Auf der AMB 2026 in Stuttgart ist – neben Automatisierung und Kreislaufwirtschaft – Künstliche Intelligenz (KI) eines der drei Fokusthemen. Wie weit die Branche tatsächlich ist und welche Impulse Entscheiderinnen und Entscheider für die AMB mitnehmen können, erklärt Guido Reimann, stellvertretender Geschäftsführer des VDMA Software und Digitalisierung sowie Koordinator des VDMA-Kompetenznetzwerks «Künstliche Intelligenz».
Digitale Steuerung in der spanabhebenden Fertigung: KI-gestützte Systeme optimieren Maschinenprozesse in Echtzeit.
(Bild: Thomas Wagner)
KI war bereits auf der AMB 2024 ein viel diskutiertes Thema. Wo steht die Branche Metallzerspanung heute, im Jahr 2026? Ist KI in der industriellen Praxis angekommen oder dominieren noch Pilotprojekte?
Guido Reimann: Für den Maschinen- und Anlagenbau allgemein sowie die Hersteller von Präzisionswerkzeugen und Werkzeugmaschinen hat das Thema künstliche Intelligenz weiter an Bedeutung gewonnen. In einer VDMA-Umfrage vom Frühjahr 2026 hat sich gezeigt, dass über 80 Prozent der Maschinenbauunternehmen den KI-Technologien eine grössere Bedeutung zuschreiben. Etwa ein Drittel der Unternehmen setzt KI-Lösungen sogar schon produktiv ein. Das heisst, die Zeit der reinen Pilotprojekte ist vorbei. Zunehmend erleben wir KI im Praxiseinsatz. Darüber hinaus gibt es weiterhin viele Pilotprojekte in den Unternehmen, um sich weiter mit der Technologie vertraut zu machen und neue Anwendungsmöglichkeiten auszuprobieren.
Der Schwerpunkt bei den aktuellen produktiven betrieblichen Anwendungsbereichen liegt in der Softwareentwicklung, Entwicklung und Konstruktion, Unternehmensführung, IT, im Marketing sowie in der Kommunikation. Aber auch im Vertrieb und bei produktbegleitenden Dienstleistungen für die Kundenbranchen des Maschinenbaus kommen KI-Lösungen immer mehr zum Einsatz. Um weitere Potenziale nutzen zu können, müssen Unternehmen ihre eigene Digitalisierung im Blick haben und diese strategisch voranbringen.
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Der Maschinen- und Anlagenbau verspricht sich durch KI messbare Effizienzgewinne. Welche konkreten Zahlen und Erfolgsbeispiele kennen Sie aus der Metallzerspanung — und wo liegen nach wie vor die grössten Hürden bei der Umsetzung?
G. Reimann: KI-Lösungen und Ansätze versprechen nicht nur Effizienzgewinne, sondern sie erbringen Effizienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das zeigt sich etwa durch Kostenreduktionen bei der Erstellung von technischen Dokumentationen und Bedienungsanleitungen, Aufwands- und Kostenersparnis im Einkauf, um die Anzahl von Gleichteilen zu erhöhen und damit Einkaufskonditionen zu verbessern, oder durch die Verringerung von ungeplanten Stillständen, zum Beispiel an Werkzeugmaschinen – wobei durchaus Kostenreduktionen in Höhe von 10 bis 20 Prozent möglich sind. Darüber hinaus können KI-Lösungen an vielen Stellen Prozesse deutlich beschleunigen: in der Entwicklung, in der Produktion oder im Vertrieb und Kundendienst.
Eine breitflächige, nachhaltige Digitalisierung ist Grundvoraussetzung für den Einsatz von KI und anderen Digitaltechnologien. Hürden sind jedoch oft Changemanagement, geringe Umsetzungsgeschwindigkeit und fehlende Personalressourcen. Oft scheitern Vorhaben weniger an Technik als an Organisation, Entscheidungsstrukturen, mangelnder Einbindung, Wissen über Anwendungen und Grenzen sowie weiteren nichttechnischen Faktoren. Bei KI gilt zudem: nicht jedes Pilotprojekt gelingt. Entscheidend ist, rechtzeitig zu stoppen, um knappe Mittel auf wirkungsvollere Digitalisierungsaktivitäten zu lenken.
