Interview: Pascal Streiff/Swissmem und René Näf (Urma AG)

Zerspanungsseminar erwartet 400 Besucher

| Redakteur: Matthias Böhm

René Näf (li., Vizedreiktor Urma) und Pascal Streiff (Fachgruppenleiter Swissmem) erwarten 400 Besucher am Swissmem-Zerspanungsseminar im Januar 2015.
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René Näf (li., Vizedreiktor Urma) und Pascal Streiff (Fachgruppenleiter Swissmem) erwarten 400 Besucher am Swissmem-Zerspanungsseminar im Januar 2015. (Bild: M. Böhm)

Über 400 Personen erwartet das Swissmem-Zerspanungsseminar laut Aussage des Verantwortlichen Pascal Streiff (Fachgruppenleiter Swissmem) vom 20. bis 22. Januar in Pfäffikon SZ, Olten und Lausanne. Das Spektrum ist thematisch breit gewählt. Alle Bereiche der Fertigungstechnik werden behandelt. Pascal Streiff und René Näf (Vizedirektor Urma AG) gaben dem SMM im Vorfeld des Zerspanungsseminars ein Interview.

SMM: Thematisch gehen Sie in diesem Jahr weniger in die Tiefe, sondern mehr in die Breite. Warum machen Sie das?

René Näf: Wir wollen diesmal ein breites Spektrum an Themenfeldern aus der Zerspanung abdecken. Aus der Sicht eines Fertigungs-Unternehmens betrachtet ist das durchaus sinnvoll. Denn die meisten Unternehmen müssen die gesamte Palette an Fertigungsverfahren beherrschen und weiterentwickeln. Genau diesem Bedürfnis wollen wir mit dem breiteren Angebot nachkommen. Es wird technologisch sicher hochstehend sein, denn unsere Schweizer Werkzeugspezialisten sind technologisch weltweit Spitze.

Wen sprechen Sie konkret an am Zerspanungsseminar?

R. Näf: Wir sprechen die Anwender, Fertigungstechniker, Meister, Programmierer und Entscheider an. Das Zerspanungsseminar ist ein Treffpunkt für Zerspaner, die etwas umsetzen wollen und können in ihren Unternehmen. Wir wollen Ideen und Anregungen vermitteln, die umgesetzt werden können und damit die Produktivität steigern.

Können Sie das thematische Spektrum erläutern?

Pascal Streiff: Uns ist eine gute Themen-Mischung wichtig, um das gesamte Spektrum der Zerspanung abzudecken. Das heisst konkret die Fertigungsbereiche Fräsen, Gewinden, Schleifen, Spannen, Beschichten und Ausdrehen. Die gesamte Fertigungs-Palette wird von Fachleuten abgedeckt.

Herr Näf, können Sie das ergänzen?

R. Näf: Herr Streiff hat alles erwähnt. Natürlich werden die Themen mit dem Fokus auf unsere Zerspanungsgruppe im Swissmem ausgewählt, die ein sehr breites und hohes Know-how repräsentiert. In den oben genannten Fertigungsverfahren verfügen wir über ausgezeichnete Schweizer Unternehmen, die eine technologische Marktführerschaft innehaben. Wenn diese Spezialisten an unserem Zerspanungsseminar vortragen, dann handelt es sich dabei um weltweit führende Spitzentechnologie.

Das würden jetzt die japanischen, deutschen und schwedischen Hersteller auch von sich behaupten.

R. Näf: Die sind sicher auf gleichem Niveau wie wir Schweizer. Aber es gibt einen grossen Unterschied. Die Schweizer Werkzeug-Hersteller kennen die Bedürfnisse unserer Schweizer Fertigungs-Unternehmen. Unsere Werkzeughersteller sind unmittelbar am Ort des Geschehens und können sich auf die Bedürfnisse der Unternehmen konkret einstellen. Das macht den Unterschied aus.

P. Streiff: Vielleicht ergänzend zu Herrn Näf muss ich hinzufügen, dass wir uns ganz bewusst nicht auf ein vertikales Themenspektrum fokussiert haben. Wir wollen uns auf neue Technologien in der Breite konzentrieren. Das Zerspanungsseminar soll sich zu dem Event entwickeln, an dem sich die Spezialisten im 2-Jahres-Rhythmus über die neuesten Entwicklungen austauschen können. Es soll der Treffpunkt sein, wo sich die Schweizer Zerspanungsspezialisten treffen.

Ist der 2-Jahres-Rhythmus des Zerspanungsseminars aus Ihrer Sicht sinnvoll, wenn man die Innovationszyklen der Zerspanungsbranche berücksichtigt?

