr stark zurück und nachgelagert auch der Umsatz. Zweitens war es eine riesige Herausforderung, die Betreuung unserer Kunden, den operativen Betrieb und die Wertschöpfungsketten für die in der Schweiz hergestellten Lösungen und Produkte aufrechtzuerhalten. Das ist uns – trotz grosser Schwierigkeiten – sehr gut gelungen. Wir konnten jede Woche produzieren. Wir haben zu keinem Zeitpunkt kundenrelevante Bereiche wie den Vertrieb und Service und auch die Produktion geschlossen, obwohl wir aufgrund der geringen Auslastung mit den meisten Bereichen in Kurzarbeit waren. Die dritte und wichtigste Herausforderung war der bestmögliche Schutz unserer Mitarbeitenden und Geschäftspartner.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat die aktuelle Situation auf Ihr Unternehmen? Wie sind die Auswirkungen auf die Entwicklung von Umsatzvolumen und Auftragseingang verglichen mit dem Vorjahr?

A. Conzelmann: Der Auftragseingang während des Lockdowns ging um bis zu 40 Prozent im Vergleich zu den Vorjahresmonaten zurück. Auf das gesamte Geschäftsjahr gerechnet, gehen wir von einem Covid-19-bedingten Umsatzrückgang von 15 Prozent aus.

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Welche Massnahmen haben Sie innerhalb Ihres Unternehmens umgesetzt, um die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter zu schützen?

A. Conzelmann: Wir haben sofort einen Krisenstab etabliert und einen Zehn-Punkte-Massnahmenplan umgesetzt. Dazu gehörten beispielsweise eine Homeofficequote für Büroarbeitsplätze von 50 Prozent oder sogar 100 Prozent während des Lockdowns, die Reduktion der Platzzahl im Betriebsrestaurant auf ein Viertel, die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln und Masken, die Einführung einer Maskenpflicht bei Bewegungen in Gebäuden oder sofern der Mindestabstand nicht einge­halten werden kann und eine massive Reduktion der Besuche und Reisetätigkeiten.

Wir haben – trotz Homeoffice und Kurz­arbeit – sehr häufig und umfangreich mit allen Mitarbeitern kommuniziert, so haben wir zum Beispiel Mitarbeiterinformationen mit über 600 Teilnehmern per Videokonferenz durchgeführt. Analog zu den verschiedenen Stufen des BAG haben wir bei uns ein Ampelsystem mit Grün, Gelb, Orange und Rot eingeführt und die Massnahmen in verschiedenen Härtegraden dem jeweiligen Ampelstatus zugeordnet. Wir sind bei den Massnahmen teilweise über die BAG-Empfehlungen hinausgegangen. Diese Massnahmen haben sich bisher gut bewährt, so hatten wir im Zeitraum von April bis August 2020 bei über 600 Mitarbeitenden keinerlei Infektionen bei Trumpf in der Schweiz zu verzeichnen.

Homeoffice ist nur teilweise möglich. In der Produktion praktisch nicht. Welche Massnahmen haben haben Sie in Ihrer Produktion getroffen?

A. Conzelmann: Um die Mitarbeiter in der Produktion – das Herzstück von Trumpf, um Lösungen und Produkte für unsere Kunden herzustellen – bestmöglich zu schützen, haben wir – neben den üblichen Desinfektions- und Abstandsregelungen – den Zutritt in die Produktion für andere Mitarbeiter stark eingeschränkt. Wir haben die Zahl der Kontakte innerhalb der Produktion reduziert, indem wir die Häufigkeit von Meetings sowie die Zahl der Teilnehmer eingeschränkt haben, und haben im Betriebsrestaurant Blockzeiten eingeführt, damit sich unterschiedliche Teams dort nicht vermischen. Bei den Führungskräften im Bereich Produktion haben wir zwei Teams gebildet, die abwechselnd anwesend waren, um den Betrieb – im Fall der Notwendigkeit einer Quarantäne – aufrechterhalten zu können.

Wie haben Ihre Mitarbeitenden auf die Massnahmen reagiert?

A. Conzelmann: Natürlich sind die Einführung einer Maskenpflicht bei der Bewegung in den Gebäuden und weitere Massnahmen nicht überall sofort auf Gegenliebe gestossen. Da wir unsere Massnahmen und die Situation bezüglich Covid-19 bei Trumpf regelmässig an alle Mitarbeiter kommuniziert haben, wurden die Massnahmen verstanden und gut akzeptiert.

Was ist aus Sicht Ihres Unternehmens notwendig, um die Pandemie so gut wie möglich zu überstehen?

A. Conzelmann: Wir müssen weiterhin sehr konsequent auf den Schutz unserer Mitarbeitenden und Geschäftspartner achten. Wir müssen die Wertschöpfungsketten stabil halten. Die Betreuung unserer Kunden hat absolut oberste Priorität und gerade in schwierigen Zeiten werden wir alles tun, um unsere Kunden bestmöglich zu unterstützen. Ausserdem müssen wir die Zeit der Krise sinnvoll nutzen, um einerseits weiter an innovativen Lösungen für unsere Kunden zu arbeiten und andererseits unsere internen Prozesse noch effizienter zu machen.

Die Covid-19-Situation ist eine absolute Ausnahmesituation. Welche positiven Erkenntnisse haben Sie aus der Situation gezogen?

A. Conzelmann: Für mich persönlich sind drei Erkenntnisse wichtig. Erstens: Das grösste Kapital eines Unternehmens sind dessen Mitarbeiter, vor allem in schwierigen Zeiten sind kompetente, engagierte und motivierte Mitarbeiter das Wichtigste.

Zweitens: Homeoffice ist eine gute Option und wird zukünftig stärker genutzt werden. Trotzdem lebt die Zusammenarbeit eines Teams eben davon zusammenzuarbeiten. Die Zusammenarbeit hat nicht die gleiche Qualität, wenn das ganze Team sich im Homeoffice befindet und viele Personen per Video-Chat kommunizieren. Viele gute Ideen entstehen in der Kaffeepause.

Drittens: Wir können auf einen Teil der Reisetätigkeit verzichten und so zum einen Reisezeit einsparen und zum anderen einen Beitrag für nachhaltiges Wirtschaften leisten.

Was erwarten Sie von der Zusammenarbeit mit der öffentlichen Verwaltung, was fordern Sie von der Politik?

A. Conzelmann: Politik und Gesellschaft sollten alles dafür tun, damit wir einen zweiten Lockdown vermeiden, welcher für viele Firmen in der Schweiz und weltweit sehr schwierig zu verkraften wäre. Der Schutz der Mitarbeitenden und die Aufrechterhaltung der Wertschöpfungsketten hat sicherlich oberste Priorität. Auch wichtige und zwingend notwendige Reisen in den Bereichen Vertrieb und Service müssen problemlos möglich sein.

Bisher wurden wir vom Kanton hervorragend unterstützt, insbesondere auch bei der Umsetzung der Kurzarbeit durch vereinfachte administrative Verfahren und beispielweise durch Entfall der Karenztage. Sollte die schwierige Situation anhalten, ist es absolut notwendig, dass wir weiterhin die volle Unterstützung des Kantons und Bundes haben und die Politik den Denk- und Werkplatz Schweiz schnell und unbürokratisch unterstützt.

Herr Conzelmann, vielen Dank für die Informationen. SMM

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