KOF-Konjunkturprorgnose Schweizer Konjunktur zeigt sich robust

Von Susanne Reinshagen

Die Schweizer Wirtschaft wird gemäss der KOF Konjunkturprognose in diesem Jahr um knapp 3 Prozent zunehmen – allerdings nur im günstigen Szenario. Anders sieht es aus, wenn sich die Ukraine-​Krise ausweitet, dann verbliebe 2022 nur noch ein BIP-​Wachstum von einem Prozent.

Anbieter zum Thema

Die Inflation in der Schweiz soll gemäss KOF für 2022 und 2023 moderat bleiben.
Die Inflation in der Schweiz soll gemäss KOF für 2022 und 2023 moderat bleiben.
(Bild: geralt / Pixabay )

Mit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine am 24. Februar und den dadurch ausgelösten Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland, befindet sich die Weltwirtschaft erneut im Krisenmodus. Der Aufschwung der Wirtschaft im Zuge der vielerorts gelockerten oder ganz aufgehobenen Massnahmen zur Eindämmung des Corona-​Virus wird damit derzeit durch neue negative Schocks belastet. Kurzfristig spürt die Wirtschaft die Auswirkungen des Krieges in den markant angestiegenen Energie-​ und Rohstoffpreisen. Der Handel mit Russland ist in allen Bereichen ausser jenem mit Energie praktisch zum Stillstand gekommen. Da in der Schweiz viele im internationalen Rohstoffhandel tätige Firmen ansässig sind, könnte es bei weiteren, umfassenderen Embargos als bis anhin zu einem empfindlichen Wertschöpfungsverlust kommen. Schlussendlich könnte sich die Verunsicherung angesichts der Gefahr weiterer Eskalationen bis hin zu militärischen Angriffen auf weitere Staaten in der Region, negativ auf die Konsum-​ und Investitionsneigung auswirken. Selbst wenn es relativ bald zu einem Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland kommen sollte, hat dieser Krieg die geopolitische Lage und damit die Weltwirtschaft nachhaltig verändert.

Günstiges Szenario: BIP-​Zuwachs von 2.9 Prozent

Ohne den russischen Einmarsch in die Ukraine (ein fiktives Szenario, siehe Kasten unten) hätte der Zuwachs des Bruttoinlandprodukts (BIP) in diesem Jahr wohl nahe bei 3.2% gelegen. Gegenüber dieser fiktiven Wachstumsrate, die massgeblich durch die Erholung nach Aufhebung der Pandemiemassnahmen angetrieben würde, beziffert die KOF den BIP-​Anstieg nun im günstigen Szenario mit 2.9%. In diesem Szenario bleiben die wirtschaftlichen Folgen des Krieges auf die Weltwirtschaft mehrheitlich auf das zweite Quartal 2022 beschränkt, auch wenn viele der Sanktionen gegenüber Russland länger in Kraft bleiben werden. Da aber weder Russland noch die Ukraine, bedeutende Handelspartner der Schweiz sind, ist der Schaden einer Unterbrechung der Handelsströme im günstigen Szenario begrenzt, auch wenn einzelne Unternehmen drastisch betroffen sein werden.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Negativszenario: BIP-​Anstieg von 1 Prozent

Im Negativszenario unterstellt die KOF einen vollständigen Stopp aller russischen Energie-​ und Rohstoffexporte auch in die EU. Die Energiepreise werden nochmals massiv steigen und es käme in einigen europäischen Ländern vermehrt zu Produktionseinschränkungen. Die ausländische Nachfrage nach Schweizer Produkten würde sinken. Es wird zudem unterstellt, dass der Handel mit russischen Rohstoffen in der Schweiz gestoppt würde. Weiterhin geht die KOF in diesem Negativszenario von einer schnellen und kräftigen Aufwertung des Schweizer Franken aus. Unter diesen Annahmen betrüge die Wachstumsrate des BIP im Jahr 2022 nur noch 1%.

Im Negativszenario droht ein Anstieg der Arbeitslosigkeit

Der Unterschied zwischen dem Negativszenario und dem günstigen Szenario ist am ausgeprägtesten im zweiten Quartal 2022: Während im günstigen Szenario eine moderate, aber positive Wachstumsrate prognostiziert wird, fällt sie im Negativszenario in die Nähe von annualisiert -6%. Eine Rezession im technischen Sinne (definiert als zwei negative Quartale in Folge) wäre aber nicht zu verzeichnen, da das BIP-​Wachstum im dritten Quartal durch einen kleinen Rückpralleffekt wieder leicht positiv ausfällt. Die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten bleiben aber im dritten Quartal weiterhin stark unterausgelastet. In diesem Negativszenario wäre zudem der Arbeitsmarkt unter Druck. In stark betroffenen Branchen, wie etwa in Teilen des Verarbeitenden Gewerbes, käme es zu einem mehrere Quartale andauernden Stellenabbau.

Die Inflation in der Schweiz bleibt moderat

Der aktuelle Anstieg der Inflation im In- und Ausland hat mit der Ukraine-​Krise eine qualitative Veränderung erfahren. Aufgrund des Krieges dürfte die Inflation stärker steigen und nicht ganz so schnell zurückgehen, wie zuvor angenommen wurde. Es gibt erste Anzeichen dafür, dass sich die langfristigen Inflationserwartungen in der Schweiz bereits erhöht haben könnten. Im Unterschied zu anderen Teilen Europas und den USA, wo die Inflation schon zum zweistelligen Bereich tendiert, kann für die Schweiz aber noch Entwarnung gegeben werden: Im günstigen Szenario werden die Schweizer Konsumentenpreise im Jahr 2022 um 1.6% steigen, im Jahr 2023 geht der Anstieg aber bereits auf 0.8% zurück. Im Negativszenario überschreitet die Teuerung mit 2.8% (2022) und 1.2% (2023) temporär den von der SNB als Preisniveaustabilität angesehenen Bereich von bis zu 2%.

Gefährliche Virusvarianten bleiben ein Prognoserisiko

Die KOF nimmt für alle Szenarien an, dass es nicht zur Wiedereinführung von Kontaktbeschränkungen kommen wird. Nach dem für die Schweiz zugrunde gelegten Endemieszenario werden COVID-​19-Krankheitsfälle zum Alltag gehören und die Aktivitäten der Gesunden kaum mehr beeinträchtigen. Da die Pandemie aber noch lange nicht ausgestanden sein dürfte, was das Risiko des Auftretens neuer und wieder gefährlicher Virusvarianten birgt, und darüber hinaus noch nicht klar ist, wie lange die jetzige Immunität in der Schweizer Bevölkerung gegenüber den jetzt zirkulierenden Varianten anhalten wird, könnte sich das unterstellte Endemieszenario im Nachhinein als zu optimistisch erweisen.<<

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:48116067)