P. Streiff: Die Fertigungstechnik ist hoch innovativ und entwickelt sich enorm schnell. Die Schweizer Werkzeughersteller gehören zu den innovativsten Unternehmen unserer Branche. Sie müssen ständig an die Grenze gehen. Es ist ein guter Mix aus technologischen Revolutionen und Evolutionen. Unser Werkplatz lebt davon, dass er diese nutzt und umsetzt. Wenn wir diese Weiterentwicklungen alle zwei Jahre beim Zerspanungsseminar praktisch abbilden können, ist das eine ausgezeichnete Leistung.

Geht es «nur» um Innovationen am Zerspanungsseminar?

René Näf: Innovationen sind wichtig. Aber noch wichtiger ist die Praxis. Beides kann sich perfekt ergänzen. Von grösster Bedeutung sind die auf spezifische Anwendungen zugeschnittenen Optimierungen, die die Unternehmen nach vorn bringen. Beispielsweise können Technologien, die bereits am Markt bestehen, andere Technologien ersetzen und zu einem massiven Mehrwert führen. Manchmal muss man einen kleinen Denkanstoss bekommen, um zu erkennen, welche Chancen sich mit bestehenden Technologien bieten. Insofern geht es am Zerspanungsseminar sowohl um Innovationen als auch um gute, bewährte, praxisnahe Beispiele, wie man Prozesse optimieren kann.

Herr Streiff, welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht Innovationen in der Zerspanung?

P. Streiff: Innovationen haben zum Teil den Ruf, dass sie nicht ausgereift sind. Aber Innovationen sind enorm wichtig. Haben sie ihre Kinderkrankheiten überstanden, geht es fast nur noch aufwärts. Wenn Sie beispielsweise das Reibsystem von Urma betrachten. Das war anfangs eine Innovation, die Unternehmen waren noch vorsichtig und heute erobert das System die Industrie, weil dank dieser Innovation der Reibprozess massiv schneller und günstiger ist als mit anderen Werkzeugsystemen. Das heisst für mich, wenn Unternehmen die bereits bestehenden modernen Technologien noch stärker in ihre Produktion integrieren würden, wären wir hier in der Schweiz einige Schritte weiter. Aber dafür muss man immer die Augen offen halten und vor allem offen sein, seine Prozesse zu überdenken.

Herr Näf, denken Sie auch, dass Potential vorhanden ist, die Produktionsprozesse zu optimieren.

R. Näf: Potential ist immer vorhanden, davon bin ich überzeugt. Das sagt mir auch meine Erfahrung. Irgendetwas geht immer. Jede Firma, die zerspant, das behaupte ich einmal, kann ihre Zerspanung verbessern, wenn sie auf neuere Technologien oder veränderte Prozesse setzt. Oft ist es so, das sehe ich auch bei unserer eigenen Produktion, dass man einen Prozess, wenn er einmal eingefahren ist, über längere Zeit so belässt. Man ist auf der sicheren Seite. Nach zwei Jahren schaut man sich das wieder an und sieht: Da könnten wir doch mit neuen Werkzeuglösungen zwei Prozessschritte weniger fahren.

Kann man sich ein solches Know-how heute nicht einfach aus dem Internet rausholen?

R. Näf: Im Internet ist alles vorhanden, man kann ein enormes Know-how daraus ziehen. Aber wenn ich nicht weiss, wonach ich konkret suchen muss, dann finde ich das nicht. Oder anders formuliert: Wenn ich mir nicht bewusst bin, dass ich etwas verbessern könnte, suche ich auch nicht nach Lösungen. Wenn Sie als Produktionsleiter oder Meister zum Zerspanungsseminar gehen, treffen Sie auf eine Vielzahl von Schweizer Zerspanungsexperten. Hier können Sie sich konkret über Ihre Prozesse und Probleme austauschen. Das ist ein grosser Unterschied, wenn Sie Lösungen im Dialog erarbeiten können mit Fachleuten, die über einen grossen Erfahrungsschatz verfügen.

Ein Vortrags-Thema behandelt die Werkzeug-Spindel-Schnittstelle. Ist das ein wichtiges Thema?

R. Näf: Mit der Einführung der HSK-Schnittstelle ist Bewegung in diese Thematik gekommen. Die Maschine-Werkzeug-Schnittstelle ist entscheidend bei der Zerspanung. Sie muss hoch steif und schwingungsdämpfend ausgelegt sein. Beim Zerspanungsseminar wird sicher auf die Kaiser-BigPlus-Schnittstelle näher eingegangen, die dank Plananlage hoch steif ausgelegt ist und die Zerspanungsprozesse optimieren hilft.

SMM: Herr Streiff, Herr Näf, vielen Dank für das Gespräch. <<

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