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BAK Economics prognostiziert Rezession Shutdown: Jede Woche kostet 4 Mrd. CHF

| Redakteur: lic.rer.publ. Susanne Reinshagen

Mit der Entwicklung des Coronavirus zur globalen Pandemie verschlechtern sich die Rahmenbedingungen für die Schweizer Wirtschaft im Tagesrhythmus. BAK Economics geht davon aus, dass eine Rezession nicht mehr zu vermeiden ist, und prognostiziert einen Rückgang des Schweizer BIP in Höhe von - 2.5 Prozent im Jahr 2020.

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Die Corona-Pandemie zwingt Staaten weltweit zu drastischen Massnahmen. Die Umsetzungd des Social Distancing, die Schliessung von Grenzen und die Unterbrechung von Zulieferketten fühen zur Schliessung vieler Betriebe. Die Auswirkungen auf die globale und nationale Wirtschaft sind enorm, umso mehr, je länger der Shutdown anhält.
Die Corona-Pandemie zwingt Staaten weltweit zu drastischen Massnahmen. Die Umsetzungd des Social Distancing, die Schliessung von Grenzen und die Unterbrechung von Zulieferketten fühen zur Schliessung vieler Betriebe. Die Auswirkungen auf die globale und nationale Wirtschaft sind enorm, umso mehr, je länger der Shutdown anhält.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die rasante Ausweitung des Coronavirus stellt sowohl die globale Wirtschaft als auch die Schweiz vor grosse Herausforderungen. Die vielerorts eingeführten Schutzmassnahmen (Einschränkung des Flugverkehrs, Schul-, Geschäfts- und Grenzschliessungen, Absage von Events, Ausgangsverbote etc.) werden die globalen Konsumausgaben im ersten Halbjahr erheblich bremsen. Die Unternehmen leiden auf der Nachfrageseite unter den wegbrechenden Aufträgen. Hinzu kommen angebotsseitige Probleme, da viele globale Lieferketten unterbrochen sind und zahlreiche Unternehmen ihre Produktion zum Schutz der Belegschaften anhalten. Als zusätzliche Belastung für den privaten Konsum und die Investitionen erweist sich die aussergewöhnlich hohe Unsicherheit.

Globale Rezession

BAK Economics rechnet daher im ersten Halbjahr 2020 mit einer globalen Rezession. Im Unterschied zur globalen Finanzkrise des Jahres 2009 stehen hierbei vor allem die privaten Konsumausgaben im Zentrum. Der wirtschaftliche Stillstand ist die Nebenwirkung der verabreichten Vorsorgemassnahmen, welche eine ungebremste Ausbreitung des Virus verhindern sollen. In der Folge leidet daneben auch der Industriesektor durch Produktionsunterbrüche und nachlassende Nachfrage. Unter der Voraussetzung, dass das Coronavirus erfolgreich eingedämmt werden kann und die Schutzmassnahmen im Verlauf des zweiten Quartals wieder weitgehend aufgehoben werden (siehe Kasten zum Corona-Szenario), dürfte die globale Konjunktur nach dem tiefen Fall wieder deutlich Fahrt aufnehmen. Eine weitere grundlegende Voraussetzung hierfür ist, dass die Massnahmen der Zentralbanken sowie die fiskalischen Rettungspakete dazu führen, dass eine globale Liquiditäts- und Finanzkrise verhindert werden kann.

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Das der BAK-Prognose zugrundeliegende Corona-Szenario

BAK geht für die Prognose (Stand 23.03.2020) davon aus, dass die ergriffenen Massnahmen zum Social Distancing und die Mobilitätsbeschränkungen bis Anfang/Mitte Mai aufrechterhalten werden. BAK nimmt für die Prognose auch an, dass diese Massnahmen allmählich Wirkung zeigen und nicht nochmals wesentlich verschärft werden müssen. Insbesondere bleibt der Zugang zu Arbeitsplätzen weitgehend möglich. Daran schliesst sich eine Phase der schrittweisen Aufhebung der Restriktionen und eine Normalisierung des Wirtschaftslebens an, die bis in den Juli 2020 reichen dürfte. Zu Beginn des zweiten Halbjahres ist die Gesundheitskrise dann in der Schweiz und auch weltweit überwunden, zu einer späteren zweiten grossen Erkrankungswelle kommt es gemäss es diesem Szenario nicht.

