Software StuderTechnology: Gewinn beim Rundschleifen

Redakteur: Matthias Böhm

>> Perfektion auf Knopfdruck heisst es bei Studer, wenn es um das Software-Tool StuderTechnology geht. Die Softwarelösung für Rundschleifanwendungen hat es – in Verbindung mit der Rundschleifmaschine S41 – unter die ersten 10 Plätze des Prodex-Awards – powered by SMM geschafft. Die Schleifsoftware «StuderTechnology» liefert beim Rundschleifen auf Anhieb optimale Ergebnisse und reduziert gleichzeitig die Bearbeitungszeiten um rund 25 Prozent.

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Dass die Software im Verhältnis derart gute Schleifergebnisse bringt, liegt daran, dass viele Praktiker die Schnitt- und Vorschubwerte zu vorsichtig programmieren.
Dass die Software im Verhältnis derart gute Schleifergebnisse bringt, liegt daran, dass viele Praktiker die Schnitt- und Vorschubwerte zu vorsichtig programmieren.
(Bild: Studer)

Dass es eine Software in Verbindung mit einer CNC-Rundschleifmaschine S41 unter die letzten 10 geschafft hat, ist bemerkenswert, hat aber seine Berechtigung.

Wer mit einem Fotoapparat ein gelungenes Bild schiessen will, hat es heute im Vergleich zu früher ziemlich leicht. Noch vor 20 Jahren mussten Fotografen Blende, Belichtungszeit oder Lichtempfindlichkeit des Films bei jedem Motiv selbst wählen und in Einklang bringen.

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Kostete viel Zeit

Das kostete viel Zeit und war für Laien oft eine Herausforderung. Mittlerweile sorgen eingebaute Programme dafür, dass die Kamera für praktisch jede Gelegenheit eigenständig die passende Einstellung findet. Damit gelingen auch blutigen Anfängern sogar bei schwierigen Lichtverhältnissen in Windeseile sehr gute Aufnahmen. Eine ähnliche Entwicklung wie bei den Kameras hat sich auch im Bereich der Rundschleifmaschinen vollzogen.

Auf Anhieb die richtige Einstellung

Auch hier kommt es bei jedem Produkt auf die richtige Einstellung an. So muss der Anwender zunächst die passende Schleifscheibe wählen. Ausserdem gilt es, Schnittgeschwindigkeit, Kühlschmiermittel, Stabilität des Werkstücks, kritische Drehzahlverhältnisse und den Einfluss der Korngrösse der Schleifscheibe zu berücksichtigen. «Selbst wenn ein Schleifer sehr viel Erfahrung hat, gelingt es ihm meistens nicht, die Maschine auf Anhieb optimal einzustellen», erklärt Erhard Kämpf, Abteilungsleiter Formen und Gewinde der Fritz Studer AG. Das Optimum wäre die Einstellung, bei der die Maschine genau das gewünschte Schleifergebnis erzielt und gleichzeitig am effizientesten arbeitet.

Dieser Punkt lässt sich in der Regel nur durch systematische Versuche finden. «Das kostet Zeit und lohnt sich deshalb nur bei der Herstellung grosser Stückzahlen. Bei wenigen Hundert Einheiten oder noch kleineren Produktionsmengen bis zur Einzelteilfertigung haben die Schleifer normalerweise keine Zeit, sich langsam an die perfekte Einstellung heranzutasten», erklärt Kämpf.

Anwender wagen sich oft nicht an die Leistungsgrenzen

Deshalb verlassen sie sich bei den Werten für Mass-, Form- und Lagetoleranzen sowie Oberflächenqualität häufig auf ihr Gefühl. Das Problem dabei: Die meisten Anwender unterschätzen die Zerspanleistung einer Schleifscheibe und wagen sich selten an die Grenze des Machbaren heran. Sie stellen die Maschine oft zu vorsichtig ein und schöpfen deren Potenzial nicht voll aus. Dadurch läuft die Produktion viel langsamer, als es möglich wäre. Die Firmen verschenken auf diese Weise jede Menge Zeit und damit auch Geld.

