Industriestandort Schweiz So können sich Schweizer Unternehmen im Wettbewerb mit China behaupten

Redakteur: Ute Drescher

Eine gemeinsame Studie des VDMA und der Swissmem zeigt: Mit der richtigen Strategie können sich Schweizer Unternehmen im Wettbewerb mit China behaupten.

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Sich mit Spitzen- und Nischenprodukten un­verzichtbar zu machen, ist für den Schweizer ­Industrieverband eine wichtige Säule, um 
sich im chinesischen Wett­bewerbsumfeld zu behaupten.
Sich mit Spitzen- und Nischenprodukten un­verzichtbar zu machen, ist für den Schweizer ­Industrieverband eine wichtige Säule, um 
sich im chinesischen Wett­bewerbsumfeld zu behaupten.
(Bild: © alexlmx – stock.adobe.com)

Zusammen mit dem VDMA hat der Industrieverband Swissmem eine Studie erstellen lassen: „Markt China im Wandel – Wie bleibt der Maschinenbau im Wettbewerb erfolgreich?“ Demnach öffne China sich zwar in einigen Bereichen, die für die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall (MEM)-Firmen wichtig sind. Auffallend ist das grosse und wachsende Engagement Chinas in internationalen Normierungsgremien. Das verschafft chinesischen Firmen Vorteile im internationalen Wettbewerb, ebenso wie die staatliche Forschungsförderung. Die Studie, die das Beratungsbüro Sinolytics im Auftrag der beiden Verbände erstellt hat, kommt aber klar zum Schluss: Für
Spitzen- und Nischenprodukte aus der Schweiz bleibt China ein attraktiver Markt.

Allerdings bestünde die Gefahr, so die Verfasser der Studie, dass international agierende Schweizer Unternehmen immer mehr in einen rechtlichen Dschungel zwischen den USA, China und weiteren Blöcken geraten können. Im Extremfall könnten sich die Unternehmen gar nicht mehr in alle Richtungen gesetzeskonform verhalten. Ein Beispiel: Nachdem die USA chinesische Firmen auf eine US-Sanktionsliste gesetzt hatten, erliess China wiederum ein Anti-Sanktionsgesetz. Das setzt Firmen der Gefahr strafrechtlicher Sanktionen aus, sollten sie die US-Sanktionen einhalten.

Die Rechtsunsicherheit wirkt entweder investitionshemmend oder leistet Investitionen Vorschub, die nach politischen und nicht nach wirtschaftlichen Kriterien gefällt werden – eine gefährliche Situation.

Diese Rechtsunsicherheit wirkt entweder investitionshemmend oder leistet Investitionen Vorschub, die nach politischen und nicht nach wirtschaftlichen Kriterien gefällt werden – eine gefährliche Situation, wie der Verband findet. Swissmem fordert von der Schweiz deshalb eine aus drei Pfeilern bestehende Strategie:

  • Unverzichtbare Produkte und Dienstleistungen: Gerade Covid-19 hat gezeigt: Viele Schweizer Firmen sind weltweit führend, u. a. in der Automatisierung, bei Fertigungstechnologien oder in der Sensorik. Der beste Schutz für den Standort Schweiz gegen politischen Druck aus dem Ausland sei es, möglichst viele dieser Firmen in der Schweiz beheimatet zu wissen, meint der Verband. Gute Rahmenbedingungen, eine moderne Produktion und hochstehende Forschung und Entwicklung schaffen Anreize. In der Unverzichtbarkeit von Schweizer Firmen liegt die beste sicherheits- und aussenwirtschaftspolitische Trumpfkarte der Schweiz.
  • Unverzichtbarkeit der politischen Schweiz: Gute Dienste und diplomatische Initiativen sollen die Schweiz für die grossen Machtblöcke unverzichtbar machen. Mit solchen Initiativen kann in Konflikten die Lage von Bevölkerungen verbessert werden und so ein bedeutender und aktiver Beitrag zur Stabilität geleistet werden. Weitere Bereiche für Schweizer Initiativen stellen Reformen verschiedener internationaler Organisationen wie der WTO dar, um den Multi­lateralismus sowie die Bedeutung von Völkerrecht und Freihandel erneut zu stärken.
  • Sicherheits- und aussenpolitische Neutralität: Diplomatische Unverzichtbarkeit verlangt Glaubwürdigkeit und dazu ist die sicherheits- und aussenpolitische Neutralität eine Voraussetzung. Die Schweiz soll verhindern, in die Konflikte der Grossmächte hineingezogen zu werden. Als Folge soll die Schweiz einzig Sanktionen des UNO-Sicherheitsrats übernehmen und sicherstellen, nicht als Umgehungsstandort missbraucht zu werden. Generell haben Sanktionen und Boykotte in den vergangenen Jahrzehnten kaum Wirkung gezeigt, sondern vor allem der lokalen Bevölkerung Schaden zugefügt und zwischenstaatliche Konflikte teilweise sogar angeheizt.

Diese drei Pfeiler schliessen Kritik der Schweiz an Menschenrechtssituationen im Ausland nicht aus. Der Verband ist überzeugt, dass – über internationalen Handel und die globale Tätigkeit – Schweizer Firmen mit ihren 550.000 Mitarbeitenden im Ausland nicht nur den Wohlstand verbessern und die Armut bekämpfen, sondern auch einen positiven Beitrag zugunsten der Menschenrechte leisten. Mit der vorgelegten Strategie können Schweizer Unternehmen und die Schweiz ihre Verantwortung global am besten wahrnehmen. (ud)

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal konstruktionspraxis.vogel.de

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