Marktstudie: Rohstoffversorgung

Unternehmen befürchten Gefährdung der Rohstoffversorgung

| Redakteur: Tobias Hüser

Unternehmen befürchten laut der Inverto-Studie eine reduzierte Verfügbarkeit von Rohstoffen, einhergehend mit steigenden Kosten.
Unternehmen befürchten laut der Inverto-Studie eine reduzierte Verfügbarkeit von Rohstoffen, einhergehend mit steigenden Kosten. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Die Unternehmensführungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind besorgt. Sie fürchten die Gefährdung der Rohstoffversorgung und damit einen zunehmenden Anstieg der Rohstoffpreise. Unsicherheiten aufgrund der weltpolitischen Entwicklung sowie potenzielle Handelsbeschränkungen bereiten den Geschäftsführern ebenfalls Sorgen. Das geht aus den Ergebnissen der aktuellen Rohstoffstudie der Unternehmensberatung Inverto hervor.

Köln – Drei Viertel der rund 90 Teilnehmer der Inverto Rohstoffstudie 2017 erwarten einen Kostenanstieg bei den Rohstoffpreisen. Darüber hinaus ist auch die reduzierte Verfügbarkeit von Rohstoffen dieses Jahr der maßgebliche externe Einflussfaktor auf das Geschäftsergebnis. Nur noch 10 % der Teilnehmer rechnen mit keinen aktuellen oder zukünftigen Versorgungsproblemen – 2016 waren es noch 25 %. Problematisch wird die Situation vor allem bei den klassischen Industrierohstoffen, wie Metalle, Kunststoffe und Chemikalien gesehen, die für 81 % der Unternehmen eine hohe Relevanz besitzen. Die Unsicherheit bezüglich der Rohstoffpreisentwicklung zeigt sich auch in der Vertragsgestaltung. Unternehmen versuchen primär Festpreise abzusichern, die von Lieferanten akzeptierten Zeitspannen werden jedoch weiterhin kürzer. Der Einkauf am Spotmarkt wird im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger genutzt.

Alternative Beschaffungsmärkte zur Sicherung der Bedarfe

Die Mehrheit der Studienteilnehmer sieht eine Gefährdung des Rohstoffeinkaufs durch Handelsbeschränkungen. 56 % rechnen mit Versorgungsengpässen und damit einhergehenden Preissteigerungen. Nur ein Drittel bezieht die Rohstoffe innerhalb der EU und befürchtet deshalb keine Gefahr für den eigenen Rohstoffeinkauf. Vor allem aus China – wo knapp 80 % der Befragten Rohstoffe beziehen – erwarten 52 % der Teilnehmer Restriktionen. Außerdem wird mit Handelsbeschränkungen durch Russland (48 %), die USA (41 %) und die Türkei (34 %) gerechnet. Gegen die Risiken versuchen sich über 80 Prozent der Teilnehmer durch die Verlagerung oder Teilverlagerung hin zu alternativen Beschaffungsmärkten abzusichern. Zudem reagieren die Unternehmen mit Lieferantenwechseln (58 %) und der Prüfung alternativer Rohstoffe (42 %) auf den Protektionismus.

Unternehmen schöpfen Potentiale der Digitalisierung nicht aus

Das Thema Digitalisierung spielt zunehmend auch im Rohstoffeinkauf und -management eine Rolle, allerdings werden die Chancen noch nicht vollständig genutzt. Zwar halten 42 % der befragten Unternehmen den Einsatz von Business Intelligence Tools für sinnvoll, sie werden jedoch nur von einem Fünftel verwendet. Dabei konnten 40 % der Unternehmen dank Digitalisierung ihre Herstellungsprozesse hinsichtlich der Materialeffizienz optimieren. Hingegen glauben immer noch mehr als die Hälfte, dass die Digitalisierung keinen Einfluss auf den eigenen Rohstoffbedarf haben wird.

Die jährliche Rohstoffstudie von Inverto untersucht, wie Unternehmen die Entwicklung der Rohstoffpreise und der Versorgungslage bewerten und welche Maßnahmen sie zur Absicherung gegen diese Risiken anwenden. Dazu wurden erneut über 90 Geschäftsführer, Vorstände und Einkaufsleiter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Im Jahr 2017 wurde die Studie bereits zum achten Mal durchgeführt.

Dieser Beitrag wurde schon auf unserer Schwestermarke process.vogel.de veröffentlicht.

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