Privater Konsum als Stütze fällt weg

Veränderung des realen BIP gegenüber Vorquartal in %,Quartalsverlauf bereinigt um Sportgrossereignisse.
Veränderung des realen BIP gegenüber Vorquartal in %,Quartalsverlauf bereinigt um Sportgrossereignisse.
(Bild: BAK Economics, BFS)

Auch die Schweizer Wirtschaft wird im ersten Halbjahr in die Rezession rutschen. Am stärksten fällt der Rückgang bei den Dienstleistungsexporten aufgrund des Einbruchs der Tourismusnachfrage und der Absagen sämtlicher Events aus. Hinzu kommt der Wegfall der Lizenzeinnahmen durch die Verschiebung der Fussball-EM sowie der Olympischen Spiele. Aber auch der Aussenhandel, die Ausrüstungsinvestitionen und der private Konsum wer-den aufgrund der Schutzmassnahmen und der Investitions- und Konsumzurückhaltung kräftig sinken. Ein Abschwung in dieser Breite stellt ein Novum für die Schweizer Wirtschaft dar. In fast allen früheren Krisenzeiten war der private Konsum stets eine Stütze der Konjunktur gewesen. Das BAK Economics rechnet vor allem im zweiten Quartal mit einem rekordhohen Einbruch des Schweizer BIP von fast 6 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

V-förmige Rezession mit Erholung im 2. Halbjahr

BAK Economics prognostierziert einen V-Verlauf des BIP-Wachstums. Nach einem starken Einburch im 2. Quartal 2020, wird sich das BIP in der 2. Jahreshälfte wieder stark erholen. (Indexiert, 1. Quartal 2008 = 100)
BAK Economics prognostierziert einen V-Verlauf des BIP-Wachstums. Nach einem starken Einburch im 2. Quartal 2020, wird sich das BIP in der 2. Jahreshälfte wieder stark erholen. (Indexiert, 1. Quartal 2008 = 100)
(Bild: BAK Economics, BFS)

Die Rezession fällt somit im ersten Halbjahr aussergewöhnlich heftig aus. Es ist jedoch ein V-förmiger Rezessionsverlauf mit einer kräftigen Erholung in der zweiten Jahreshälfte zu erwarten, sobald das Virus eingedämmt ist und die derzeitigen Schutzmassnahmen wieder aufgehoben werden. Dies auch, da ein Teil der Konsum- und Investitionsvorhaben nachgeholt werden kann. Zur Erholung trägt ausserdem bei, dass mit dem zwar heftigen, aber zeitlich begrenzten Einbruch nur vergleichsweise wenige Produktionskapazitäten nachhaltig verloren gehen, wie beispielsweise über Konkurse. Trotz der Erholungstendenzen im zweiten Halbjahr prognostiziert BAK Economics für 2020 einen kräftigen Rückgang des Schweizer BIP von - 2.5 Prozent.

Tiefer Ölpreis hilft

Für zusätzliche Impulse sorgen die stark gesunkenen Ölpreise genauso wie die zur Konjunkturstützung zu erwartenden fiskalischen Massnahmen. Dennoch können nicht alle Einbussen wieder aufgeholt werden: Auch Ende 2021 wird das BIP-Niveau in der Schweiz noch um rund ein Prozent tiefer liegen, als dies ohne die Corona-Pandemie möglich gewesen wäre.

Stark betroffene Branche

Besonders stark von der Pandemie betroffen sind auf Branchenebene Bereiche wie der Tourismus, persönliche Dienstleistungen, Flugverkehr sowie Sport- und Unterhaltungsdienstleistungen, welche direkt negativ von den derzeitigen Schutzmassnahmen tangiert werden. Wertschöpfungseinbussen deutlich im zweistelligen Bereich sind daher im laufenden Jahr wahrscheinlich.

Aber auch im Detailhandel sowie in typischerweise konjunktursensitiven Bereichen wie der Investitionsgüterindustrie oder der Uhrenbranche kommt es zu kräftigen Verlusten. Einzig die weniger konjunkturabhängigen Life Sciences-Branchen und der Gesundheitssektor werden der Krise trotzen und auch 2020 wachsen.

