Heckert Open House So innovativ kann Zerspanung sein

Redakteur: Anne Richter

Unter dem Motto «Heckert Machining Centers – Intelligence in Cutting» hatte Heckert Kunden und Interessenten nach Chemnitz eingeladen. In seinen Montagehallen präsentierte der Hersteller von Präzisions-Werkzeugmaschinen die neuesten technologischen Entwicklungen zum Fräsen, Bohren und Drehen. Eines war klar ersichtlich: Der Trend geht zur fünfachsigen Bearbeitung und zur Integration mehrerer Verfahren in einer Maschine.

Firma zum Thema

Mit dem neuen Planetary TurnMill device (PTM) lassen sich Grossteile wie Getriebegehäuse, Armaturen oder Abdichtflansche in einer Aufspannung bohren, fräsen und drehen.
Mit dem neuen Planetary TurnMill device (PTM) lassen sich Grossteile wie Getriebegehäuse, Armaturen oder Abdichtflansche in einer Aufspannung bohren, fräsen und drehen.
(Bild: Heckert)

Der Standort Chemnitz hat bezüglich Werkzeugmaschinen eine sehr lange Tradition – «aber von Tradition allein können wir uns nichts kaufen», sagt Dr. Eberhard Schoppe, Geschäftsführer der zur Starrag Group gehörenden Heckert GmbH. Er argumentiert daher: «Um wettbewerbsfähig zu sein, müssen wir unser über Generationen angesammeltes Wissen in neueste Technologie umsetzen und uns dabei hundertprozentig an den Kundenbedürfnissen orientieren.» So ist neben der Produktion von Bearbeitungszentren (Palettengrössen 400 bis 2500) und Komponenten wie Werkzeugmagazinen, Palettenwechselsystemen und Spindeleinheiten vor allem die Technologieentwicklung ein Kernbereich des Unternehmens.

Diesbezüglich kooperiert Heckert unter anderem mit der TU Chemnitz und dem in unmittelbarer Nachbarschaft ansässigen Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU. Aus praktischen Gründen fand die Open-House-Veranstaltung bei Heckert zeitgleich am 9. und 10. April zum «3rd International Chemnitz Manufacturing Colloquium» ICMC 2014 statt, einer internationalen Konferenz des Fraunhofer IWU. Heckert, dort mit zwei Vorträgen beteiligt, lud die Konferenzteilnehmer abends ein, noch Praxisluft beim Open House zu schnuppern.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 12 Bildern

Gespräche auf hohem Qualitätsniveau

Dr. Eberhard Schoppe ist mit dem Ergebnis der Heckert-Hausmesse sehr zufrieden: «Wesentliches Kriterium ist die Resonanz von unseren Besuchern, und die war enorm. Wir hatten über beide Tage 250 hochqualifizierte Gäste, die zum Grossteil mit konkreter Erwartungshaltung angereist sind.» Heckert hatte für die Besucher die komplette personelle Kompetenz aufgeboten – beginnend beim Einkauf über die Konstruktion/Entwicklung, das Produktmanagement bis zu Schulung und Support. «So konnten wir mit den Besuchern jedes Detail der komplexen Fertigungslösungen diskutieren, die uns als Heckert auszeichnen», fasst der Geschäftsführer zusammen. Einen weiteren Effekt der Veranstaltung hebt er hervor: «Wenn Kunden sehen, unter welchen Bedingungen die Maschinen hier entwickelt, produziert, montiert und getestet werden, bekommen sie einen nachhaltigen Eindruck von der Qualität, die in unseren Maschinen steckt.»

Auch in puncto Produkte wollte Heckert die Besucher dort abholen, wo ihre Interessen liegen. Da fast über alle Branchen hinweg der Trend zu fünfachsiger, technologieübergreifender Bearbeitung geht, präsentierte der Werkzeugmaschinenhersteller diesbezügliche Lösungen. Dr. Schoppe erklärt: «Wir dürfen uns nicht auf Vierachsigkeit und reine Fräsbearbeitung beschränken. Daher haben wir zahlreiche Neuentwicklungen gestartet und auch innerhalb der Starrag Group alle Register gezogen, um uns unternehmensübergreifend hinsichtlich fünfachsiger Bearbeitung und der Integration mehrerer Verfahren zu unterstützen.»

Weitreichende Möglichkeiten zur 5-Achs-Bearbeitung

Ein deutliches Zeichen will Heckert zum Beispiel mit der HEC 500 D U5 MT setzen. Die Entwickler statteten das bewährte Horizontal-Bearbeitungszentrum HEC 500 D aus der Dynamik-Baureihe mit einem NC-Schwenkkopf und einem 900 min-1 schnellen NC-Drehtisch aus, der neben dem Fräsen auch die Drehbearbeitung ermöglicht. Schliesslich steht MT im Maschinennamen für MillTurn.

Der Universalschwenkkopf (U5) sorgt für die fünfachsige Bearbeitung. Er besitzt eine um 45 Grad schräggestellte C-Achse, so dass das Werkzeug von der horizontalen in die vertikale Bearbeitungsposition schwenken kann. Der fürs Schwenken zuständige Torquemotor bietet 14 kW Antriebsleistung und ein maximales Drehmoment von 760 Nm. Die Schwenkbewegungen mit bis zu 60 min-1 können zum einen simultan interpoliert mit den anderen Achsen stattfinden, so dass sich auch gekrümmte Flächen zerspanen lassen. Zum anderen kann der Kopf in jeder Position hydraulisch geklemmt werden, um einfache schräge Flächen beziehungsweise raumschräge Bohrungen zu erzeugen.