Daten aus unzähligen Schleiftests

Studer hat auf diesem Gebiet eine Neuheit entwickelt und bietet Anwendern eine einzigartige Softwarelösung an, die für Unternehmen von immensem Wert sein kann: den Schleiftechnologierechner «StuderTechnology».

Dieser ist als Modul des CAM-Systems «StuderGrind» erhältlich. In diesem Zusatzprogramm stecken die gesamten knapp 100 Jahre Erfahrung des Schweizer Rundschleifunternehmens. Die Entwickler aus Thun fütterten «StuderTechnology» mit den Daten aus unzähligen Schleiftests, in denen sie sich bei verschiedensten Werkstücken immer wieder an das Optimum herangearbeitet hatten.

25 Prozent schneller

Das Ergebnis: Analog zur modernen Fotokamera nimmt eine mit diesem System ausgestattete Maschine dem Bediener sehr viele Entscheidungen ab. Automatisch ermittelt das Modul für jeden Bearbeitungsschritt aus den wichtigsten prozessrelevanten Einflussgrössen die entsprechenden Werte. Dadurch lassen sich in der Regel bessere Ergebnisse bei gleichzeitig viel kürzerer Bearbeitungszeit erzielen. So haben die Schweizer errechnet, dass dank «StuderTechnology» die Bearbeitungszeit in den meisten Fällen um mindestens ein Viertel sinkt. «Mit einer durchschnittlichen Universalschleifmaschine, die im Zweischichtbetrieb produziert, lässt sich auf diese Weise die Produktivität häufig so weit steigern, dass eine Firma bis zu 100 000 Euro pro Jahr spart. Dadurch hat sich die Anschaffung des Moduls oft bereits nach kurzer Zeit bezahlt gemacht», erklärt Stephan Nell, ehemals Vorsitzender der Studer-Geschäftsführung und neu im Vorsitz der Geschäftsführung von Körber Schleifring.

Eine Software – zwei Varianten

Der Schleiftechnologierechner ist seit kurzem in zwei verschiedenen Versionen erhältlich. Für Anwender, die in ihrer Firma ein eigenes Programmierbüro betreiben, gibt es seit rund drei Jahren die Vollversion der Software. Mit ihr lassen sich auf einem PC nicht nur die Maschinen optimal programmieren, sondern auch Simulationen grafisch darstellen, Stückkosten errechnen oder Operationspläne generieren (siehe Kasten Info).

Direkt auf der Maschinensteuerung

Als neueste Entwicklung in diesem Bereich ist nun «StuderTechnology integrated» hinzugekommen. In dieser Version befindet sich die Software nicht mehr auf einem separaten Rechner, sondern direkt auf der Maschinensteuerung. Mit dieser einfach zu bedienenden Variante mit auf Werkstattverhältnisse reduziertem Funktionsumfang, verschafft Studer dem Anwender an der Maschine mehr Freiheit in seinem Arbeitsalltag.

Auf Knopfdruck optimales Schleifergebnis

Der Bediener muss nur noch den Werkstoff eingeben und erhält sofort einen Vorschlag für das richtige Schleifmittel und die idealen Prozessparameter. Ohne langwieriges Austesten lässt sich auf Knopfdruck in wenigen Sekunden ein optimales Ergebnis erzielen. Dabei steht den Kunden von Anfang an die ganze Schleiferfahrung von Studer zur Seite, auf die sie sich bei jedem Werkstück verlassen können. Der Kundennutzen ist so gross, dass Studer das Modul StuderTechnology integrated serienmässig mit allen Maschinen, die mit dem neuen Betriebssystem StuderWIN ausgestattet sind, in der Grundausstattung ausliefert.

Ob sich die Technologie beim Prodex-Award – powered by SMM einen der vorderen Plätze sichern wird, zeigt sich am 22. November auf dem Ausstellerabend der Prodex 2012. <<

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