Welche KI-Technologien und Anwendungsfelder werden aus Ihrer Sicht auf der AMB 2026 das Bild prägen — und was macht den Besuch der AMB 2026 für Fachbesucherinnen und Fachbesucher aus der Metallzerspanung in Sachen KI unverzichtbar?
G. Reimann: In der klassischen Produktentwicklung und Konstruktion sowie in der Softwareentwicklung sehen wir mittlerweile viele KI-Lösungsangebote vonseiten der Softwareindustrie und gleichzeitig gibt es viele Unternehmen aus dem Maschinenbau, die KI-Technologien in ihre Produkte oder in produktbegleitende Dienstleistungen integriert haben, und diese für die Metallzerspanung zur Verfügung stellen. Auf der AMB findet das Fachpublikum nicht nur die Maschinenausrüster und Zulieferer für die Produktion, sondern auch Software- und Dienstleistungsunternehmen, die bei einer durchgängigen Umsetzung entlang der Wertschöpfungskette unterstützen.
Künstliche Intelligenz wird im Programm sichtbar
Expertentalk auf der «AMB Stage»: Praktikerinnen und Praktiker aus Industrie, Forschung und Anwendung diskutieren den KI-Einsatz in der spanabhebenden Fertigung.
(Bild: Valentin Marquardt)
Wer das Thema KI auf der AMB 2026 vom 15. bis 19. September 2026 in Stuttgart nicht nur an den Messeständen, sondern auch im direkten Expertenaustausch erleben möchte, dem bietet die «AMB Stage» am Mittwoch, 16. September, gleich zwei besondere Gelegenheiten: Der VDMA Software und Digitalisierung lädt von 12:00 bis 13:30 Uhr zur Podiumsdiskussion «Künstliche Intelligenz in der Fertigung – Praxisbeispiele». Danach diskutieren beim Expertentalk «KI in der Produktion – Vom Hype zur Wertschöpfung» ab 14:00 Uhr Praktikerinnen und Praktiker aus Industrie, Forschung und Anwendung aktuelle Entwicklungen, konkrete Einsatzbeispiele und offene Fragen rund um den KI-Einsatz in der spanabhebenden Fertigung.
Die «AMB Stage» befindet sich im Atrium (EO010) am Eingang Ost.
Industrial AI, EU AI Act, humanoide Robotik, Quantencomputing – die Agenda wird voller. Welche Entwicklungen sollten Entscheiderinnen und Entscheider aus der Metallzerspanung in den nächsten fünf Jahren unbedingt im Blick behalten?
G. Reimann: Es stimmt, die Bandbreite an relevanten Technologien, Einsatzmöglichkeiten und regulatorischen Vorgaben im Digitalbereich wird immer grösser. Das bedeutet für Ausrüster und Anwendungsindustrien ebenfalls, diesen Wandel mitzugehen. Denn digitale Technologien werden nicht nur für interne Prozesse in den Unternehmen relevanter, sondern auch mit Blick auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen gewinnen sie deutlich an Einfluss. Wer sich also frühzeitig mit neuen digitalen Technologien, den Anwendungsmöglichkeiten im eigenen Unternehmen und in den Kundenbranchen auseinandersetzt, kann die Weichen für den zukünftigen Erfolg rechtzeitig stellen. Aus einer VDMA-Erhebung vom Frühjahr 2026 wissen wir auch, dass sich die Unternehmen des Maschinenbaus aktuell sehr intensiv mit den drei folgenden Technologien auseinandersetzen und den Einsatz ausbauen wollen: Künstliche Intelligenz, Digitale Zwillinge und Open Source Software.
Stand vom 30.10.2020
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