In der beim Open House präsentierten Variante sitzt im Kopf eine integrierte Motorspindel mit HSK63-Schnittstelle, 45 kW Antriebsleistung, 72 Nm Drehmoment und maximaler Drehzahl von 15 000 min-1. Während der Universalkopf in erster Linie für die Leichtmetallzerspanung vorgesehen ist, bietet Heckert für die Schwerzerspanung einen alternativen Kopf ohne integrierte Motorspindel, also mit geringerer Drehzahl und dafür höheren Momenten sowie mehr Leistung.

Produktmanager Dirk Müller erklärt die Stärken der HEC 500 D U5 MT: «Hervorzuheben ist die enorme Antriebsleistung im Schwenkkopf, sowohl was die Spindel als auch die Schwenkachse anbelangt. Dadurch kommt der Anwender kaum in die Verlegenheit, die Maschine voll ausreizen zu müssen. Dazu kommt die Stabilität im Maschinenaufbau. Bett und Ständerbaugruppe sind so konstruiert, dass die Maschine auch bei hoher Belastung keine noch so minimalen Schwingungen erzeugt, die sich negativ auf die Werkzeugstandzeit oder gar auf die erzeugte Werkstückoberfläche auswirken können.» Solche 5-Achs-Versionen wird es in Zukunft von den Modellen HEC 400 D, 500 D und 500 D XXL geben, die Palettengrössen bis zu 800 mm abdecken.

Neue Köpfe für höhere Flexibilität

Der neue kontinuierliche Schwenkkopf, den Heckert für die Bearbeitungszentren HEC 1000 bis 1800 Athletic sowie BHC 3500 bis 5500 anbietet, verfolgt ebenfalls den Ansatz, den Anwender zur Komplettbearbeitung zu befähigen. Mit ihm lassen sich nun Formelemente wie Flächen und Bohrungen unter beliebigen Raumwinkeln fräsen, bohren und gewinden. In Verbindung mit einem optionalen schnellrotierenden NC-Rundtisch sowie Spindelklemmung und Werkzeugaufnahme HSK-T 100 sind die grossen Bearbeitungszentren auch in der Lage, die Drehbearbeitung unterschiedlichster Konturen vorzunehmen. Dr. Eberhard Schoppe unterstreicht die strategische Bedeutung dieser Neuentwicklung: «Mit solchen Maschinen können wir auf unseren Kundenkreis zugeschnittene 5-Achs-Bearbeitungen sogar im Simultanbereich realisieren. Die Technik eignet sich jedoch nicht für die Bearbeitung von Turbinenschaufeln oder Blisks, wie sie andere Unternehmen in der Starrag Group möglich machen.»

Schliesslich geht es nicht darum, sich in der Unternehmensgruppe gegenseitig Konkurrenz zu machen. Im Gegenteil: Die einzelnen Firmen nutzen verstärkt die jeweilige Kompetenz der anderen, um das eigene Produktprogramm zu optimieren. Heckert hat zum Beispiel die Bearbeitungszentren HEC 630/800 mit dem von Dörries Scharmann Technologie entwickelten DBF-Spindelkopf ausgestattet und bietet diese Maschinen nun unter der Bezeichnung DBF 630/800 an. Der DBF-Kopf besteht aus einer Planscheibe mit integrierter Arbeitsspindel und CNC-gesteuertem Planschieber mit ±35 mm Radialweg. Damit sind auch Bearbeitungen wie Aussen-, Plan- und Innendrehen sowie konische und Konturdreharbeiten möglich.

Auch hat Heckert eine Neuentwicklung zu bieten, die innerhalb der Starrag Group firmenübergreifend für Bearbeitungszentren der Typen HEC, STC, DBF, BHC und Ecoforce angeboten wird: ein Turmmagazin, das sich für erhöhten Werkzeugbedarf sowie für grössere Werkzeugdimensionen und -masse eignet. Es ist zudem bereits standardmässig mit einem System zur Werkzeugkontrolle ausgestattet.

Perspektiven für die Zukunft

Weitere Exponate beim Heckert Open House vermittelten einen Eindruck von der vorhandenen Entwicklungskompetenz. Bestes Beispiel ist der neue Planetary TurnMill device, mit dem sich die Gross-Bearbeitungszentren HEC 1000 bis 1800 Athletic und BHC 3500 bis 5500 erweitern lassen. Der sogenannte PTM besteht aus einer Planscheibe mit zwei radial verstellbaren Planschiebern (52 kW / 200 min-1) für die Drehbearbeitung und einem in der Planscheibenmitte versenkten Querschieber fürs Fräsen und Bohren (Verstellweg 1000 mm; 98 kW / max. 4800 min-1). Damit lassen sich Grossteile wie Getriebegehäuse, Armaturen oder Abdichtflansche in einer Aufspannung bohren, fräsen und drehen. Ein Umspannen auf Karusselldrehmaschinen oder der Einsatz grosser Brückenwerkzeuge erübrigt sich. Achim Pönisch, der für die Entwicklung zuständige Konstrukteur, weist darauf hin, dass alle Arbeitsoperationen ohne Supportwechsel möglich sind. Er ergänzt: «Zudem lassen sich die Planschieber während der Ausdrehbewegung in unterschiedlichen Durchmesserbereichen stufenlos verstellen. Und für alle Werkzeuge stellen wir Kühlschmierstoff mit 200 bar direkt an der Schneide zur Verfügung.» Das Resultat beim Praxistest: Genauigkeitsvorteile und ein riesiger Zeitgewinn.

An anderer Stelle gewährt Heckert sogar einen kleinen Blick in die Zukunft: Noch mitten in der Entwicklung befindet sich ein BAZ, das Trennen und Fügen kombiniert. Durch ein spezielles, integriertes Reibschweissverfahren soll es für qualitativ besonders hochwertige Zerspanungs- und Verbindungstechnik sorgen. <<

(ID:42752664)