Auswirkungen am Arbeitsmarkt

Die heftige Rezession wird auch auf den Schweizer Arbeitsmarkt durchschlagen. BAK Economics geht zwar davon aus, dass die angekündigten Massnahmen des Bundes (Kurzarbeit, verbürgte Bankkredite) eine grosse Pleitewelle verhindern werden. Alle Unternehmen werden die Krise jedoch nicht überleben und mancherorts wird auch ein Personalabbau unvermeidlich sein. Hinzu kommt, dass die gegenwärtige Krise in besonderem Masse personalintensive Dienstleister mit temporären Arbeitsverträgen trifft, beispielsweise im Gastgewerbe oder im Eventbereich. BAK Economics rechnet deswegen damit, dass die Arbeitslosenquote kurzfristig um über einen Prozentpunkt in die Höhe schnellen wird (bis auf rund 3.5%). Im Zuge der V-förmigen konjunkturellen Erholung dürfte die Arbeitslosigkeit dann bis Ende 2021 wieder in Richtung 2.5 Prozent sinken.

Starke Erholung im Jahr 2021

BIP-Wachstumsraten gegenüber der Vorjahresperiode.
BIP-Wachstumsraten gegenüber der Vorjahresperiode.
(Bild: BAK Economics, BFS)

Insgesamt prognostiziert BAK Economics somit einen kräftigen Rückgang des Schweizer BIP von - 2.5 Prozent im Jahr 2020. Die ab dem zweiten Halbjahr einsetzenden Aufholeffekte nach erfolgreicher Eindämmung des Virus werden dagegen 2021 zu einem dynamischen Wachstum von 4.3 Prozent führen. Hierzu tragen auch die Lizenzeinnahmen aus den vermutlich in das nächste Jahr verschobenen olympischen Spielen und der Fussball Europameisterschaft bei.

Pro Woche Shutdown, 4 Mrd. CHF Verlust

Die Prognosen sind derzeit mit aussergewöhnlich hohen Unsicherheiten verbunden. Für die hier vorgestellte Prognose wird unterstellt, dass die Ausbreitung des Virus in einem überschaubaren Zeitraum unter Kontrolle gebracht werden kann und sich die Lage im zweiten Halbjahr 2020 wieder normalisiert (vgl. dazu Kasten). Sollte dies nicht gelingen, wird die Rezession noch wesentlicher schlimmer ausfallen. Dabei entstehen mit jeder zusätzlichen Woche, die die Restriktionen zum Social Distancing und zur Mobilitätsbeschränkung aufrecht erhalten werden müssen, weitere wirtschaftliche Verluste – aufbauend auf den Zahlen dieser Prognose kann abgeschätzt werden, dass pro Woche Lockdown am Ende ein direkter Verlust von rund 4 Mrd. CHF für die Schweizer Volkswirtschaft resultieren würde. Darüber hinaus steigt das Schadenspotenzial für die Volkswirtschaft mit zunehmender Dauer der Restriktionen jedoch noch überproportional an. Drei Hauptmechanismen führen dazu:

  • Die anhaltende Belastung immer mehr Unternehmen in die Insolvenz treiben würde. Dies würde das Produktionspotenzial für eine Erholung verringern und die Wirtschaftsentwicklung dauerhaft bremsen.
  • Die Prognose zeigt, dass im zweiten Halbjahr 2020 mit einer Reihe von Nachhol- und Aufholprozessen zu rechnen ist. Je länger die Krise anhält, desto weniger sind derartige Prozesse möglich.
  • Mit zunehmender Dauer der Krise werden die Investitionen immer stärker unter Druck geraten. Einerseits, da die Unternehmen ihre Liquidität sicherstellen müssen. Andererseits da die anhaltende Unsicherheit Investitionen weniger attraktiv erscheinen lässt. Werden die Investitionen einer Volkswirtschaft jedoch dauerhaft gedrückt, geht damit unweigerlich Wachstumspotential verloren, welches nach Beendigung der Krise fehlen wird.

Nicht zuletzt kann ein anhaltender Lockdown auch das gesamte volkswirtschaftliche System in Gefahr bringen. So könnte mit zunehmenden Zahlungsausfällen eine erneute Vertrauens-Krise des Finanzsystems drohen. Ein weiterer möglicher Krisenherd sind die Immobilienmärkte, welche ebenfalls unter Druck kommen könnten. <<

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